Medikamente zur Verbesserung der Plazentafunktion bei schwangeren Frauen, deren Babys im Mutterleib schlecht wachsen

Worum geht es?

In etwa 0,4 % der Schwangerschaften wächst das ungeborene Kind schlecht, weil die Plazenta nicht in der Lage ist, es ausreichend zu ernähren. Diese Babys haben ein hohes Risiko, im Mutterleib zu sterben, weil sie nicht ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden. Aus diesem Grund entbinden Ärzt*innen diese Babys oft vorzeitig, damit sie außerhalb des Mutterleibs ernährt werden können. Solche Frühgeburten bedeuten jedoch, dass die Babys noch unreif sind und ein sehr geringes Geburtsgewicht haben. Aus diesem Grund haben diese Babys sowohl in den ersten Lebensmonaten als auch langfristig ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Ziel dieses Cochrane Reviews war es, herauszufinden, ob Medikamente, die den Stickoxid-Signalweg beeinflussen (z. B. Sildenafil, Tadalafil, L-Arginin und Nitroglycerin), die Ergebnisse für diese Babys verbessern können. Wir untersuchten nur Säuglinge, deren Wachstumseinschränkung auf Probleme mit der Plazenta zurückzuführen war. Um diese Frage zu beantworten, sammelten und analysierten wir alle relevanten Studien.

Warum ist dies wichtig?

Derzeit ist keine wirksame Behandlung bekannt, die die Funktion der Plazenta verbessert, so dass eine vorzeitige Geburt die einzige Option ist. Von großem Interesse sind daher Medikamente, die den Blutfluss über die Plazenta verbessern können. Ziel dieser Behandlung ist es, die Funktion der Plazenta zu verbessern, so dass das Wachstum des Babys vor der Geburt verbessert wird. Dadurch könnte die Geburt später erfolgen, was letztlich die Chancen auf ein gesundes Überleben erhöhen würde.

Welche Evidenz fanden wir?

Wir suchten am 16. Juli 2022 nach veröffentlichten Studien und fanden zu unserer Forschungsfrage acht Studien. Es wurden vier verschiedene Wirkstoffe untersucht (Sildenafil, Tadalafil, L-Arginin und Nitroglycerin). Keiner der vier Wirkstoffe führte dazu, dass mehr Babys überlebten. Bei drei von vier Behandlungen (Tadalafil, L-Arginin und Nitroglycerin) wurde die Behandlung jedoch nur an wenigen Schwangeren untersucht, so dass es schwierig ist, eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen.

Sildenafilcitrat im Vergleich zu Placebo oder keiner Therapie (5 Studien, 516 Frauen)

Fünf Studien (Kanada, Australien und Neuseeland, Niederlande, Vereinigtes Königreich und Brasilien) mit 516 schwangeren Frauen mit fetaler Wachstumsrestriktion.

Sildenafil hat im Vergleich zu Placebo oder keiner Therapie wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Gesamtmortalität, die Sterblichkeit des Kindes im Mutterleib und die Sterblichkeit des Kindes in den ersten vier Wochen nach der Geburt.

Tadalafil im Vergleich zu Placebo oder keiner Therapie (1 Studie, 87 Frauen)

Eine Studie (Japan) mit 87 schwangeren Frauen mit fetaler Wachstumsrestriktion.

Tadalafil hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Gesamtmortalität, die Sterblichkeit des Kindes im Mutterleib und die Sterblichkeit des Kindes in den ersten vier Wochen nach der Geburt.

L-Arginin im Vergleich zu Placebo oder keiner Therapie (1 Studie, 43 Frauen)

Eine Studie (Frankreich) mit 43 schwangeren Frauen mit fetaler Wachstumsrestriktion. In dieser Studie wurden unsere primären Zielgrößen nicht berichtet.

Nitroglycerin im Vergleich zu Placebo oder keiner Therapie (1 Studie, 23 Frauen)

Eine Studie (Brasilien) mit 43 schwangeren Frauen mit fetaler Wachstumsrestriktion.

Die Auswirkungen auf die primären Zielgrößen sind nicht abschätzbar, da in beiden Interventionsgruppen kein Kind starb.

Sildenafilcitrat im Vergleich zu Nitroglycerin (1 Studie, 23 Frauen)

Eine Studie (Brasilien) mit 23 schwangeren Frauen mit fetaler Wachstumsrestriktion.

Die Auswirkungen auf die primären Zielgrößen sind nicht abschätzbar, da in beiden Interventionsgruppen kein Kind starb.

Was bedeutet das?

Von den untersuchten Wirkstoffen erhöht Sildenafil wahrscheinlich nicht die Chancen auf ein kurzfristiges (gesundes) Überleben von Säuglingen, die während der Schwangerschaft an Wachstumsstörungen leiden. Für Tadalafil, L-Arginin und Nitroglycerin liegen keine ausreichenden Daten vor. Bei Sildenafil sind wir uns mäßig sicher, dass dies der Fall ist. Für die anderen Behandlungen sind weitere Studien erforderlich, um genügend Informationen zur Beantwortung dieser Frage zu erhalten. In keiner der Studien wurde über langfristige Auswirkungen berichtet, so dass uns diese wichtige Information fehlt.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

B. Schinder, T. Brugger, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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