Psychologische Behandlungen für Depression und Angstzuständen bei Demenz und leichter kognitiver Beeinträchtigung

Symptome von Depression und Angstzuständen sind bei Menschen mit Demenz und leichter kognitiver Beeinträchtigung (Mild Cognitive Impairment - MCI) häufig. Obwohl die Behandlung dieser Symptome in den Leitlinien weithin empfohlen wird, ist die richtige Methode hierfür nicht klar. Medikamente scheinen in diesem Kontext nur eine begrenzte Wirksamkeit zu haben und bergen das Risiko erheblicher Nebenwirkungen. Psychologische Behandlungen können für eine Anwendung bei Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung angepasst werden und bieten eventuell einen alternativen Behandlungsansatz.
Der vorliegende Review identifizierte sechs randomisierte kontrollierte Studien mit 439 Teilnehmern, bei denen eine psychologische Behandlung von Menschen mit Demenz mit der Regelversorgung verglichen wurde. Die meisten Teilnehmer litten an leichter Demenz, eine Studie wurde jedoch mit Pflegeheimbewohnern durchgeführt, die an einer schwereren Demenz litten. Wir fanden keine Studien mit Teilnehmern mit leichter kognitiver Beeinträchtigung. Die angewendeten psychologischen Interventionen basierten auf etablierten psychologischen Modellen wie der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), Psychotherapie und der interpersonellen psychodynamischen Therapie. Bei zwei Studien wurde die psychologische Behandlung mit anderen Interventionen kombiniert. Wir fanden Evidenz dafür, dass psychologische Behandlungen depressive Symptome bei Menschen mit Demenz vermindern können. Es gab auch etwas Evidenz aus zwei Studien dafür, dass eine KVT von Klinikern bewertete Angstsymptome bei Menschen mit leichter Demenz möglicherweise vermindern kann. Aufgrund der unzureichenden Präzision unserer Ergebnisse konnten wir nicht sagen, inwiefern psychologische Behandlungen eine Wirkung auf die Lebensqualität von Patienten, ihre Fähigkeit, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen, allgemeine psychiatrische Symptome, Kognition oder auf die von den Pflegenden selbst beurteilten depressiven Symptome hatten. Die meisten Studien maßen diese Endpunkte allerdings nicht.
Obwohl diese Ergebnisse vielversprechend sind, macht es die geringe Anzahl an Studien und die zwischen ihnen bestehenden Unterschiede bezüglich der Art und Dauer der Behandlung schwer, Schlussfolgerungen hinsichtlich der besten Methode für eine psychologische Behandlung von Menschen mit Demenz zu ziehen, die an Depressions- oder Angstsymptomen leiden. Weitere qualitativ hochwertige Studien in diesem Bereich wären hier hilfreich, insbesondere Studien mit Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung.

Übersetzung: 

B. Fiess, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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