Yoga als Versorgungspaket versus Standardversorgung bei Schizophrenie

Fragestellung

Ist Yoga als Teil eines größeren Versorgungspakets, verglichen mit Standardversorgung, wirksam für Menschen mit Schizophrenie?

Hintergrund

Yoga beinhaltet Körperhaltungen und Atemübungen, um das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist zu verbessern. Yoga wurde inzwischen weitgehend als Methode zur Entspannung und als körperliche Übung für Stressabbau und Förderung der Gesundheit und des Wohlbefinden angenommen. Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, bei der Menschen Symptome wie das Hören von Stimmen, die nicht da sind, geringe emotionale Reaktion und sozialen Rückzug aufweisen. Schizophrenie betrifft Menschen häufig über eine lange Lebensspanne und wird in erster Linie mit Antipsychotika behandelt. Allerdings sind diese Medikamente nicht immer vollständig wirksam. Einige Studien weisen darauf hin, dass Yoga als zusätzliche Behandlung nutzbringend sein kann, um die Lebensqualität von Menschen mit Schizophrenie zu verbessern. Yoga kann mit anderen Therapien, wie z.B. Beratung oder anderen Bewegungsformen, in einem „Versorgungspaket“ kombiniert werden.

Studienmerkmale

In diesen Review konnten lediglich drei Kurzzeitstudien (über acht Wochen) eingeschlossen werden, die Menschen mit Schizophrenie randomisierten, entweder Yogaeinheiten als Teil eines Versorgungspakets oder Standardversorgung zu erhalten. Yoga wurde in einer Studie mit Schauspiel, Musik und Tanz und in einer anderen mit Motivation und Feedback-Sitzungen kombiniert. Die letzte eingeschlossene Studie kombinierte Yoga mit Beratung und einer interaktiven Frage- und-Antwort-Sitzung. Der jeweilige Beitrag, den Yoga leistete, wurde in diesen Studien nicht explizit dargestellt. Wir fanden diese Studien durch eine elektronische Suche im Register der Cochrane Schizophrenia Group im März 2017. Alle Teilnehmenden erhielten während der Studie weiterhin ihre verschriebenen Antipsychotika.

Hauptergebnisse

Viele bedeutsame Endpunkte wurden in den Studien dieses Reviews nicht berücksichtigt, einschließlich geistiger, physischer und sozialer Funktion, unerwünschten Wirkungen und ökonomischen Überlegungen. Möglicherweise gab es einige kleine Veränderungen in der Lebensqualität zu Gunsten des Yoga-Pakets, allerdings lag insgesamt zu wenig Evidenz von guter Qualität in diesem Review vor, um verlässliche Aussagen darüber zu treffen, ob Yoga als Teil eines Versorgungspakets als Ergänzung zur Standardversorgung für Schizophrenie verordnet werden soll.

Qualität der Evidenz

Die Evidenz war begrenzt und schwach. Die Anzahl der eingeschlossenen Studien war klein und es wurden nur kurzfristige Nachbeobachtungsergebnisse zweier Endpunkte berichtet. Schizophrenie ist häufig eine langfristige Erkrankung und daher bedarf es mehr, größerer und langfristigerer Studien, die sich auf wichtige Endpunkte konzentrieren.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Es wurden kleine und wenige Studien in diesen Review eingeschlossen und diesen fehlte es an wichtigen Endpunkten. Diese spärliche Datenlage bedeutet, dass wir nicht mit Sicherheit sagen können, ob Yoga als Versorgungspaket vorteilhaft im Vergleich zur Standardversorgung ist.

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Hintergrund: 

Yoga ist eine alte spirituelle Praxis, die in Indien entstand und derzeit in der westlichen Welt als eine Form der Entspannung und Bewegung anerkannt ist. Für Menschen mit Schizophrenie ist es von Interesse, die Wirkung von Yoga als Versorgungspaket versus Standardversorgung zu untersuchen.

Zielsetzungen: 

Untersuchung der Wirkung von Yoga als Versorgungspaket versus Standardversorgung.

Suchstrategie: 

Wir durchsuchten das Studienregister der Cochrane Schizophrenia Group (zuletzt am 30. März 2017), das auf regelmäßigen Recherchen in MEDLINE, PubMed, Embase, CINAHL, BIOSS, AMED, PsychINFO und Register klinischer Studien basiert. Wir durchsuchten die Referenzen aller eingeschlossenen Studien. Es gab keine Einschränkungen hinsichtlich Sprache, Datum, Dokumenttyp oder Publikationsstatus bezüglich des Einschlusses der Dokumente in das Register.

Auswahlkriterien: 

Alle randomisierten, kontrollierten Studien (RCTs) schlossen Menschen mit Schizophrenie ein und verglichen Yoga als ein Versorgungspaket mit Standardversorgung als Kontrolle.

Datensammlung und ‐analyse: 

Zwei Autoren führten unabhängig voneinander die Studienauswahl durch, bewerteten das Risiko für Bias und extrahierten Daten. Für binäre Endpunkte berechneten wir die Risikodifferenz (RD) und ihr 95 %-Konfidenzintervall (KI) auf einer Intention-to-Treat (ITT) Basis. Für kontinuierliche Daten ermittelten wir die Mittelwertdifferenz (MD) zwischen Gruppen sowie das dazugehörige KI. Wir verwendeten Mixed-Effect- und Fixed-Effect-Modelle für die Analyse. Wir untersuchten die Heterogenität (I2 Technik), bewerteten das Risiko für Bias für die eingeschlossenen Studien und erstellten eine „Summary of Findings“-Tabelle mit Hilfe von GRADE (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation).

Hauptergebnisse: 

Drei Studien wurden in diesen Review eingeschlossen. Alle Endpunkte waren kurzfristig (weniger als acht Wochen). Nutzbare Daten wurden nur für zwei Endpunkte berichtet; frühzeitiger Studienabbruch und Lebensqualität. Es gab Evidenz zu Gunsten des Yoga Versorgungspakets hinsichtlich Ergebnissen der Lebensqualität am Endpunkt (1 RCT, n = 80, MD 22,93 KI 19,74 bis 26,12, niedrige Qualität der Evidenz). Die Daten zum frühzeitigen Verlassen der Studie waren zwischen den Behandlungsgruppen gleich (3 RCTs, n = 193, RD 0,06 KI -0,01 bis 0,13, moderate Qualität der Evidenz, hohe Heterogenität). Insgesamt fehlt diesem Review eine übermäßige Anzahl an bedeutenden Endpunkten, einschließlich psychischer und globaler Status, soziale Funktionsfähigkeit, körperliche Gesundheit, unerwünschte Wirkungen und Kosten der Versorgung.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

A.Kobleder, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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