Orales Dextrosegel zur Prävention von niedrigem Blutglukosespiegel bei Neugeborenen

Worum geht es?

Ein niedriger Blutglukosespiegel ist bei Neugeborenen weit verbreitet. Bis zu 15 von 100 Babys haben einen niedrigen Blutglukosespiegel, und bei Babys mit höherem Risiko (Frühgeburten, Babys, die kleiner oder größer als die meisten Babys sind, oder deren Mütter Diabetes haben), weißt bereits die Hälfte in den ersten Tagen nach der Geburt einen niedrigen Blutzuckerspiegel auf.

Warum ist das wichtig?

Ein niedriger Blutglukosespiegel kann im Verlauf der Kindheit zu Problemen bei schulischen Leistung und bei der Entwicklung führen. Es ist möglich, dass schon ein einmalig niedriger Spiegel zu diesen Problemen bei einigen Babys beitragen kann. Daher wäre es sinnvoll, einen niedrigen Blutglukosespiegel von vorneherein zu verhindern. Darüber hinaus beinhalten Behandlungen bei niedrigem Blutglukosespiegel oft Säuglingsnahrung oder die Aufnahme in die Neugeborenenstation, was zur Trennung von Mutter und Baby führt, und in beiden Fällen könnte so das Stillen beeinträchtigt werden.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Während der Suche, die auf dem Stand von Januar 2017 ist, fanden wir eine Studie (mit geringem Risiko für Bias), die orales Dextrosegel mit Placebo verglich, um niedrige Blutglukosewerte bei 415 Risikokindern zu verhindern. Belege aus dieser Einzelstudie deuten darauf hin, dass bei gefährdeten Säuglingen orales Dextrosegel gefolgt von Nahrungszufuhr mit einem reduzierten Risiko für einen niedrigen Blutglukosespiegel im Vergleich zu Placebo verbunden ist (Evidenz von hoher Qualität). Die Ergebnisse zeigten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen oralem Dextrosegel und Placebo in Bezug auf die Anzahl der Nebenwirkungen (Evidenz von moderater Qualität), das Risiko der Trennung von Baby und Mutter zur Behandlung von niedrigen Glukosewerten (Evidenz von moderater Qualität), ausschließliches Stillen bei der Entlassung (Evidenz von moderater Qualität), oder in Bezug auf weiterführendes Stillen im Alter von sechs Wochen (Evidenz von moderater Qualität). Wir müssen bei der Interpretation der Evidenz für unerwünschte Ereignisse und die Trennung von Mutter und Baby vorsichtig sein, da nur eine kleine Anzahl von Ereignissen für diese Endpunkte berichtet wurden. Die Forscher lieferten keine Daten zu langfristigen Ergebnissen, d.h. auch nicht zum Entwicklungsverlauf und zu Behinderungen.

Was bedeutet das?

Die verfügbare Evidenz stammt aus nur einer Studie, und es wurden keine Langzeitergebnisse berichtet. Darüber hinaus betrachtet diese Studie nur orales Dextrosegel im Vergleich zu Placebo und berücksichtigt keine anderen Maßnahmen, die eine Hypoglykämie verhindern könnten. Daher liegt derzeit nicht genügend Evidenz vor, um die routinemäßige Verwendung von oralem Dextrosegel zur Vorbeugung von Hypoglykämien bei gefährdeten Neugeborenen zu fördern. Eine Nachbeobachtung der Kinder aus der hier aufgenommenen Einzelstudie ist im Gange und eine weitere laufende Studie untersucht die Wirkung von oralem Dextrosegel auf die Verhinderung der Einlieferung auf die neonatale Intensivstation. Wir empfehlen, auf die Ergebnisse dieser zusätzlichen Studien zu warten, um die längerfristige Sicherheit und Wirksamkeit von oralem Dextrosegel zur Vorbeugung von neonataler Hypoglykämie zu beurteilen.

Übersetzung: 

J. Gauch, freigegeben für Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA.

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