Tramadol bei Arthrose

Diese Zusammenfassung eines Cochrane Reviews führt aus, was wir aus der Forschung über den Nutzen und die Schäden von Tramadol (einem Schmerzmittel) zur Behandlung von Arthrose wissen. Wir untersuchten die bis zum 1. Februar 2018 veröffentlichten Forschungsergebnisse und fanden 22 Studien mit 3871 Personen, die Tramadol einnahmen, und 2625 Personen in einer Vergleichsgruppe. Im Vergleich zu Placebo (Scheinbehandlung) zeigte Evidenz von moderater Qualität, dass die Einnahme von Tramadol über einen Zeitraum von bis zu drei Monaten keinen relevanten Nutzen für die durchschnittlichen Schmerzen oder Funktionsfähigkeit hatte, obwohl etwas mehr Teilnehmer in der Tramadol-Gruppe eine bedeutsame Besserung (definiert als 20 % oder mehr) beschrieben. Möglicherweise hatten die Teilnehmer mehr Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Verstopfung, Müdigkeit und Kopfschmerzen, die sie dazu veranlassten, die Einnahme einzustellen. Angesichts der geringen Anzahl von Ereignissen sind wir uns unsicher, was das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen anbelangt. Die meisten Studien wurden von der Pharmaindustrie finanziert.

Was versteht man unter Arthrose und was ist Tramadol?

Arthrose ist eine Erkrankung der Gelenke, wie des Knies oder der Hüfte. Wenn der Knorpel im Gelenk abbaut, wächst der Knochen und versucht dadurch, den Schaden auszugleichen. Anstatt jedoch zu einer Verbesserung zu führen, ist dieser Knochenzuwachs abnormal und verschlechtert die Situation. Der Knochen kann das Gelenk beispielsweise schmerzhaft und instabil (wackelig) werden lassen. Dies kann die körperliche Funktionsfähigkeit oder die Fähigkeit, das Knie zu nutzen, beeinträchtigen.

Tramadol ist ein Opioid (Schmerzmittel), das zur Behandlung von Arthrose verwendet wird. Im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln, wie etwa den nicht-steroidalen Antirheumatika (NSARs), verursacht Tramadol keine Blutungen im Magen-Darm-Trakt und auch keine Nierenprobleme. Auch der Knorpel am Ende des Knochens wird durch Tramadol nicht angegriffen. Allerdings lindert Tramadol die Schwellung möglicherweise nicht.

Was sind die Ergebnisse dieses Reviews?

Die Teilnehmer in den 22 eingeschlossenen Studien nahmen verschiedene Tagesdosen von Tramadol, einem Placebo, einem NSAR oder eines anderen Schmerzmittels ein. Die meisten von ihnen waren Frauen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren und hatten mäßige bis starke Schmerzen. Die Studiendauer variierte von einer Woche bis zu drei Monaten. Die folgenden Ergebnisse beziehen sich auf Tramadol allein, im Vergleich zu Placebo. Es gab ähnliche Ergebnisse für Tramadol in Kombination mit Paracetamol.

Schmerzen (0 bis 100 visuelle Analogskala (VAS); niedrigere Werte bedeuten weniger Schmerzen)

Personen, die Tramadol allein einnahmen, stuften ihre Schmerzen vier Punkte niedriger ein als mit Placebo (4% absolute Verbesserung). Personen, die Tramadol allein einnahmen, stuften ihre Schmerzen auf 50,3 ein; Personen, die ein Placebo einnahmen, auf 54,3.

Zehn Prozent der Personen, die Placebo erhielten, hatten eine klinisch bedeutsame Verbesserung (mindestens 20%) der Schmerzen und 15% derjenigen, die Tramadol einnahmen, hatten eine klinisch bedeutsame Verbesserung (5% mehr Personen).

Körperliche Funktionsfähigkeit (Western Ontario and McMaster Universities Arthritis Index (WOMAC), Skala von 0 bis 1700; niedrigere Werte bedeuten eine bessere körperliche Funktionsfähigkeit)

Personen, die Tramadol allein einnahmen, stuften ihre körperliche Funktionsfähigkeit mit 68 Punkten niedriger ein, als mit Placebo (4% absolute Verbesserung). Personen, die Tramadol allein einnahmen, bewerteten ihre körperliche Funktionsfähigkeit mit 991; Personen, die ein Placebo einnahmen, mit 1059.

Einundzwanzig Prozent der Personen, die Tramadol erhielten, hatten eine klinisch bedeutsame Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit und 16% der Personen, die ein Placebo erhielten, hatten eine klinisch bedeutsame Verbesserung (5% mehr Personen).

Gesamte Nebenwirkungen

Bei 66 von 100 Personen sind möglicherweise Nebenwirkungen aufgetreten, wenn sie Tramadol allein einnahmen, verglichen mit 49 von 100 Personen, wenn sie ein Placebo einnahmen (17% mehr Personen).

Studienabbrüche wegen Nebenwirkungen

Neunzehn von 100 Personen, die Tramadol allein einnahmen, brachen wegen Nebenwirkungen die Studie ab,im Vergleich dazu brachen sieben von 100 Personen, die ein Placebo einnahmen, die Studie ab (12% mehr Personen).

Schwerwiegende Nebenwirkungen
Drei von 100 Personen hatten schwerwiegende Nebenwirkungen, wenn sie Tramadol allein einnahmen, verglichen mit zwei von 100 Personen, wenn sie ein Placebo einnahmen (1% mehr Personen).

Übersetzung: 

L. Konrad, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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