Telefoninterventionen zur Linderung von Symptomen für Erwachsene mit Krebserkrankungen

Hintergrund
Menschen mit Krebserkrankungen erleben eine Vielzahl von Symptomen, die durch ihre Erkrankung und deren Behandlung ausgelöst werden. Zu den Symptomen können Depressionen, Angstzustände, Erschöpfung und Schmerzen gehören. Mit diesen müssen die Patienten oder ihren Familien häufig, Tag für Tag, umgehen. Werden die Symptome nicht angemessen behandelt, kann dies zu anderen Problemen wie Schwierigkeiten bei der Ausführung täglicher Aufgaben, schlechtem Schlaf und schlechter Lebensqualität führen.

Krebsspezialisten haben psychologische und pädagogische Behandlungen entwickelt, um Menschen beim Umgang mit ihren Krebssymptomen zu helfen. Diese Behandlungen (oder Interventionen) können, anstelle von persönlichen Gesprächen im Krankenhaus, per Telefon (Telefoninterventionen) im häuslichen Umfeld des Patienten stattfinden.

Welche Fragen wollte dieser Review beantworten?
Ziel dieses Cochrane Review war die Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Sind Telefoninterventionen für Erwachsene mit Krebserkrankungen wirksam, um Symptome der Krebserkrankung und -behandlung zu lindern?

2. Welche Symptome werden am besten gelindert, wenn Telefoninterventionen genutzt werden?

3. Welche Faktoren telefonischer Interventionen haben die größte Wirkung auf die Linderung von Krebssymptomen?

In diesem Review waren Telefoninterventionen Interventionen, die nur, oder größtenteils, per Telefon durchgeführt wurden. Diese wurden durch Fachpersonen im Gesundheitswesen durchgeführt. Zusätzlich zum telefonischen Kontakt konnten sie persönlichen Kontakt oder gedruckte, digitale oder online bereitgestellte Informationen wie Broschüren, Computerprogramme und Websites beinhalten.

Wie haben wir diese Fragen beantwortet?
Wir durchsuchten medizinische Datenbanken und Zeitschriften, um alle randomisierten kontrollierten Studien zu finden, die eine Telefonintervention zur Linderung jeglicher Krebssymptome nutzten. In randomisierten kontrollierten Studien werden Menschen nach dem Zufallsprinzip einer oder einer anderen Behandlung zugeteilt; diese Studien liefern die zuverlässigste Evidenz. Die Studien konnten Telefoninterventionen mit einer anderen Telefonintervention, einer anderen Form der Intervention (z.B. im direkten Kontakt) oder der Regelversorgung vergleichen. Die Teilnehmer dieser Studien waren Erwachsene mit jeglicher Art von Krebserkrankung in jeglichem Stadium.

Ergebnisse
Wir schlossen 32 Studien mit insgesamt 6250 Teilnehmern ein. Die meisten Studien (21) kamen aus den USA. Neun Studien rekrutierten Frauen mit Brustkrebs, elf schlossen Menschen mit Brust-, Darm-, Lungen- oder Prostatakrebs ein. Vierzehn Studien schlossen Menschen mit Krebs im Frühstadium ein. In 24 Studien wurden die Interventionen durch Pflegefachkräfte durchgeführt. Nur zehn Studien stellten rein telefonische Interventionen bereit, sechzehn kombinierten Telefonanrufe mit weiterem Material (gedruckt oder digital). Die Studien erhoben Depressionssymptome, Angstgefühle, emotionale Belastung, Unsicherheit, Erschöpfung, Schmerzen, sexuelle Symptome und Kurzatmigkeit. Sie erhoben darüber hinaus die Wirkung all dieser Symptome zusammen (das allgemeine Symptomerleben).

Die meisten Studien verglichen eine Telefonintervention mit der Regelversorgung allein oder mit der Regelversorgung mit zusätzlicher Unterstützung. Acht Studien verglichen zwei Telefoninterventionen miteinander; einige verglichen diese zudem mit der Regelversorgung.

Da die Studien sich so stark unterschieden, konnten wir die Ergebnisse nicht für jedes Symptom in einer Analyse statistisch zusammenfassen. Einige Studien erhoben jedoch Veränderungen der Symptome unter Verwendung von standardisierten oder vergleichbaren Skalen. Sie erfassten die Skalenwerte der Teilnehmer zu Beginn der Intervention, während der Intervention und am Ende der Intervention, was zu „Änderungswerten“ führte. Wir analysierten die Ergebnisse der Studien, die Änderungswerte berichteten.

Was sagt uns die Evidenz aus diesem Review?
Einundzwanzig Studien lieferten Evidenz zu Depressionen, verglichen mit Regelversorgung oder anderen Interventionen, allerdings lieferten nur neun Studien Änderungswerte. Diese ermittelten, dass Telefoninterventionen Depressionssymptome zu lindern schienen. Ebenso erschienen Telefoninterventionen im Vergleich zur Regelversorgung oder anderen Interventionen wirksam in Bezug auf die Linderung von Angstgefühlen (16 Studien; 5 lieferten Änderungswerte); Erschöpfung (9 Studien; 6 lieferten Änderungswerte); und emotionaler Belastung (7 Studien; 5 lieferten Änderungswerte).

Die Evidenz zu anderen Symptomen war begrenzt, was die Formulierung von Schlussfolgerungen erschwert.

Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
Telefoninterventionen scheinen einige Symptome von Krebserkrankungen und ihrer Behandlung zu lindern, allerdings waren die Studien klein und unterschieden sich stark voneinander. Daher ist unser Vertrauen in die Evidenz (Vertrauenswürdigkeit) sehr niedrig. Es ist unklar, ob Telefoninterventionen, allein oder kombiniert mit persönlichen Treffen, oder Druck- oder Audiomaterial für die Linderung der vielen Symptome, die Menschen mit Krebserkrankungen erleben, am wirksamsten sind.

Schlussfolgerungen
Telefoninterventionen sind für Patienten, ihre Familien und Fachkräfte im Gesundheitswesen komfortabel, jedoch waren die Ergebnisse unseres Reviews nicht eindeutig. Weitere hochwertige Forschung zu diesem Thema wäre hilfreich, um die Fragen unseres Reviews zu beantworten.

Recherchedatum
Dieser Review beinhaltet Evidenz, die bis Januar 2019 veröffentlicht wurde.

Übersetzung: 

A. Wenzel, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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