Intrauterine Insemination bei ungeklärter verminderter Fruchtbarkeit (Subfertilität)

Fragestellung

Kann durch intrauterine Insemination (IUI) (mit oder ohne Einnahme fruchtbarkeitsfördernder Medikamente) die Lebendgeburtenrate bei Paaren mit ungeklärter Subfertilität gesteigert werden im Vergleich zu auf Befruchtung ausgerichteten Geschlechtsverkehr oder die Therapieform des Abwartens und Beobachtens?

Hintergrund

IUI ist eine Behandlung, die bei Paaren mit ungeklärter Subfertilität häufig zum Einsatz kommt. In einem IUI-Zyklus wird das Sperma des Mannes aufbereitet und zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt in die Gebärmutterhöhle (Uterus) eingebracht. In Kombination mit IUI-Zyklen können fruchtbarkeitsfördernde Medikamente angewandt werden, um die Eierstöcke zu stimulieren und die Anzahl der verfügbaren Eier zu steigern. Diese Medikamente können jedoch unerwünschte Wirkungen haben und das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften erhöhen. Die Therapieformen des Abwartens und Beobachtens und des auf Befruchtung ausgerichteten Geschlechtsverkehrs haben ebenfalls nachweislich zu hohen Schwangerschaftsquoten mit anschließender Lebendgeburt geführt. Mit diesem Review wollen wir die Entscheidungsfindung zur Wahl einer Behandlungsform für Paare mit ungeklärter Subfertilität verbessern.

Studienmerkmale

Die Cochrane-Autoren schlossen 14 randomisierte kontrollierte Studien (mit 1867 Frauen) in diesen Review ein, in denen Frauen mit ungeklärter Subfertilität verglichen wurden, die sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung mit IUI unterzogen, in Kombination mit oder ohne die Einnahme von Medikamenten zur Eierstockstimulation. Frauen, die sich einer IUI unterzogen, wurden mit Frauen verglichen, die Medikamente zur Eierstockstimulation einnahmen in Kombination mit auf Befruchtung ausgerichteten Geschlechtsverkehr oder mit Paaren, die per Zufallsprinzip mit der Therapieform des Abwartens und Beobachtens behandelt wurden. Hauptsächlich wurde der Endpunkt der Lebendgeburtenrate betrachtet, doch auch die Schwangerschaftsrate, die Fehlgeburtenhäufigkeit und weitere unerwünschte Wirkungen waren Gegenstand der Untersuchung. Die Evidenz ist auf dem Stand von Dezember 2015.

Hauptergebnisse

Es gab keine eindeutige Evidenz zu Unterschieden zwischen den meisten Behandlungsgruppen in Bezug auf die Gesamt-Lebendgeburtenraten (d.h. die Raten zum Ende des Behandlungsverlaufs), die Mehrlingsschwangerschaftsraten und weitere unerwünschte Wirkungen bei Paaren mit ungeklärter Subfertilität, die sich einer intrauterinen Insemination (IUI) unterzogen im Vergleich zu auf Befruchtung ausgerichteten Geschlechtsverkehr (TI, Englisch: timed intercourse), in Kombination mit oder ohne eine Hyperstimulation der Eierstöcke (OH, ovarielle Hyperstimulation).

Qualität der Evidenz

Die Evidenz war in Bezug auf die Lebendgeburten von moderater Qualität und bezüglich der Mehrlingsschwangerschaften von niedriger bis moderater Qualität. Einschränkungen der Evidenz lagen im Wesentlichen durch mangelnde Präzision in den Ergebnissen vor, sowohl bezüglich der Lebendgeburten als auch der Mehrlingsschwangerschaften.

Übersetzung: 

I. Noack, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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