Interventionen zur Unterstützung der Aufnahme und Fortsetzung des Stillens bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Es gibt keine ausreichende Evidenz, um die Wirksamkeit physikalischer Interventionen oder mehrerer Unterstützungsmethoden (sozial, pädagogisch oder physikalisch) zur Unterstützung der Aufnahme oder Fortsetzung des Stillens bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas zu beurteilen. Wir fanden keine RCTs, die zwei Arten der Unterstützung miteinander vergleichen. Alle unsere GRADE-Bewertungen ergaben eine sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz, mit Entscheidungen zur Herabstufung auf der Grundlage von Einschränkungen im Studiendesign (z.B. Risiko eines Attrition-Bias), unzureichender Präzision, Inkonsistenz. Die verfügbaren Studien waren meist von unterschiedlicher Qualität und mit geringer Teilnehmerzahl, was durch eine schlechte Adhärenz sowohl innerhalb der Interventions- als auch der Kontrollgruppen noch verstärkt wurde.

Gut konzipierte Forschung mit ausreichender statistischer Power ist notwendig, um Fragen nach der sozialen, edukativen, physikalischen Unterstützung oder einer Kombination dieser Interventionen zu beantworten, die Müttern mit Übergewicht oder Adipositas helfen könnten, optimale Stillergebnisse zu erzielen. Wir brauchen Studien, die Interventionen untersuchen, die speziell für Frauen mit Übergewicht oder Adipositas entwickelt wurden. Die Interventionen sollten von Personal übermittelt werden, das darin geschult wurde, einige der Herausforderung zu bewältigen, denen sich Frauen mit Übergewicht oder Adipositas, bei der Aufnahme und Aufrechterhaltung des Stillens, gegenübersehen. Besondere Aufmerksamkeit könnte der Bewertung pränataler Interventionen geschenkt werden, die darauf abzielen, die Stillaufnahme bei Frauen mit erhöhtem BMI zu verbessern und sich nicht nur auf die Rekrutierung von Frauen zu konzentrieren, die bereits beabsichtigen zu stillen. Da der Großteil der aktuellen Studien in den USA durchgeführt wurde, sind weitere Studien in verschiedenen anderen Ländern und Kontexten erforderlich. Zukünftige Studien müssen die theoretischen Grundlagen der Intervention unter Verwendung etablierter Frameworks berücksichtigen, um die Replizierbarkeit durch andere zu ermöglichen und die Komponenten wirksamer Interventionen besser zu bestimmen.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Aufgrund der vielen gesundheitlichen Vorteile für Mutter und Kind wird empfohlen, alle Säuglinge bis zum Alter von sechs Monaten ausschließlich zu stillen.

Es gibt Evidenz, die darauf hinweist, dass die Wahrscheinlichkeit, mit dem Stillen zu beginnen, bei übergewichtigen (Body-Mass-Index (BMI) 25,0 bis 29,9 kg/m²) oder adipösen (BMI ≥ 30,0 kg/m²) Müttern niedriger ist und dass der Zeitraum, in dem gestillt wird, kürzer ist. In Anbetracht der weltweit steigenden Prävalenz von Übergewicht und Adipositas sowie der bekannten Vorteile des Stillens (insbesondere zur Verringerung langfristiger Risiken für Adipositas und Diabetes bei Säuglingen), ist es von größter Bedeutung, wirksame Methoden zur Unterstützung und Förderung des Stillens bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas zu schaffen, um das Ziel einer gesünderen Bevölkerung zu erreichen.

Zielsetzungen: 

Es sollte die Wirksamkeit von Interventionen zur Unterstützung der Aufnahme oder Fortsetzung des Stillens bei Frauen, die übergewichtig oder adipös sind, beurteilt werden.

Suchstrategie: 

Am 23. Januar 2019 durchsuchten wir das Cochrane Pregnancy and Childbirth‘s Trials Register, ClinicalTrials.gov, die World Health Organization (WHO) International Clinical Trials Registry Platform (ICTRP) sowie Referenzlisten von Studien.

Auswahlkriterien: 

Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und Quasi-RCTs, die Interventionen zur Unterstützung der Aufnahme und Fortsetzung des Stillens bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas verglichen. Die Interventionen umfassten soziale Unterstützung, Schulungen, (physikalische) Hilfsmittel oder eine Kombination aus diesen. Die Interventionen wurden entweder miteinander oder mit einer Kontrollgruppe verglichen.

Datensammlung und -analyse: 

Wir beurteilten alle potenziellen Studien, die durch unsere Suchstrategie identifiziert wurden. Zwei Review-Autoren extrahierten die Daten jeder eingeschlossenen Studie und beurteilten das Risiko für Bias. Diskrepanzen behoben wir durch Diskussionen mit dem dritten Review-Autor. Wir beurteilten die Qualität der Evidenz anhand des GRADE-Ansatzes.

Hauptergebnisse: 

Wir fanden keine Studien, die zwei verschiedene Arten der Unterstützung miteinander vergleichen. Wir schlossen sieben RCTs (darunter ein Cluster-RCT) mit 831 Frauen ein. Die Anzahl der Frauen in jeder Studie reichte von 36 bis 226. Die Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt: USA (5 Studien), Dänemark (1 Studie) und Australien (1 Studie), zwischen 2006 und 2015. Drei der Studien umfassten nur Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft adipös waren, und vier Studien umfassten sowohl übergewichtige Frauen als auch Frauen, die adipös waren. Wir beurteilten das Risiko für Bias in den eingeschlossenen Studien als gemischt; nur bei einer Studie wurde ein geringes Risiko für Bias bezüglich der Generierung der Randomisierungssequenz, der verdeckten Zuteilung und Attrition-Bias festgestellt.

Einsatz physikalischer Hilfsmittel beim Stillen (manuelle oder elektrische Milchpumpe) im Vergleich zum Stillen ohne Hilfsmittel (keine Milchpumpe)

Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit aus einer kleinen Studie (39 Frauen), die sich mit einer Intervention zum Einsatz physikalischer Hilfsmittel (manuelle oder elektrische Milchpumpe) im Vergleich zum Stillen ohne Hilfsmittel (keine Pumpe) befasst, deutet darauf hin, dass unklar ist, ob der Einsatz physikalischer Hilfsmittel das ausschließliche Stillen nach vier bis sechs Wochen (Relatives Risiko (RR) 0,55, 95% Konfidenzintervall (KI) 0,20 bis 1,51) oder jede Art von Stillen nach vier bis sechs Wochen (RR 0,65, 95% KI 0,41 bis 1,03) verbessert. Die Studie berichtete über keine anderen wichtigen Endpunkte, die für diesen Review von Interesse waren: kein Stillbeginn, ausschließliche oder jegliche Stilltätigkeit nach sechs Monaten nach der Geburt.

Mehrere Methoden der Stillunterstützung im Vergleich zum Stillen ohne Unterstützung

In sechs Studien (an denen 792 Frauen beteiligt waren) wurden verschiedene Unterstützungsmethoden eingesetzt, darunter Schulungen und soziale Unterstützung durch telefonischen oder persönlichen Kontakt. In einer der Studien wurden für die Frauen Hilfsmittel, in Form einer Milchpumpe und eines Babytragetuchs, bereitgestellt. Die Teilnehmerinnen einer anderen Studie erhielten bei jedem Termin ein kleines Geschenk. Die Unterstützung in den Studien erfolgte durch einen Experten (vier Studien) oder einen Peer (zwei Studien). Eine der Studien bot eine Beratungsgruppe an, während die Frauen in den anderen fünf Studien individuell unterstützt wurden. Eine Studie (174 Frauen) berichtete über keinen der uns interessierenden Endpunkte.

Wir sind unsicher in Bezug auf die Auswirkungen der Intervention, da wir für alle wichtigen Endpunkte dieses Reviews Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit identifizierten: Rate bei kein Stillbeginn (durchschnittliches RR 1,03, 95% KI 0,07 bis 16,11; 3 Studien, 380 Frauen); ausschließliches Stillen nach vier bis sechs Wochen (durchschnittliches RR 1,21, 95% KI 0,83 bis 1,77; 4 Studien, 445 Frauen); jegliches Stillen nach vier bis sechs Wochen (durchschnittliches RR 1,04, 95% KI 0,57 bis 1,89; 2 Studien, 103 Frauen); Rate des ausschließlichen Stillens nach sechs Monaten nach der Geburt (RR 7,23, 95% KI 0,38 bis 137,08; 1 Studie, 120 Frauen); und jegliches Stillen nach sechs Monaten nach der Geburt (durchschnittliches RR 1,42, 95% KI 1,08 bis 1,87; 2 Studien, 223 Frauen).

Die unter den oben genannten Vergleichen eingeschlossenen Studien berichteten auch über einige der sekundären Endpunkte dieses Reviews. Die sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bedeutet jedoch, dass wir über die Auswirkungen der Intervention auf diese Endpunkte im Unklaren sind.

Übersetzung: 

S.Laquai, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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