Entwicklung von Typ-2-Diabetes bei Menschen mit intermediärer Hyperglykämie („Prädiabetes“)

Fragestellung

Wir wollten herausfinden, ob ein erhöhter Blutzuckerspiegel („Prädiabetes“) das Risiko erhöht, an Typ-2-Diabetes zu erkranken und wie viele dieser Menschen zu normalen Blutzuckerwerten (Normoglykämie) zurückkehren. Wir untersuchten außerdem noch den Unterschied in der Entwicklung von Typ-2-Diabetes bei Menschen mit Prädiabetes, im Vergleich zu Menschen mit Normoglykämie.

Hintergrund

Typ-2-Diabetes wird häufig anhand von Messungen des Blutzuckerspiegels diagnostiziert. Dazu zählen der Nüchternblutzucker oder Messungen nach einem oralen Glukosetoleranztest (Trinken von 75 g Glukose auf leeren Magen) oder die Messung des Glykohämoglobins HbA1c, einem langfristigen Marker von Blutzuckerwerten. Typ-2-Diabetes kann langfristig ungünstige Auswirkungen auf die Gesundheit haben (diabetische Komplikationen), wie schwere Augen- oder Nierenerkrankung oder diabetischer Fuß, der zu Fußgeschwüren führen kann.

Erhöhte Blutzuckerwerte (Hyperglykämie), die oberhalb des normalen Bereiches aber unterhalb der Grenze zur Diagnose von Typ-2-Diabetes liegen, sind ein Zeichen von Prädiabetes (intermediäre Hyperglykämie). Die Art, wie Prädiabetes definiert ist, hat wichtige Auswirkungen auf die Gesundheit der Allgemeinbevölkerung, da einige Ärzte Menschen mit Prädiabetes Medikamente verschreiben, die schädlich sein können. So hat sich beispielsweise durch die Senkung des Grenzwerts für die Definition von erhöhtem Nüchternblutzucker (nach Fasten über Nacht) von 6,1 mmol/L oder 110 mg/dL auf 5,6 mmol/L oder 100 mg/dL, wie von der American Diabetes Association (ADA) vorgegeben, die Anzahl der mit Prädiabetes diagnostizierten Menschen weltweit drastisch erhöht.

Studienmerkmale

Wir suchten nach Beobachtungsstudien (Studien, in denen keine Intervention stattfindet, Menschen aber über längere Zeiträume beobachtet werden), die untersuchten, wie viele Menschen mit Prädiabetes zu Studienbeginn später Typ-2-Diabetes entwickelten. Außerdem werteten wir Studien aus, die Menschen mit Prädiabetes mit Menschen mit Normoglykämie verglichen. Prädiabetes war über verschiedene Messungen des Blutzuckerspiegels definiert.

Wir fanden 103 Studien, die Menschen über ein bis 24 Jahre beobachteten. Mehr als 250.000 Teilnehmer nahmen zu Beginn der Studien teil. In 41 Studien waren die Teilnehmer australischer, europäischer oder nordamerikanischer Herkunft, in 7 Studien kamen die Teilnehmer größtenteils aus Lateinamerika und in 50 Studien waren die Teilnehmer aus Asien oder dem mittleren Osten. Drei Studien hatten amerikanische Ureinwohner als Teilnehmer und je eine Studie lud Menschen von Mauritius und Nauru ein. Sechs Studien schlossen Kinder, Jugendliche oder beide als Teilnehmer ein.

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 26. Februar 2018.

Hauptergebnisse

In der Regel erhöht sich bei Menschen mit Prädiabetes im Laufe der Zeit das Risiko, einen neuen Typ-2-Diabetes zu entwickeln (Diabetesinzidenz). Viele Teilnehmer kehrten jedoch auch von Prädiabetes wieder zu normalen Blutzuckerwerten zurück. Verglichen mit Menschen mit Normoglykämie zeigten jene mit Prädiabetes (jedweder Definition) ein erhöhtes Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln - die Ergebnisse zeigten aber große Unterschiede und waren davon abhängig, wie Prädiabetes gemessen wurde. Es gab keine eindeutigen Unterschiede bezüglich verschiedener Weltregionen oder Populationen. Da Menschen mit Prädiabetes an Diabetes erkranken, aber auch fast jederzeit wieder zur Normoglykämie zurückkehren können, sollten Ärzte bei der Behandlung von Prädiabetes vorsichtig sein. Das liegt daran, dass wir uns nicht sicher sind, ob eine Behandlung mehr Nutzen als Schaden bringt, vor allem, wenn sie auf globaler Ebene durchgeführt wird und damit viele Menschen weltweit betrifft.

Vertrauenswürdigkeit der Evidenz

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für die Gesamtprognose war moderat, da die Ergebnisse sehr unterschiedlich waren. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für Studien, die prädiabetische mit normoglykämischen Menschen verglichen, war niedrig, da die Ergebnisse nicht genau und sehr unterschiedlich waren. In unseren eingeschlossenen Beobachtungsstudien untersuchten die Forscher oft nicht gut genug, ob Faktoren wie Bewegungsmangel, Alter oder erhöhtes Körpergewicht die Entwicklung von Typ-2-Diabetes noch zusätzlich beeinflussten. Dadurch wurde die Beziehung zwischen Prädiabetes und der Entwicklung von Typ-2-Diabetes weniger eindeutig.

Übersetzung: 

A. Wenzel, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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