Behandlungsmethoden bei Milchstau (übervolle, harte, schmerzhafte Brust) bei stillenden Müttern

Fragestellung

Welche sind die besten Behandlungsmethoden für Stillende bei Milchstau?

Hintergrund

Ein Milchstau entsteht durch einen Überschuss an Milch, der zu geschwollenen, harten und schmerzenden Brüsten führt. Bei vielen Frauen kommt es in den ersten Tagen nach der Geburt zu einem Milchstau. Er kann aber auch zu einem späteren Zeitpunkt entstehen. Milchstau tritt häufiger auf, wenn die Stillzeiten vorgegeben werden, das Neugeborene Schwierigkeiten hat zu saugen oder Mutter und Kind getrennt voneinander untergebracht sind. Diese Bedingungen führen dazu, dass die Brüste nicht vollständig entleert werden. Ein Milchstau kann das Stillen erschweren und zudem zu Komplikationen wie Brustentzündung, Infektionen oder wunde und rissige Brustwarzen führen. Bislang liegt keine ausreichende Evidenz dafür vor, welche Behandlungsmethoden wirksam sind.

Studienmerkmale

Wir suchten nach Studien, die jede mögliche Art von Behandlung bei Milchstau bei Stillenden untersuchten. Wir haben 13 Studien, mit insgesamt 919 Stillenden mit Milchstau, betrachtet. Die Studien untersuchten unter anderem folgende Behandlungsmethoden: Akupunktur, Akupressur, Kohlblätterauflagen, Kältekompressen, Medikation, Massagen und Ultraschall. Von diesen Studien wurden vier von Institutionen finanziert, denen ein kommerzielles Interesse an den Ergebnissen unterstellt werden kann. Zwei Studien hatten eine finanzielle Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen und zwei von staatlichen Stellen. Die übrigen fünf Studien haben die Finanzierung nicht offengelegt.

Ergebnisse

Eine Studie hat Akupunktur mit herkömmlicher Behandlung (Beratung und Oxytocin-Spray) verglichen und konnte keine Unterschiede bezüglich des Abstillens feststellen. In der Akupunktur-Gruppe war jedoch die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Frauen unter einem Abszess (Eiteransammlung) litten. Sie hatten zudem am fünften Tag nach der Behandlung weniger schwerwiegende Symptome und auch die Rate an Frauen mit Fieber war kleiner als bei Frauen mit der herkömmlichen Behandlung. Drei Studien untersuchten die Behandlung mit Kohlwickeln. Es zeigten sich keine Unterschiede zwischen der Behandlung mit gekühlten und nicht gekühlten Kohlblättern, zwischen gekühlten Kohlblättern und Kältekompressen und zwischen einer Creme aus Kohlblätterextrakt und einer Creme ohne Wirkung (Placebo-Creme). Alle Behandlungsmethoden brachten jedoch etwas Linderung. Kalte/Warme Kompressen zeigten eine bessere Wirkung als eine Behandlung mit Akupressur. Die Gua-Sha-Behandlung (Schaben auf der eingeölten Haut mit einem Gegenstand mit abgerundeter Kante) stellte sich zur Linderung der Symptome von Milchstau als wirksamer heraus als die Behandlung mit Wärmekompressen und Massagen; wobei beide Behandlungsmethoden die Brusttemperatur, den Milchstau sowie Schmerzen und Beschwerden nach 5 bis 30 Minuten nach der Behandlung senkten. In einer Studie zur Ultraschalltherapie hatten sowohl Behandlungen mit Ultraschall als auch Behandlungen mit Schein-Ultraschall (ohne Ultraschallwellen) lediglich eine geringe Wirkung. Die Oxytocin-Injektion, die in einer weiteren Studie untersucht wurde, brachte hingegen keine Erleichterung. Kältekompressen in Form einer Brust wiesen im Vergleich zur herkömmlichen Behandlung eine bessere schmerzlindernde Wirkung auf. Die Studie war jedoch von sehr niedriger Qualität, sodass das Ergebnis unzuverlässig ist.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz war aufgrund der geringen Teilnehmerinnenzahl sowie der begrenzten Anzahl von Studien, die dieselben Endpunkte überprüften, niedrig. Zuverlässigere Forschung zu den Behandlungsmethoden bei Milchstau ist dringend erforderlich.

Übersetzung: 

A. Lintner, C. Loytved, freigegeben durch Cochrane Schweiz

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