Drucktherapie bei Menière-Krankheit oder Menière-Syndrom

Hintergrund

Die Menière-Krankheit ist eine Störung im Innenohr, die zu Schwindel, Hörverlust und Tinnitus führt. Treten die Beschwerden als Folge einer bekannten Innenohrerkrankung auf, werden sie als Menière-Syndrom bezeichnet. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Behandlungen für Patienten mit dieser Erkrankung, die von Ernährungsumstellungen (z. B. salzarme Ernährung) und Medikamenten (z. B. Betahistin oder Diuretika) bis hin zu umfassenden operativen Eingriffen reichen. Da die Menière-Krankheit unbehandelt jedoch schwankend zwischen Remissionen (Abschwächung der Symptome) und Exazerbationen (Verschlechterungen) verläuft, lassen sich Behandlungen nur schwer bewerten.

Bei der Drucktherapie wird ein Gerät (zum Beispiel das Meniett®-Gerät) im Außenohr platziert, wo es eine Folge von Niederdruckimpulsen abgibt. Man glaubt, dass diese Impulse in das vestibuläre System (Gleichgewichtsorgan) im Innenohr übertragen werden und so den Innenohrdruck beeinflussen. Das Gerät wurde als Zweittherapie für die Menière-Krankheit vorgeschlagen. Um das Gerät nutzen zu können, muss dem Patienten zunächst ein Paukenröhrchen ins Trommelfell eingesetzt werden.

Studienmerkmale

In diesen Review schlossen wir fünf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 265 Teilnehmern ein. Alle Teilnehmer hatten die Menière-Krankheit und waren zwischen 19 und 74 Jahren alt. In allen Studien wurde die Drucktherapie mit einem Placebo (Scheingerät) verglichen.

Hauptergebnisse

Für unseren primären Endpunkt, die Eindämmung des Schwindels, konnten wir die Ergebnisse aus den unterschiedlichen Studien nicht kombinieren, da sie jeweils auf unterschiedliche Weise bestimmt wurden. Keine der eingeschlossenen Studien zeigte bei der Anzahl von Tagen mit Schwindelanfällen signifikante Unterschiede zwischen den aktiven Gruppen und den Placebogruppen. Nur in einer Studie wurden signifikante niedrigere subjektive Punktwerte für Schwindel in der Drucktherapiegruppe im Vergleich zur Placebogruppe gefunden.

Als wir die Ergebnisse aus den beiden Studien kombinierten, stellten wir fest, dass die Patienten in der Placebogruppe nach der Behandlung im Vergleich zu den Patienten in der Drucktherapiegruppe ein besseres Hörvermögen aufwiesen. Der Schweregrad des Tinnitus und die Wahrnehmung eines Druckgefühls im Ohr wurden entweder nicht gemessen oder die eingeschlossenen Studien lieferten nicht genügend Informationen für eine Aussage darüber. Wir fanden insgesamt kein statistisch signifikantes Ergebnis dazu, ob sich die Fähigkeit zur Bewältigung von Alltagssituationen verändert hat. Wir untersuchten auch die Anzahl der Krankentage, fanden jedoch keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Studiengruppen, die diesen Parameter erfassten. In keiner Studie wurden Komplikationen oder unerwünschte Wirkungen erwähnt.

Qualität der Evidenz

Insgesamt bestand für die Studien ein unterschiedliches Risiko für Bias: Für 3 von 5 Studien bestand ein geringes Risiko, bei einer Studie war das Risiko unklar und bei einer hoch. Die Evidenz ist auf dem Stand vom Juni 2014.

Schlussfolgerungen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Review keine hinreichende Evidenz für die Alltagswirksamkeit der Drucktherapie fand. Es müssen weitere Forschungsarbeiten durchgeführt werden. Mehr Forschung auf diesem Gebiet ist notwendig.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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