Nahrungsverdickungsmittel für Säuglinge bis sechs Monate mit gastroösophagealem Reflux

Fragestellung

Wir haben die Evidenz der Auswirkungen von Nahrungsverdickungsmitteln auf den gastroösophagealen Reflux (GOR) bei Säuglingen im Alter von bis zu sechs Monaten überprüft.

Hintergrund

Gastroösophagealer Reflux kommt bei Säuglingen häufig vor. Er tritt auf, wenn der Mageninhalt (Milch und Magensäure) wieder in die Speiseröhre oder den Mund gelangt. Während sich dies normalerweise mit zunehmendem Alter der Babys verbessert, können die Beschwerden manchmal größer werden und eine Behandlung erforderlich machen. Die Verdickung der Milchnahrung ist eine einfache Methode, die häufig zur Behandlung von GOR eingesetzt wird. Es ist jedoch unklar, ob der Einsatz von Nahrungsverdickungsmitteln den GOR verbessert.

Studienmerkmale

Wir haben Forschungsarbeiten untersucht, die bis zum 22. November 2016 veröffentlicht wurden. Wir fanden 8 klinische Studien mit 637 Babys im Alter von bis zu 6 Monaten, die Symptome von GOR zeigten. Bei den rekrutierten Babys handelte es sich hauptsächlich um "gesunde", voll ausgetragene Babys (d.h. Babys, die drei Wochen um den errechneten Geburtstermin herum geboren wurden), die mit der Flasche gefüttert wurden. Drei der Studien wurden von einem Pharmaunternehmen finanziert, daher ist die Qualität der vorliegenden Evidenz mit Vorsicht zu interpretieren.

Hauptergebnisse

Wir fanden heraus, dass Säuglinge mit GOR, die Nahrungsverdickungsmitteln erhielten, fast zwei Refluxepisoden pro Tag weniger hatten. Bei Babys mit GOR war die Wahrscheinlichkeit für Refluxsymptome auch 2,5 mal geringer, wenn sie Nahrungsverdickungsmitteln erhalten haben. In keiner Studie gab es Informationen über mangelndes Gedeihen (d.h. schlechtes Wachstum). Wir fanden heraus, dass Babys mit GOR, die Nahrungsverdickungsmittel erhielten, eine Verbesserung in einem wichtigen Endpunkt, dem Säurerückfluss zeigten. Dieser wurde durch pH-Messung ermittelt. Der Refluxindex (d.h. Prozentsatz der Zeit des Säurerückflusses mit pH < 4) war bei Säuglingen mit Nahrungsverdickungsmitteln 5% niedriger. In den acht Studien wurden keine größeren Schäden berichtet.

Qualität der Evidenz

Aufgrund der Einschränkungen des Studiendesigns sind wir in Bezug auf die Evidenz für die Reduktion von zwei Refluxepisoden pro Tag moderat zuversichtlich. Daher können Nahrungsverdickungsmittel nützlich bei Säuglingen sein, die Flaschennahrung erhalten und die beschwerlichen GOR haben.

Wir bewerteten die Qualität der Evidenz für die anderen Endpunkte als niedrig, da es nur wenige Studien mit einer geringen Anzahl von Babys gab. Weitere Forschungsarbeit ist erforderlich, um festzustellen, welche Art von Nahrungsverdickungsmitteln besser ist und ob diese auch bei Säuglingen mit GOR nützlich sind, die gestillt werden oder bei Frühgeborenen.

Übersetzung: 

J. Gauch, freigegeben für Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA.

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