Einnahme von Omega-3-Fettsäuren bei kardiovaskulären Erkrankungen

Fragestellung

Wir suchten nach randomisierten Studien (in denen die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Behandlungen zugeteilt wurden), welche die Auswirkungen einer erhöhten Einnahme von pflanzlichen oder aus Fisch gewonnenen Omega-3-Fettsäuren auf Herz- und Kreislauferkrankungen (als kardiovaskuläre Erkrankungen oder Herzkreislauferkrankungen (HKE) bezeichnet, zu denen auch Herzinfarkt und Schlaganfall gehören), auf Übergewicht und Blutfette (Lipide, dazu gehören Cholesterin, Triglyceride, High-Density-Lipoprotein (HDL - ‘gutes‘) Cholesterin) und auf Low-Density-Lipoprotein (LDL -'schlechtes' Cholesterin)) untersuchten.

Hintergrund

Omega-3-Fettsäuren sind unentbehrlich - um gesund zu bleiben, müssen wir einige über die Nahrung aufnehmen. Die wichtigsten Arten von Omega-3-Fettsäuren sind Alpha-Linolensäure (ALA), eine Fettsäure aus pflanzlichen Lebensmitteln, sowie Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), die beide in Fisch vorkommen. Es wird vermutet, dass ein vermehrter Verzehr von Fisch oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren unser Risiko für Herzkrankheiten, Schlaganfall und Tod verringern kann.

Studienmerkmale

Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2017. Der Review umfasste 79 Studien mit über 112.000 Menschen. Diese Studien bewerteten die Auswirkungen von vermehrter Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu geringerer oder keiner Omega-3- Aufnahme bezüglich Herz- und Kreislauferkrankungen. 25 Studien wurden als sehr vertrauenswürdig eingestuft (das heißt sie waren gut konzipiert, um so zu keinen verzerrten Ergebnissen zu führen). Die Teilnehmer waren Erwachsene, einige mit bestehender Krankheit und einige gesund, die in Nordamerika, Europa, Australien und Asien lebten. Die Teilnehmer erhöhten ihre Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren für mindestens 1 Jahr oder behielten ihre gewöhnliche Aufnahme bei. In den meisten Studien mit EPA und DHA erhielten die Teilnehmer Kapseln, in wenigen Studien ausschließlich fettreichen Fisch.

Hauptergebnisse

Eine erhöhte Einnahme von EPA und DHA hat geringe oder keine Auswirkungen auf Todesfälle jeglicher Art und auf kardiovaskuläre Ereignisse (hierfür gibt es Evidenz von hoher Qualität) und wahrscheinlich gibt es wenig oder keinen Unterschied bei kardiovaskulärer Sterblichkeit, koronarer Sterblichkeit oder koronaren Ereignissen, Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen (moderate Qualität; koronare Ereignisse sind Erkrankungen der Blutgefäße, die das Herz versorgen). EPA und DHA reduzieren Serumtriglyceride leicht und erhöhen HDL (Evidenz von hoher Qualität).

Eine vermehrte Aufnahme von ALA (z.B. durch Walnüsse oder angereicherte Margarine) macht wahrscheinlich wenig oder keinen Unterschied bei Todesfällen jeglicher Art, kardiovaskulärer oder koronarer Sterblichkeit oder koronaren Ereignissen. Sie reduziert wahrscheinlich das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen, koronarer Sterblichkeit und Herzrhythmusstörungen (moderate/niedrige Qualität der Evidenz). Die Auswirkungen von ALA auf Schlaganfall sind unklar, da die Evidenz von sehr niedriger Qualität war.

Es gibt Evidenz dafür, dass die Einnahme von Omega-3-Kapseln nicht zu einer Verringerung von Herzerkrankungen, Schlaganfall oder Sterblichkeit führt. Es gibt wenig Evidenz bezüglich der Auswirkungen von Fischverzehr. Obwohl EPA und DHA Triglyceride senken, sind Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren vermutlich für das Verhindern oder das Behandeln von Herz- und Kreislauferkrankungen nicht nützlich. Allerdings kann eine vermehrte Aufnahme der pflanzlichen ALA bei einigen Herz- und Kreislauferkrankungen leicht schützen.

Übersetzung: 

J. Gauch, freigegeben durch Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA.

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