Probiotika zur Prävention von Antibiotika-assoziiertem Durchfall bei Kindern

Was ist eine Antibiotika-assoziierte Diarrhoe (Durchfall)?

Antibiotika-assoziierte Diarrhoe (AAD) tritt auf, wenn Antibiotika das natürliche Gleichgewicht von „guten“ und „schlechten“ Bakterien im Verdauungstrakt stören, was dazu führt, dass sich schädliche Bakterien übermäßig vermehren. Zu den Symptomen einer AAD gehören häufige wässrige Durchfälle und Bauchkrämpfe.

Was sind Probiotika?

Probiotika sind in Nahrungsergänzungsmitteln oder Joghurt zu finden und enthalten potenziell nützliche Bakterien oder Hefen. Probiotika können das natürliche Bakteriengleichgewicht im Verdauungstrakt möglicherweise wiederherstellen.

Was untersuchten die Autoren?

Die Review-Autoren untersuchten, ob Probiotika AAD bei Kindern während einer Antibiotikabehandlung verhindern und ob sie Schäden (Nebenwirkungen) verursachen. Die Autoren führten eine umfassende Suche, der bis zum 28. Juni 2018 veröffentlichten medizinischen Literatur durch.

Was fanden die Autoren heraus?

23 Studien wurden überprüft und lieferten die beste verfügbare Evidenz. Die Studien untersuchten 6352 Kinder (3 Tagen bis 17 Jahre alt), denen zusammen mit Antibiotika auch Probiotika verabreicht wurde, um AAD zu verhindern. Die Teilnehmenden erhielten Probiotika (Lactobacilli spp., Bifidobacterium spp., Streptococcus spp.oder Saccharomyces boulardii, allein oder in Kombination), Placebos (Tabletten ohne Probiotika), andere Behandlungen zur Vorbeugung von AAD (z.B. Diosmectit oder Säuglingsfertignahrung) oder keine Behandlung. Die Studien waren von kurzer Dauer, d.h. zwischen 5 und 12 Wochen. Die Analysen zeigten, dass Probiotika wirksam AAD verhindern können. Die Inzidenz (Häufigkeit) von AAD in der probiotischen Gruppe betrug 8% (259/323232) im Vergleich zu 19% (598/3120) in der Kontrollgruppe. Dies entspricht einer moderaten Reduktion (11% weniger Personen hatten Durchfall). Pro 9 behandelter Kinder verhindern Probiotika einen Fall von Durchfall. Weitere Evidenz deutet darauf hin, dass Probiotika mit höherer Dosis (≥ 5 Milliarden KBEs pro Tag; KBE ist ein Maß für die Menge an Bakterien in einem Nahrungsergänzungsmittel) das Auftreten von AAD reduzieren. Acht Prozent (162/2029) der hochdosierten Probiotika-Gruppe hatten AAD im Vergleich zu 23% (462/2009) in der Kontrollgruppe, wodurch eine moderate bis starke Reduktion gezeigt wird (15% weniger Personen mit Durchfall). Probiotika wurden im Allgemeinen gut vertragen, und kleinere Nebenwirkungen (z.B. Ausschlag, Übelkeit, Gas, Blähungen, aufgeblähter Bauch, Verstopfung) traten nur selten auf. Die Evidenz deutet darauf hin, dass Probiotika für eine mäßige Verkürzung der Dauer von Durchfall (fast einen Tag) wirksam sind. Von den verschiedenen untersuchten Probiotika scheinen Lactobacillus rhamnosus oder Saccharomyces boulardii bei 5 bis 40 Milliarden KBEs/Tag am besten geeignet zu sein, AAD bei Kindern während einer Antibiotikabehandlung zu verhindern. Es wäre verfrüht, Schlussfolgerungen über die Wirksamkeit und Sicherheit von "anderen" probiotischen Mitteln zur Prävention von AAD zu ziehen. Zwar wurden keine ernsten Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Probiotika bei ansonsten gesunden Kindern beobachtet, die an den Studien teilnahmen, jedoch traten bei stark geschwächten oder immunschwachen Kindern mit zugrundeliegenden Risikofaktoren wie einem zentralen Venenkatheter (flexibler Schlauch für die Medikamentenzufuhr) und Erkrankungen, bei denen es zu einer Umsiedlung von Bakterien oder Pilzen kommt (Übergang von Bakterien aus dem Darm in andere Bereiche des Körpers), schwere Nebenwirkungen auf.

Übersetzung: 

A. Borchard, freigegeben durch Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA.

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