Verringern gesetzliche Rauchverbote das Passivrauchen und das Rauchverhalten?

Nachdem 2004 die ersten landesweiten gesetzlichen Rauchverbote in allen öffentlichen Gebäuden eingeführt wurden, erhöhte sich seit der ersten Veröffentlichung dieses Reviews die Anzahl der Länder, Bundesstaaten und Regionen, die ähnliche gesetzliche Rauchverbote an öffentlichen Orten und an Arbeitsplätzen verabschiedeten. Der Hauptgrund besteht im Schutz der Nichtraucher vor den gesundheitsschädlichen Wirkungen des Passivrauchens. Ein weiterer Grund ist die Schaffung eines begünstigenden Umfelds für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen.

Studienmerkmale

Wir suchten nach Studien, in denen die Wirkung der Einführung eines Rauchverbots auf beliebige Gesundheitsmaßnahmen oder auf das Rauchverhalten untersucht wurden (bis Februar 2015). Da die vorige Version dieses Reviews eindeutige Evidenz vorlegte, dass die Einführung eines gesetzlichen Rauchverbots an öffentlichen Orten das Passivrauchen an diesen Orten verringert, schlossen wir keine Studien ein, in denen nur über die Belastung durch Passivrauchen berichtet wurde. In diesen aktualisierten Review schlossen wir 77 Studien aus 21 Ländern ein. Studien zu Gesundheitsendpunkten nutzten typischerweise Daten aus Krankenhäusern und suchten nach Veränderungen bei Einweisungs-, Entlassungs- und Todesraten. In den meisten Studien wurden Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (Herz oder Blutgefäße) untersucht, zum Beispiel Herzinfarkte und Schlaganfälle. Mehrere Studien untersuchten auch die Wirkungen auf die Gesundheit der Atemwege, darunter auf chronische obstruktive Lungenerkrankungen (z. B. Bronchitis), Asthma und Todesraten. 7 Studien beschäftigten sich mit der Gesundheit neugeborener Kinder. 11 Studien berichteten über Todesraten. Die Studien mit der höchsten Qualität sammelten Daten zu mehreren Zeitpunkten vor und nach der Einführung eines Rauchverbots, um bestehende Zeitreihentrends zu bereinigen. Einige Studien konnten Ereignisraten in Gebieten mit und ohne Rauchverbot vergleichen oder in Gebieten, in denen Rauchverbote zu unterschiedlichen Zeiten eingeführt wurden.

Hauptergebnisse

Es gibt Evidenz dafür, dass Länder und ihre Bevölkerungen nach der Einführung von Rauchverboten von besserer Gesundheit profitieren, insbesondere im Hinblick auf Herz und Blutgefäße. Wir fanden Evidenz für verringerte Todesraten. Der Einfluss von Rauchverboten auf die Gesundheit der Atemwege, auf die Gesundheit neugeborener Kinder und auf die Verringerung der Anzahl von Rauchern und ihrem Zigarettenverbrauch ist nicht so eindeutig; einige Studien fanden hier keine Verringerung.

Qualität der Evidenz

Gesetzliche Rauchverbote wurden bisher nicht in randomisierten Studien untersucht und die Qualität der Evidenz aus den Arten von Studien, die für diesen Review untersucht wurden, ist niedriger. Veränderungen bei Gesundheitsendpunkten könnten auch auf andere Faktoren wie Veränderungen bei Praktiken in der Gesundheitsversorgung zurückzuführen sein. In vielen Studien wurden jedoch Analysemethoden angewandt, mit denen sich zugrundeliegende Trends berücksichtigen ließen; dies erhöht unser Vertrauen darauf, dass die Veränderungen auf die Einführung von Rauchverboten zurückzuführen sind.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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