Titel: Carbamazepin im Vergleich zu Phenobarbital Monotherapie bei Epilepsie

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Hintergrund

Epilepsie ist eine häufige neurologische Erkrankung, bei der es zu wiederkehrenden Krampfanfällen kommt, die durch abnorme elektrische Entladungen im Gehirn verursacht werden. In diesem Review haben wir zwei Typen von epileptischen Anfällen angeschaut. Bei generalisierten Anfällen fangen die elektrischen Entladungen in einer Region vom Gehirn an und breiten sich dann aus. Bei Anfällen fokalen Ursprungs beginnt der Anfall in einer Region des Gehirns und beschränkt sich auch auf diese Region (eine ganze Hirnhemisphäre oder ein Teil eines Hirnlappens).

Bei ca. 70% der Menschen mit Epilepsie können generalisierte Anfälle und Anfälle fokalen Ursprungs mit einem einzigen Medikament kontrolliert werden. Weltweit sind Phenobarbital und Carbamazepin häufig verwendete Antiepileptika. In den USA und in Europa wird Carbamazepin aber häufiger verwendet als Phenobarbital, weil man Bedenken bezüglich Nebenwirkungen hat. Besonders Verhaltensänderungen bei Kindern, die mit Phenobarbital behandelt werden sind hierbei wichtig. In Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Südamerika wird Phenobarbital noch häufig verwendet, da es kostengünstig ist.

Methoden

In diesem Review haben wir die Evidenz von 12 randomisierten kontrollierten Studien untersucht, die die Wirksamkeit von Phenobarbital und Carbamazepin hinsichtlich Anfallskontrolle verglichen haben (d.h. ob Patienten erneute Anfälle oder über längere Zeit keine Anfälle hatten (Remission), und wie erträglich die Nebenwirkungen der Medikamente waren. Wir konnten die Daten von 836 Patienten aus 6 der 13 Studien kombinieren; Daten von 619 Patienten aus den anderen 7 Studien waren für diesen Review nicht verfügbar.

Hauptergebnisse

Die Ergebnisse dieses Reviews legen nahe, dass die Teilnehmer früher von der Phenobarbital Behandlung zurücktreten als von der Behandlung mit Carbamazepin aufgrund des Wiederauftretens der Anfälle, Nebenwirkungen des Arzneimittels oder beidem. Die Ergebnisse zeigen auch, dass das erneute Auftreten von Anfällen für Menschen mit generalisierten Anfällen früher unter Behandlung mit Phenobarbital stattfinden könnte als unter Behandlung mit Carbamazepin, aber umgekehrt gilt dies für Menschen mit partiellen Anfällen. Wir fanden keinen Unterschied zwischen Carbamazepin und Phenobarbital für Patienten, die eine längere anfallsfreie Zeit haben (6- oder 12-monatige anfallsfreie Zeit).

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse dieses Reviews sollten mit Vorsicht interpretiert werden. Wir konnten nämlich nicht alle Daten von allen Patienten kombinieren, die an Studien teilgenommen haben, die Carbamazepin mit Phenobarbital verglichen haben. Für vier der sechs Studien, die in unsere Ergebnisse eingeflossen sind, fanden wir zumindest ein Problem im Aufbau der Studie, was einen Einfluss auf die Qualität der Ergebnisse der einzelnen Studien und damit auch unsere Ergebnisse aus der Kombination von Studiendaten gehabt haben könnte. Wir bewerteten die Qualität der Evidenz als niedrig. Wir empfehlen nicht, die Ergebnisse dieser Reviews allein für eine Wahl zwischen Carbamazepin oder Phenobarbital zur Behandlung von Epilepsie zu verwenden. Wir empfehlen, dass alle zukünftige Studien die diese beiden Medikamenten oder andere Antiepileptika miteinander vergleichen, qualitativ hochwertige Methoden anwenden sollten, damit auch die Ergebnisse qualitativ hochwertig sind.

Wie aktuell ist dieser Review?

Die Review-Autoren suchten nach Studien, die bis August 2016 publiziert wurden.

Übersetzung: 

I. Toews, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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