Podcast: SARS-CoV-2-neutralisierende monoklonale Antikörper zur Behandlung von COVID-19

Cochrane hat eine Reihe an Reviews produziert, um Entscheidungsträgern dabei zu helfen, auf die COVID-19-Pandemie zu reagieren. Im September 2021 haben wir die erste Version unseres Living Systematic Reviews zur Wirksamkeit monoklonaler Antikörper zur Behandlung von COVID-19 veröffentlicht. In diesem Podcast sprechen wir mit Nina Kreuzberger, einer der Hauptautorinnen, über den Review, der im Rahmen der deutschlandweiten Gemeinschaftsprojekte "COVIM" und "CEOsys", initiiert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wurde.

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Caroline: Cochrane hat eine Reihe an Reviews produziert, um Entscheidungsträgern dabei zu helfen, auf die COVID-19-Pandemie zu reagieren. Im September 2021 haben wir die erste Version unseres Living Systematic Reviews zur Wirksamkeit monoklonaler Antikörper zur Behandlung von COVID-19 veröffentlicht. In diesem Podcast sprechen wir mit Nina Kreuzberger, einer der Hauptautorinnen, über den Review, der im Rahmen der deutschlandweiten Gemeinschaftsprojekte "COVIM" und "CEOsys", initiiert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wurde.

Viele verschiedene monoklonale Antikörper werden als mögliche Therapien für COVID-19 untersucht. Vielleicht könntest Du uns zunächst erklären, was Antikörper sind und was sie bewirken?

Nina: Antikörper werden vom Körper gebildet, um sich gegen Infektionen zu schützen. Nach einer Infektion wird eine Vielzahl von Antikörpern gebildet, die verschiedene Proteine eines Mikroorganismus oder Virus erkennen, der die Infektion verursacht hat. Um dies zu imitieren, werden im Labor monoklonale Antikörper auf Basis von Zellen von Menschen erzeugt, die sich von einer Krankheit erholt haben. Jede Art von monoklonalem Antikörper erkennt ein bestimmtes Protein oder einen Teil eines Proteins, z.B. wie auf einem Virus wie SARS-Cov-2, dem Erreger von COVID-19. Monoklonale Antikörper haben sich auch bei anderen Krankheiten als wirksam erwiesen.
Bei COVID-19 hofft man, dass mit SARS-CoV-2-neutralisierenden monoklonalen Antikörpern die Krankheit durch eine so genannte passive Immunisierung behandelt werden kann. Diese spezifischen Antikörper zielen auf den Teil des Spike-Proteins ab, mit dem sich das Virus an eine menschliche Zelle bindet und in sie eindringt, um so das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern oder zu unterdrücken.

Caroline: In Eurem Cochrane Review untersucht Ihr, ob diese monoklonalen Antikörper für eine Reihe von Endpunkten, darunter Überleben, klinischer Verlauf, Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse, wirksam und sicher sind. Dabei habt Ihr Studien aus der ganzen Welt gesucht und Personen jeden Alters, Geschlechts oder jeder ethnischen Zugehörigkeit und mit jedem Schweregrad der COVID-19-Erkrankung eingeschlossen. Was habt Ihr herausgefunden?

Nina: Bei unserer Suche bis Mitte Juni 2021 konnten wir sechs in Frage kommende Studien mit insgesamt fast siebzehneinhalbtausend Teilnehmenden identifizieren. Vier Studien untersuchten ambulant behandelte Personen ohne Symptome oder mit leichter COVID-19 Erkrankung. Die beiden anderen Studien betrafen hospitalisierte Patienten mit mittelschwerer bis schwerer COVID-19 Erkrankung. Wir haben außerdem 36 noch nicht abgeschlossene  Studien identifiziert, die wir regelmäßig verfolgen.

Caroline: Beginnen wir mit ambulanten Fällen. Wie sieht hier die Evidenz aus?

Nina: Bei Menschen ohne Symptome oder mit nur leichter COVID-19-Erkrankung wurde in jeder der vier Studien eine andere Art von monoklonaler Antikörpertherapie getestet, was bedeutet, dass wir für jede dieser Therapien nur eine geringe Vertrauenswürdigkeit in unsere Ergebnisse haben. Im Allgemeinen scheinen die Behandlungen die Zahl der Krankenhauseinweisungen zu verringern, aber der Effekt auf die Mortalität ist unsicher, da nur wenige PatientInnen in diesen Studien innerhalb von 30 Tagen nach der Behandlung starben. Auch bei den unerwünschten Ereignissen gab es gemischte Ergebnisse: Einige monoklonale Antikörper schienen diese zu verringern, während andere sie erhöhten.

Caroline: Was sagen die beiden Studien bei Hospitalisierten über die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung mit monoklonalen Antikörpern aus?

Nina: Bamlanivimab wurde in einer so genannten Plattformstudie getestet, die dann aber wegen Unwirksamkeit eingestellt wurde. Bamlanivimab könnte im Vergleich zu Placebo möglicherweise zu mehr unerwünschten Ereignissen und schwerwiegenden Symptomen führen und hat wenig bis keine Auswirkungen auf die Sterblichkeit. Die andere Studie fand im Rahmen der großen Plattformstudie RECOVERY statt und untersuchte die Kombination von Casirivimab und Imdevimab, die im Vergleich zur Standardbehandlung wahrscheinlich wenig bis keine Auswirkungen auf die Sterblichkeit oder die Notwendigkeit einer invasiven mechanischen Beatmung hat. Die Ergebnisse beider Studien deuten jedoch darauf hin, dass es sich lohnen könnte, die Auswirkungen auf die Subgruppe der Menschen gesondert zu untersuchen, die noch keine natürlichen Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet haben.

Caroline: Was ist nun angesichts der allgemein niedrigen Vertrauenswürdigkeit in die Ergebnisse erforderlich?

Nina: Die wichtigste Botschaft ist, dass wir dringend die Ergebnisse hochwertiger randomisierter Studien mit vergleichbaren Studienarmen benötigen, die groß genug sind, um die Auswirkungen auf wichtige klinische Ergebnisse nachzuweisen, und die wir dann in künftigen Versionen unseres Reviews kombinieren können. Einige dieser Daten könnten aus den 36 laufenden Studien stammen, die wir identifiziert haben.

Caroline: Vielen Dank, Nina. Wenn unsere Zuhörer die aktuelle Version des Reviews und etwas über weitere Aktualisierungen lesen möchten, wo können diese gefunden werden?

Nina: Das Review ist online unter Cochrane Library dot com frei verfügbar. Über eine einfache Suche nach "monoklonalen Antikörpern und COVID-19" ist der Review zu finden.

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