Kernaussagen
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Eisenpräparate erhöhen bei Kindern das Malariarisiko nicht, wenn Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria verfügbar sind.
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In Gebieten ohne Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria können Eisenpräparate das Malariarisiko leicht erhöhen. Das zusätzliche Risiko ist jedoch gering.
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Um besser zu verstehen, welche Kinder am meisten von Eisen profitieren, ob Folsäure die Wirkung von Eisen beeinflusst und wie Eisen in Regionen mit eingeschränkten Malariadiensten sicher gegeben werden kann, sind weitere Studien nötig.
Was sind Anämie und Malaria?
Anämie ist ein Zustand, bei dem der Körper nicht über genügend gesunde rote Blutkörperchen verfügt, um Sauerstoff zu den Geweben zu transportieren. Sie wird häufig durch einen Eisenmangel in der Ernährung verursacht, der bei Kindern zu Symptomen wie Müdigkeit, Schwäche sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen führt.
Malaria ist eine schwere Krankheit, die durch Parasiten verursacht wird. Diese werden durch den Stich infizierter Moskitos auf den Menschen übertragen. Sie ist in vielen tropischen und subtropischen Regionen verbreitet. Zu den Symptomen gehören Fieber, Schüttelfrost und weitere grippeähnliche Beschwerden. Ohne rasche Behandlung kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden.
In Regionen, in denen Malaria dauerhaft vorkommt und das ganze Jahr über relativ gleich häufig ist, gab es die Sorge, dass Eisenpräparate bei Kindern das Risiko erhöhen könnten, an Malaria zu erkranken. Das liegt daran, dass der Malariaparasit Eisen für sein Wachstum benötigt. Ein höherer Eisengehalt im Blut könnte dem Parasiten daher möglicherweise helfen. Eine Blutarmut kann das Immunsystem schwächen. Dadurch werden Kinder anfälliger für Infektionen – auch für Malaria.
Was wollten wir herausfinden?
Wir wollten wissen, ob Eisenpräparate für Kinder, die in Malaria-Gebieten leben, sicher sind und helfen. Konkret wollten wir herausfinden, ob die Gabe von Eisenpräparaten an Kinder in Malariagebieten folgende Risiken beeinflusst:
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klinische Malaria (definiert als Fieber und Malariaparasiten im Blut);
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schwere Malaria (eine gefährlichere Form der Krankheit, die zu Koma, schwerer Blutarmut oder Organversagen führen kann);
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Tod; und
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Krankenhausaufenthalte oder Klinikbesuche.
Wie sind wir vorgegangen?
Wir haben nach Studien gesucht, die sich mit der Verabreichung von Eisenpräparaten (mit oder ohne Folsäure) an Kinder unter 18 Jahren befassten, die in Gebieten mit hoher Malariaübertragung leben. Dazu gehörten alle Studien aus der 2016 veröffentlichten Version dieses Reviews sowie neu identifizierte Studien. Wir schlossen Studien ein, die Eisenpräparate mit einem Placebo (Scheinmedikament) oder keiner Behandlung verglichen. Wir haben auch Studien einbezogen, in denen die Verabreichung von Eisen zusammen mit einer Malariabehandlung untersucht wurde.
Wir fanden 40 Studien mit 33.785 Kindern. Wir verglichen und fassten die Ergebnisse der Studien zusammen und bewerteten unser Vertrauen in die Evidenz auf der Grundlage der Studienmethoden und Größe der Studien.
Was fanden wir heraus?
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Die Behandlung mit Eisen führt zu geringen bis keinen Unterschieden bei der klinischen Malaria, verringert das Risiko einer schweren Malaria leicht und führt möglicherweise zu geringen bis keinen Unterschieden bei Todesfällen oder Krankenhausaufenthalten und Klinikbesuchen.
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Eisen in Verbindung mit Folsäure führt möglicherweise zu einem geringen bis gar keinem Unterschied bei schwerer Malaria, Tod und Krankenhausaufenthalten.
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In Gebieten, in denen eine gute Malariaprophylaxe und -behandlung gewährleistet ist, zu der unter anderem Moskitonetze, das Ausbringen von Insektiziden zur Verringerung der Mückenpopulation und der Zugang zu Tests und Behandlungen gehören, kann Eisen möglicherweise dazu beitragen, das Risiko einer klinischen Malaria zu verringern. In Gebieten, in denen solche Ressourcen nicht zur Verfügung stehen, erhöht Eisen möglicherweise das Risiko einer klinischen Malaria.
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Eisen in Kombination mit einer Malariaprophylaxe reduziert die klinische Malaria erheblich, verringert möglicherweise nicht das Sterberisiko und reduziert wahrscheinlich Krankenhausaufenthalte und Klinikbesuche.
Was schränkt die Evidenz ein?
Unser Vertrauen in die Evidenz war unterschiedlich. Wir sind sicher, dass die Einnahme von oralen Eisenpräparaten das Risiko einer klinischen oder schweren Malaria nicht erhöht. In den Fällen, in denen wir nur begrenztes Vertrauen hatten, enthielten die Studien keine detaillierten Informationen über ihre Durchführung. Daher ist es schwierig, die Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse zu beurteilen. In Gebieten, in denen es keine Malariaprophylaxe und -behandlung gibt, ist die Evidenz weniger sicher. Sie stützt sich nämlich hauptsächlich auf eine einzige große Studie. Schließlich sind nur begrenzt Informationen über die Wirkung der Kombination aus Eisen und Folsäure verfügbar.
Wie aktuell ist die Evidenz?
Die Evidenz ist auf dem Stand vom 20. Mai 2025.
A. Zink, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland
Diese Cochrane-Übersichtsarbeit wurde ursprünglich auf Englisch verfasst. Die Genauigkeit der Übersetzung liegt in der Verantwortung des übersetzenden Teams. Die Übersetzung wird mit Sorgfalt angefertigt und folgt standardisierten Verfahren zur Qualitätssicherung. Allerdings gilt im Falle von Unstimmigkeiten, ungenauen oder unpassenden Übersetzungen der englische Originaltext.