Reinigung der Vagina mit einer antiseptischen Lösung vor dem Kaiserschnitt, um Infektionen nach der Operation zu verringern.

Wir wollten anhand von randomisierten, kontrollierten Studien herausfinden, ob die Reinigung der Vagina mit einer antiseptischen Lösung vor einer Kaiserschnittentbindung das Risiko mütterlicher Infektionen zuverlässig verringert.

Worum geht es?

Die Reinigung der Vagina vor dem Kaiserschnitt kann die Anzahl der Bakterien, die von Natur aus in der Vagina vorhanden sind, reduzieren. Diese Bakterien in der Vagina und im Gebärmutterhals können während des chirurgischen Eingriffs in die Gebärmutter aufsteigen und eine Infektion der Gebärmutterschleimhaut und der Operationswunde verursachen. Vor der Operation werden routinemäßig Antibiotika verabreicht, um das Infektionsrisiko zu verringern.Jedoch leiden einige Frauen dennoch unter diesen Komplikationen. Einige Antibiotika eliminieren nicht immer alle Bakterien, zudem können antibiotikaresistente Bakterien vorhanden sein. Die vaginale Vorbereitung wird möglicherweise nicht in die Betreuung von Frauen einbezogen, um Infektionen nach Operationen zu verringern. Vaginale Reinigungslösungen wie Chlorhexidin und Povidon-Jod sind kostengünstig und haben nur wenige Nebenwirkungen.

Warum ist das wichtig?

Kaiserschnittgeburten sind weit verbreitet, in einigen Ländern wie den USA wird fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt eine Infektion der Gebärmutter (Endometritis) oder ein Problem mit dem Hauteinschnitt entwickeln. Das Risiko einer Infektion ist größer, wenn die Fruchtblase geplatzt ist oder die Frau vor dem Kaiserschnitt bereits Wehen hatte. Diese Komplikationen können die Erholung der Frau von der Operation verlangsamen und ihre Fähigkeit, sich um ihr Baby zu kümmern, beeinträchtigen. Dies ist ein Cochrane Review, der erstmals 2010 veröffentlicht und 2012, 2014 und 2017 aktualisiert wurde.

Welche Evidenz fanden wir?

Wir suchten am 7. Juli 2019 nach neuer Evidenz. In diese Aktualisierung wurden 21 randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 7038 Frauen, die einen Kaiserschnitt bekamen, eingeschlossen. Die Studien wurden in 10 Ländern durchgeführt (Saudi-Arabien, Pakistan, Iran, Thailand, Türkei, USA, Ägypten, Vereinigtes Königreich, Kenia und Indien). In 18 Studien wurde bei der Kontrollgruppe keine vaginale Vorbereitung vorgenommen, in drei Studien erhielten die Teilnehmerinnen Kochsalzlösung zur vaginalen Vorbereitung. Wir schlossen keine Studien ein, in denen vor oder während des Eingriffs keine Antibiotika verabreicht wurden oder in denen die Frauen während der Wehen vaginal vorbereitet wurden. Siebzehn Studien verwendeten Povidon-Iod zur Vaginalreinigung, drei Chlorhexidin und eine Benzalkoniumchlorid.

Die Reinigung der Vagina mit einer antiseptischen Lösung unmittelbar vor dem Kaiserschnitt verringert wahrscheinlich die Häufigkeit von Infektionen der Gebärmutter nach dem Kaiserschnitt (20 Studien, 6918 Frauen; moderater Evidenz). Dieser Rückgang wurde sowohl bei Lösungen auf Jodbasis als auch bei Lösungen auf Chlorhexidinbasis festgestellt. Das Risiko für postoperatives Fieber (16 Studien, 6163 Frauen) und postoperative Wundinfektionen (18 Studien, 6385 Frauen) wird durch die vaginale Reinigung wahrscheinlich ebenfalls gesenkt (beides Evidenz mit moderater Sicherheit). Das Risiko einer Wundkomplikation oder Infektion der Gebärmutter, kann bei Frauen, die vor der Operation eine Vaginalreinigung mit einer antiseptischen Lösung erhalten, geringer sein (2 Studien, 499 Frauen). In keiner der Studien wurde von unerwünschten Wirkungen, wie einer allergische Reaktion auf die Reinigungslösung oder Reizungen, berichtet.

Eine weitere Analyse deutet darauf hin, dass die Wirkung für vier der fünf untersuchten Endpunkte (Infektion der Gebärmutter nach dem Kaiserschnitt, postoperatives Fieber, postoperative Wundinfektion, Wundkomplikation oder Infektion der Gebärmutter) bei Frauen mit Wehen grösser war als bei Frauen ohne Wehen. Dieser offensichtliche Unterschied muss jedoch in künftigen Studien weiter untersucht werden. Wir konnten keine Unterschiede zwischen den Gruppen von Frauen mit gesprungener Fruchtblase und Frauen mit intakter Fruchtblase feststellen.

Was bedeutet das?

Die Reinigung der Vagina mit Povidon-Iod oder Chlorhexidinlösung (im Vergleich zu Kochsalzlösung oder keiner Reinigung) unmittelbar vor der Kaiserschnittentbindung verringert wahrscheinlich das Risiko einer Gebärmutterinfektion, von Fieber und einer Infektion der Operationswunde. Eine weitere Analyse ergab, dass diese Vorteile in der Regel vorhanden waren, unabhängig davon, ob Lösungen auf Jod- oder auf Chlorhexidinbasis verwendet wurden, und wenn die Frauen vor dem Kaiserschnitt in den Wehen lagen.

Die vaginale Vorbereitung ist eine einfache und gut verträgliche Methode, um das Risiko einer Infektion nach einem Kaiserschnitt zu verringern.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

A. Walther, S. A. Genier, freigegeben durch Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA (www.fondation-sana.ch).

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