Antibiotika gegen symptomlose bakterielle Infektionen im Urin während der Schwangerschaft

Fragestellung

Kann die Gabe von Antibiotika in der Schwangerschaft an Frauen mit einer Harnwegsinfektion ohne Symptome bestimmte Endpunkte für Frauen und ihre Babys verbessern?

Bedeutung

Bei einem kleinen Prozentsatz (2 bis 10 %) von Schwangerschaften kommt es zu einer bakteriellen Infektion im Urin ohne eines der typischen Symptome eines Harnwegsinfektes (asymptomatische Bakteriurie). Wegen der Veränderungen in ihrem Körper entwickeln Schwangere mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), wenn sie eine Harnwegsinfektion haben. Die Infektion trägt möglicherweise auch zu einem geringen Geburtsgewicht des Babys oder zu einer Frühgeburt (vor der 38. Schwangerschaftswoche) bei.

Gefundene Evidenz

In unserem Review von Studien zu Antibiotikabehandlungen für Frauen ohne Symptome, aber mit im Urin nachgewiesenen bakteriellen Infektionen fanden wir 14 randomisierte kontrollierte Studien mit fast 2000 Frauen. Antibiotika verringerten wirksam das Auftreten von Niereninfektionen bei der Mutter (11 Studien, 1932 Frauen) und beseitigten effektiv die Bakterien aus dem Urin (4 Studien, 596 Frauen). Das Auftreten eines geringen Geburtsgewichts bei Babys (6 Studien, 1437 Babys) und von Frühgeburten (2 Studien, 242 Frauen) schien ebenfalls verringert zu sein. Keine der Studien beurteilte angemessen mögliche unerwünschte Nebenwirkungen der Antibiotikabehandlung auf die Mutter oder das Kind. Zudem war die Durchführung der Studien oft nicht gut beschrieben. Die drei wichtigsten Endpunkte wurden mit dem Bewertungssystem GRADE beurteilt. Die Qualität der Evidenz dafür, dass eine Antibiotikabehandlung Pyelonephritis, Frühgeburten und ein Geburtsgewicht von unter 2500 g verhindert, wurde als niedrig bis sehr niedrig eingeschätzt.

Schlussfolgerungen

Eine Antibiotikabehandlung kann das Risiko für Niereninfektionen bei Schwangeren verringern, bei denen Bakterien im Urin nachgewiesen werden können, die aber keine Symptome einer Infektion zeigen. Antibiotika können auch die Gefahr senken, dass ein Baby zu früh geboren wird oder ein zu geringes Geburtsgewicht hat. Aufgrund der geringen Qualität der Evidenz ist es jedoch schwierig, mit Sicherheit zu bestimmen, welche Wirkung die Behandlung hat. Es sind daher weitere Forschungsarbeiten nötig.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz

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