Maßnahmen zur Optimierung von Medikamentenverordnungen für ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen

Hintergrund

Ältere Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben (je nach Pflegeintensität auch als Altenpflegeheime, Pflegeheime, Seniorenheime oder Seniorenresidenzen bezeichnet), haben viele komplexe körperliche und mentale Gesundheitsprobleme. Bewohnern von Pflegeeinrichtungen werden im Vergleich mit Menschen, die in ihrer eigenen Wohnung oder im eigenen Haus leben, relativ viele Medikamente verordnet; ein Durchschnitt von acht Medikamenten ist dabei durchaus üblich. Internationale Forschungen haben gezeigt, dass diese Verordnungen oft nicht gut aufeinander abgestimmt sind und dass einigen Bewohnern ungeeignete Medikamente verordnet werden. Dieser Zustand kann zu schädlichen Nebenwirkungen und einem Verlust des Medikamentennutzens führen. Aus diesen Gründen ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass Bewohnern von Pflegeeinrichtungen die richtigen Medikamente in den richtigen Dosen verordnet werden. Dies ist eine Aktualisierung eines bereits veröffentlichten Reviews (Alldred 2013).

Studienmerkmale

Wir fanden 12 Studien mit 10.953 Bewohnern in 355 Pflegeeinrichtungen in 10 Ländern, die Maßnahmen zur Optimierung der Medikamentenverordnungen für Bewohner von Pflegeeinrichtungen auswerteten. Die meisten Maßnahmen bestanden aus mehreren Komponenten, zu denen häufig eine Überprüfung der Medikamente mit einem Apotheker und einem Arzt gehörten. Einige Maßnahmen umfassten eine Schulungskomponente und in einer Studie wurde Informationstechnologie (IT) genutzt.

Hauptergebnisse

Wir fanden keine Evidenz für einen Nutzen der Maßnahmen im Hinblick auf die Verringerung unerwünschter Arzneimittelereignisse (schädlicher Wirkungen, die durch Medikamente verursacht werden) oder von Todesfällen. Eine Studie belegte weniger im Krankenhaus verbrachte Tage für die Bewohner; die Mehrheit der Studien zeigte jedoch keinen Nutzen im Hinblick auf die Verringerung der Krankenhauseinweisungen. Eine Studie zeigte einen langsameren Rückgang der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Probleme im Zusammenhang mit Medikamenten wurden durch die Maßnahmen in diesen Studien entdeckt und angegangen. Die Verordnungspraxis wurde in fünf Studien auf der Grundlage von Kriterien zur Bewertung der Zweckmäßigkeit der Verordnung verbessert.

Sicherheit der Evidenz

Wir beurteilten die Qualität der Evidenz für die berichteten Endpunkte insgesamt als niedrig für unerwünschte Arzneimittelereignisse (schädliche Wirkungen, die durch Medikamente verursacht werden), Krankenhauseinweisungen, Tod, Lebensqualität, Probleme im Zusammenhang mit Medikamenten und Eignung der Medikation und als sehr niedrig für die Kosten der Medikamente. Es müssen mehr Studien von guter Qualität durchgeführt werden, um weitere Evidenz für diese und andere Arten von Maßnahmen zu sammeln. Es sind weitere Studien erforderlich, um neue Technologien auszuwerten, zum Beispiel Computersysteme zur Unterstützung von Verordnungsentscheidungen. Es muss stärker dafür gesorgt werden, dass Forscher durchgängig Endpunkte bestimmen, die für Bewohner von Pflegeeinrichtungen wichtig sind.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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