Aufbereitete Thrombozytentransfusionen zur Reduzierung von durch Transfusionen übertragenen Infektionen zur Vorbeugung von Blutungen bei Personen mit geringer Thrombozytenzahl

Fragestellung

Das Ziel dieses Reviews war die Beurteilung, ob speziell aufbereitete pathogenreduzierte Thrombozyten bei einer Transfusion ebenso wirksam wie normale Thrombozyten sind. Insbesondere stand die Frage im Vordergrund, inwiefern diese eine Blutung ebenso wie normale Thrombozyten stoppen oder einer Blutung ebenso vorbeugen, inwiefern bei ihnen derselbe Anstieg der Thrombozytenzahl zu verzeichnen ist, und inwiefern ihre Anwendung Auswirkungen auf den weiteren Transfusionsbedarf hat. Dieser Review untersuchte darüber hinaus, ob pathogenreduzierte Thrombozyten ebenso sicher wie normale Thrombozyten sind, beispielsweise inwiefern eventuelle Unterschiede bei der Sterblichkeitsrate nach der Transfusion bestehen, und ob mit der Anwendung dieser Produkte Nebenwirkungen verbunden sind.

Unsere Zielpopulation waren Personen jeglichen Alters mit einer niedrigen Thrombozytenzahl, die normalerweise mit Thrombozytentransfusionen behandelt würden.

Hintergrund

Blut für Transfusionen wird Blutspendern entnommen, anschließend aufbereitet und in Beuteln mit verschiedenen Blutbestandteilen gelagert. Einer dieser Bestandteile sind Thrombozyten. Thrombozyten sind Zellen, die dem Körper bei der Gerinnung helfen und Blutungen vorbeugen. Thrombozytentransfusionen können zur Vorbeugung von Blutungsereignissen verabreicht werden, wenn die Thrombozytenzahl unter eine vorab festgelegte Thrombozytenzahl sinkt (z.B. 10 x 109/l), oder können zur Behandlung einer Blutung verabreicht werden (wie bspw. länger andauerndem Nasenbluten oder mehrerer Hämatome). Wie bei allen Transfusionen bestehen auch bei einer Thrombozytentransfusion Risiken, darunter auch ein geringfügiges Risiko für die Übertragung von Infektionen durch die Transfusion. Eine Reihe von Methoden wird angewandt, um das Risiko solcher, durch die Transfusion übertragener Infektionen zu minimieren - darunter fallen die sorgfältige Auswahl der Personen, die das Blut spenden und strikte Testverfahren zur Untersuchung des gespendeten Blutes. Eine Methode zur Vorbeugung von Infektionen ist die Pathogenreduktion, bei der die Anzahl der Infektionserreger vermindert werden kann, indem Chemikalien zu den gespendeten Thrombozyten hinzugefügt werden und die Thrombozyten ultraviolettem Licht einer speziellen Wellenlänge ausgesetzt werden. Wir haben zwei Arten von Techniken zur Pathogenreduktion in diesen Review aufgenommen, Intercept® und Mirasol®.

Studienmerkmale

Die Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2016. Wir fanden fünf neue Studien, die für einen Einschluss in diese Aktualisierung des Reviews geeignet waren. Drei dieser Studien laufen derzeit noch. Wir schlossen 12 randomisierte, kontrollierte Studien in diesen Review ein. Bei 10 Studien wurde die Intercept®-Methode zur Pathogenreduktion mit normalen Thrombozyten verglichen, zwei Studien verglichen die Mirasol®-Methode zur Pathogenreduktion mit normalen Thrombozyten. Sämtliche dieser Studien wurden zwischen 2003 und 2016 durchgeführt und schlossen insgesamt 2.075 Teilnehmer ein. Bei 12 Studien wurden die Finanzierungsquellen genannt. Der Großteil der eingeschlossenen Studien wurde an Erwachsenen mit Blutkrebs durchgeführt.

Hauptergebnisse

Bei Personen mit Krebs, die aufgrund ihrer Erkrankung oder deren Behandlung eine geringe Thrombozytenzahl aufweisen, stellten wir fest, dass pathogenreduzierte Thrombozytentransfusionen zu einem Anstieg der Anzahl der erforderlichen Thrombozytentransfusionen führten, und dass das Risiko dafür zunahm, keinen Anstieg der Thrombozytenzahl nach der Transfusion (Thrombozytenrefraktärität) mehr zu erzielen. Pathogenreduzierte Thrombozytentransfusionen haben wahrscheinlich keinen Einfluss auf das Sterbe- oder Blutungsrisiko bzw. auf eine schwerwiegende Nebenwirkung. Keine der Studien berichtete über die Lebensqualität. In den sechs Studien, die diesen Endpunkt berichteten, traten keine, durch die Transfusionen übertragenen, bakteriellen Infektionen auf.

Zu Personen mit anderen Diagnosen lag keine ausreichende Evidenz vor.

Alle drei laufenden Studien betrachten Erwachsene mit Blutkrankheiten (geplante Rekrutierung 1.375 Teilnehmer). Es sind keine laufenden Studien zu Kindern oder Erwachsenden mit anderen Diagnosen vorhanden.

Die Ergebnisse dieses Reviews basieren auf 12 Studien und den 1.981 Teilnehmern, die eine Thrombozytentransfusion erhielten.

Wir untersuchten keine wirtschaftlichen/finanziellen Endpunkte.

Qualität der Evidenz

Die Gesamtqualität der vorliegenden Evidenz war niedrig bis hoch, da die Einschätzungen ungenau (Sterberisiko oder Risiko für schwere Nebenwirkung) waren, und es Unterschiede bezüglich der Einschätzungen des Blutungsrisikos zwischen den einzelnen Studien gab.

Schlussfolgerungen der Autoren: 


Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Übersetzung: 

B. Fiess, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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