Kompressionsstrümpfe zur Vorbeugung tiefer Venenthrombosen bei Flugpassagieren

Hintergrund

In den letzten Jahren gab es ein steigendes Interesse daran, ob Kompressionstrümpfe (oder "Flugsocken") das Risiko einer tiefen Venenthrombose (TVT, ein Blutgerinnsel in den Beinen) oder anderer Kreislaufprobleme bei Flugpassagieren vermindern können. Die Strümpfe werden den gesamten Flug getragen und ähneln denen, die bei bettlägerigen Patienten nach Operationen wirksam eingesetzt werden. Durch Ausübung leichten Drucks, speziell an den Knöcheln, können Kompressionsstrümpfe den Blutfluss verbessern. Druck, kombiniert mit Bewegung der Beine, führt zu einem verstärkten Rückfluss des Bluts von den kleineren Oberflächenvenen zu den größeren, tiefen Venen und zurück ins Herz. Das Blut ist dadurch weniger geneigt in den tiefen Venen zu verklumpen. Was tödlich sein kann, falls diese Thromben in die Lunge gelangen.

Studienmerkmale und Hauptergebnisse

Dieser Review beinhaltet 11 Studien (2906 Teilnehmer). Wir waren in der Lage die Daten von 9 dieser Studien mit insgesamt 2637 Teilnehmern in diesem Review zusammenzufassen (Stand Februar 2016). Nach zufälliger Zuteilung trugen ungefähr die Hälfte der Teilnehmer Strümpfe während eines mindestens 5 Stunden langen Fluges und die andere Hälfte trug keine.

Kein Passagier entwickelte eine TVT mit messbaren Symptomen (langsam aufkommende Beinschmerzen, Schwellungen und Wärme) und es wurden keine unerwünschten Ereignisse (Thrombus in der Lunge (Lungenembolie) oder Tod) berichtet. Nach dem Flug wurden alle Patienten gründlich auf jegliche Störungen der Blutzirkulation untersucht, auch wenn sie selbst keine Probleme festgestellt hatten. Das Tragen von Kompressionstrümpfen führte zu einer großen Reduktion in der Anzahl der symptomlosen TVT unter den Flugpassagieren, die der Gruppe der Kompressionsstrümpfe zugeteilt waren, im Vergleich zu denen die keine trugen. Der Unterschied in den symptomlosen TVT zwischen den beiden Gruppen ist äquivalent einer Reduktion des Risikos von zig Fällen pro 1000 Passagieren auf 2 bis 3 Fälle pro 1000. Patienten, die Strümpfe trugen, hatten weniger Schwellungen in den Beinen (Ödeme) als die, die keine trugen. Außerdem entwickelten sie seltener oberflächliche Venenthrombosen, wenn sie Kompressionsstrümpfe trugen. Nicht jede Studie berichtete über mögliche Probleme des Tragens von Strümpfen. In den Studien, in denen entsprechende Informationen vorlagen, berichteten die Forscher jedoch, dass die Strümpfe ohne Probleme toleriert wurden.

Qualität der Evidenz

Evidenz von hoher Qualität zeigt, dass Flugpassagiere mit Kompressionsstrümpfen seltener eine symptomlose TVT entwickelten als die Passagiere ohne. Eine Reduktion der Schwellung der Beine wird von Evidenz von niedriger Qualität unterstützt. Die Qualität der Evidenz wurde durch die Art und Weise, wie die Schwellung gemessen wurde, eingeschränkt. Es gibt Evidenz von moderater Qualität dafür, dass oberflächliche Venenthrombosen durch den Einsatz von Kompressionsstrümpfen reduziert werden können. Wir können die Wirkung der Strümpfe bezüglich Tod, Lungenembolie oder symptomatischer TVT nicht beurteilen, da diese unerwünschten Ereignisse in den Studien nicht auftraten. Es wären Studien mit sehr großen Teilnehmerzahlen vonnöten, um diese Endpunkte zu untersuchen.

Übersetzung: 

D. Kindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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