Höhere Aminosäureaufnahme gegenüber einer geringeren Aufnahme in der parenteralen Ernährung von Neugeborenen

Fragestellung

Führt die Verabreichung einer intravenösen Ernährung mit höherem Aminosäure-(Protein)-Gehalt in den ersten Tagen nach der Geburt bei Neugeborenen zu einem verbesserten Wachstum und einem Überleben ohne Behinderung?

Hintergrund

Kranke Neugeborene und Frühgeborene sind von Unterernährung und Wachstumsstörungen bedroht, da sie nach der Geburt nicht die Menge an Protein erhalten können, die sie im Mutterleib erhalten haben. Obwohl die Verabreichung einer höheren Dosis von Aminosäuren in der parenteralen Ernährung (Zufuhr von Nährstoffen über eine Vene) potenzielle Vorteile bietet, bleiben mögliche Nebenwirkungen von überschüssigem Protein bestehen. Da die Leber und Nieren des Säuglings noch nicht ausgereift sind und diese für die Verwertung von Protein und die Entfernung von Proteinabfällen aus dem Körper verantwortlich sind, bleibt dies ein Grund zur Sorge.

Studienmerkmale

In diesem Review wurden 21 Studien eingeschlossen, die klinische Endpunkte bei Säuglingen berichteten, die sehr früh geboren wurden oder ein niedriges Geburtsgewicht hatten. Die Berichterstattung war für alle Endpunkte unvollständig. Die Suche nach Studien wurde im Juni 2017 durchgeführt.

Hauptergebnisse

Eine höhere Aminosäureaufnahme hatte keinen Einfluss auf das Überleben von Frühgeborenen oder Säuglingen mit niedrigem Geburtsgewicht. Es liegen nicht genügend Informationen vor, um festzustellen, ob dies einen Einfluss auf die neuronale Entwicklung hatte. Eine höhere Aminosäureaufnahme war mit einer geringeren Rate von Wachstumsstörungen, einem höheren Kopfwachstum und weniger Augenproblemen bei Frühgeborenen verbunden (die Augenprobleme waren nicht schwerwiegend). Eine höhere Aminosäureaufnahme war auch mit einem erhöhten Gehalt an Proteinabbauprodukten (Harnstoff) und einer geringeren Inzidenz (Neuauftreten von Erkrankungen) von hohen Blutzuckerwerten verbunden.

Schlussfolgerungen

Eine höhere Aminosäureaufnahme hatte keinen Einfluss auf das Überleben, reduzierte aber die Häufigkeit von Wachstumsstörungen bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus. Eine höhere Aminosäureaufnahme kann andere Effekte hervorrufen, einschließlich einer Zunahme des Kopfwachstums und einer Verringerung von Augenproblemen (Frühgeborenen-Retinopathie), obwohl diese Effekte ungewiss sind. Die Evidenz legt nahe, dass eine hohe Aminosäureaufnahme möglicherweise nicht von allen Säuglingen toleriert wird. Es bedarf noch weiteren Forschungsarbeiten, um die optimale Aminosäureaufnahme für die parenterale Ernährung und das Nährstoffgleichgewicht bei Frühgeborenen zu bestimmen.

Qualität der Evidenz

Niedrige Qualität der Evidenz deutet darauf hin, dass eine höhere Aminosäureaufnahme in der parenteralen Ernährung die Sterblichkeit nicht beeinflusst. Sehr niedrige Qualität der Evidenz deutet darauf hin, dass eine höhere Aminosäureaufnahme die Häufigkeit von postnatalen Wachstumsstörungen reduziert, und dass eine höhere Aminosäureaufnahme die Retinopathie bei Frühgeburt verringert, allerdings nicht die schwere Retinopathie. Die Evidenz reichte nicht aus, um zu zeigen, ob eine höhere Aminosäureaufnahme einen Einfluss auf die neuronale Entwicklung hatte.

Zielsetzungen: 



Übersetzung: 

J. Gauch, freigegeben durch Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA.

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