Monoklonale CD20-Antikörper zur Behandlung von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie

Chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine bösartige Erkrankung und macht 25% aller Leukämien aus. Die Krankheit ist die häufigste bösartige lymphatische Erkrankung in westlichen Ländern und zeichnet sich durch sehr unterschiedliche klinische Verläufe und Prognosen aus. Einige Patienten haben jahrelang nur minimale oder gar keine Symptome bei normaler Lebenserwartung ohne Behandlungsbedarf. Andere Menschen haben zum Zeitpunkt der Diagnose oder bald darauf Symptome und können unter infektiösen und autoimmunen Komplikationen leiden, die zu einer verkürzten Lebensdauer führen. Die Standardbehandlung umfasst Chemotherapie mit einem oder mit mehreren Wirkstoffen. Derzeit werden monoklonale Antikörper, vor allem Alemtuzumab und Rituximab, zugefügt. Die Auswirkungen dieser Wirkstoffe bleiben jedoch unklar, da es in nicht-randomisierten Studien Hinweise auf ein erhöhtes Gesamtüberleben, aber auch auf ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen gab. In diesem systematischen Review haben wir die Ergebnisse aus randomisierten kontrollierten Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von monoklonalen CD20-Antikörpern (wie Rituximab und Ofatumumab) in der Behandlung der CLL zusammengefasst und analysiert. Dazu durchsuchten wir medizinische Datenbanken wie EMBASE, MEDLINE und CENTRAL und fanden sieben randomisierte kontrollierte Studien, die unsere Einschlusskriterien erfüllten. Die eingeschlossenen Studien verglichen die Therapie mit CD20-Antikörpern, vor allem mit Rituximab, mit keiner zusätzlichen Therapie oder mit Therapien gegen den Krebs bei CLL, unabhängig davon, ob die Patienten neu diagnostiziert wurden oder bereits einen Rückfall erlitten hatten. Nur fünf der sieben gefundenen Studien konnten in eine der beiden durchgeführten Meta-Analysen einbezogen werden.

Drei Studien (N = 1.421) wurden in die Meta-Analyse zur Bewertung der Wirksamkeit der Chemotherapie plus Rituximab im Vergleich zu Chemotherapie ohne zusätzliche Therapie aufgenommen. Die Meta-Analyse zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens und eine längere Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung bei Patienten, die zusätzlich Rituximab erhalten hatten. Die Behandlung mit Rituximab verursachte mehr unerwünschte Ereignisse, aber dies führte nicht zu einem statistisch signifikanten Unterschied bezüglich der durch die Behandlung verursachten Todesfälle. Die Patienten, die im Rahmen dieser Studien behandelt wurden, litten jedoch nicht unter anderen schweren gesundheitlichen Problemen abgesehen von CLL; daher bleibt unklar, ob Patienten mit schweren Begleiterkrankungen von dieser Therapiemöglichkeit profitieren.

Zusammenfassend zeigte diese Meta-Analyse, dass Patienten, die eine Chemotherapie mit Rituximab erhielten, im Vergleich zu Patienten, die nur Chemotherapie erhielten, im Hinblick auf das Überleben einen Vorteil hatten. Die Empfehlung von Rituximab in Kombination mit Fludarabin und Cyclophosphamid als Möglichkeit für die Erstlinien-Therapie sowie für Patienten mit Rückfall oder therapieresistenter CLL wird daher unterstützt. Weitere Forschung sollte sich auf die Bewertung des Nutzens von Rituximab mit anderen Chemotherapie-Schemata als Fludarabin mit Cyclophosphamid in der Therapie der bisher unbehandelten Patienten oder der mit Rückfall oder therapieresistentem CLL konzentrieren. Es sollte auch geprüft werden, ob die Gabe von Rituximab zur Chemotherapie Patienten mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen nutzen könnte.

Die verfügbare Evidenz zu Vergleichen aus vier anderen Studien war nicht ausreichend, um Schlussfolgerungen ziehen zu können. Zwei Studien bewerteten Polychemotherapie in Kombination mit Rituximab im Vergleich zur Kombination mit Alemtuzumab. Eine Studie bewertete zwei verschiedene Therapiepläne mit Rituximab: Rituximab, das gleichzeitig mit der primären Behandlung und anschließend an die primäre Behandlung verabreicht wurde im Vergleich zur alleinigen primären Behandlung mit nachfolgender Gabe von Rituximab. Eine Studie untersuchte zwei verschiedene Dosierungen von Ofatumumab (500 mg und 1000 mg) als Ergänzung zu Fludarabin mit Cyclophosphamid.

Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) sind erforderlich, um die klinische Wirkung von neuartigen CD20-Antikörpern, wie Ofatumumab oder GA101, im Vergleich zu Rituximab zu untersuchen. Uns sind 16 laufende Studien bekannt, darunter drei Studien zu Ofatumumab mit oder ohne zusätzliche Chemotherapie im Vergleich zu keiner Behandlung. Die Ergebnisse dieser Studien werden in eine Aktualisierung dieses Reviews aufgenommen. Sie könnten zu anderen Schlussfolgerungen führen und ein Urteil über die allgemeine Wirksamkeit und Sicherheit von monoklonalen CD20-Antikörpern in der Behandlung der CLL ermöglichen.

Übersetzung: 

M. Seel, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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