Simulierte Präsenztherapie bei Demenz

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Die Autoren waren nicht in der Lage, Schlussfolgerungen über die Wirkung der Simulierten Präsenztherapie zur Behandlung von verhaltensbezogenen und psychologischen Symptomen und der Verbesserung der Lebensqualität bei Menschen mit Demenz zu ziehen. Weitere hochwertige Studien werden benötigt, um die Wirkung der Simulierten Präsenztherapie zu untersuchen.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Demenz ist ein häufiges und schwerwiegendes neuropsychiatrisches Syndrom, das durch einen fortschreitenden kognitiven und funktionalen Verfall gekennzeichnet ist. Der Großteil der Menschen mit Demenz entwickelt Verhaltensstörungen, die auch als behaviorale und psychologische Symptome der Demenz (BPSD) bezeichnet werden. Einige nicht-medikamentöse Interventionen zur Behandlung von BPSD bei Menschen mit Demenz sind untersucht worden. Die Simulierte Präsenztherapie, eine Intervention, bei der der dementen Person Video- oder Tonaufzeichnungen von Familienmitgliedern vorgespielt werden, ist ein möglicher Ansatz zur Behandlung von BPSD.

Zielsetzungen: 

Die Bewertung der Wirkungen der Simulierten Präsenztherapie auf verhaltensbezogene und psychologische Symptome und die Lebensqualität bei Menschen mit Demenz.

Suchstrategie: 

Die Autoren durchsuchten ALOIS (das Spezialregister der Cochrane Dementia and Cognitive Improvement Group), CENTRAL (The Cochrane Library) (9. April 2020), MEDLINE Ovid SP (1946 bis 9. April 2020), Embase Ovid SP (1972 bis 9. April 2020), PsycINFO Ovid SP (1806 bis 9. April 2020), CINAHL via EBSCOhost (1980 bis 9. April 2020), LILACS via BIREME (bis 9. April 2020), ClinicalTrials.gov (ClinicalTrials.gov) (bis 9. April 2020), und das World Health Organization (WHO) Portal (apps.who.int/trialsearch) (bis 9. April 2020). Darüber hinaus prüften sie die Referenzlisten relevanter Artikel, um zusätzliche Studien zu finden.

Auswahlkriterien: 

Randomisierte und quasi-randomisierte kontrollierte Studien, einschließlich Cross-over-Studien, die die Wirkung der Simulierten Präsenztherapie, bestehend aus personalisierten Video- oder Tonaufzeichnungen von Familienmitgliedern, bei Menschen mit jeglicher Form der Demenz untersuchten.

Datensammlung und ‐analyse: 

Zwei Autoren führten unabhängig voneinander die Studienauswahl durch, bewerteten das Risiko für Bias und extrahierten Daten. Aufgrund einer erheblichen Heterogenität der eingeschlossenen Studien wurden keine Meta-Analysen durchgeführt.

Hauptergebnisse: 

Drei Studien mit 144 Teilnehmern erfüllten die Einschlusskriterien. Zwei der Studien hatten ein randomisiertes Cross-over-Design, eine war eine Cross-over-Studie, die die Autoren als quasi-randomisiert einstuften.

Die Teilnehmer der eingeschlossenen Studien waren Menschen mit Demenz, die in Pflegeeinrichtungen leben. Es handelte sich größtenteils um Frauen, die durchschnittlich über 80 Jahre alt waren. Die Simulierte Präsenztherapie wurde unter Verwendung einer Video- oder Tonaufzeichnung von Familienmitgliedern oder Surrogaten durchgeführt. Sie unterschied sich in ihren Inhalten, der Häufigkeit der Anwendung und ihrer Dauer. Alle Studien verglichen mehrere Behandlungen. In einer Studie wurde die Simulierte Präsenztherapie mit zwei anderen Interventionen verglichen; in den anderen zwei Studien wurde sie mit drei anderen Interventionen verglichen. Im Einzelnen wurde die Simulierte Präsenztherapie mit der Regelversorgung, personalisierter Musik (zwei Studien), einem „Placebo“-Tonband mit der Stimme einer Person (zwei Studien) und einer persönlichen Interaktion mit geschulten Forschungsassistenten (eine Studie) verglichen. Bezüglich der bewerteten Endpunkte betrachtete eine Studie Agitation und zurückgezogenes Verhalten (beide anhand von drei Methoden bewertet); die zweite Studie betrachtete verbales Störverhalten (anhand von drei Methoden bewertet); und die dritte Studie betrachtete körperliches agitiertes Verhalten und verbales agitiertes Verhalten (die verwendete Methode wurde nicht genau beschrieben).

Nach den GRADE-Kriterien war die Qualität der Evidenz insgesamt aufgrund der sehr geringen Teilnehmeranzahlen und dem Risiko für Bias in den eingeschlossenen Studien sehr niedrig; (keine der Studien hatte ein niedriges Risiko für Selection Bias; alle Studien hatten ein hohes Risiko für Performance Bias; eine Studie hatte ein hohes Risiko für Attrition Bias; und alle hatten eine unklare, selektive Berichterstattung).

Aufgrund der Unterschiede der Teilnehmer, dem Format der Simulierten Präsenztherapie, den Vergleichsinterventionen und der für die Bewertung der Ergebnisse verwendeten Ergebnismessungen beurteilten die Autoren die Ergebnisse als ungeeignet, um eine Metaanalyse durchzuführen.

Innerhalb der einzelnen Studien war die Wirkung der Simulierten Präsenztherapie auf das Verhalten, verglichen mit der Regelversorgung, gemischt und abhängig von den verwendeten Ergebnismessungen. Zwei Studien, die eine Intervention mit personalisierter Musik beinhalteten, berichteten von keinen signifikanten Unterschieden zwischen der Simulierten Präsenz und Musik bezüglich verhaltensbezogener Endpunkte. Da die allgemeine Qualität der Evidenz sehr niedrig war, waren sich die Autoren bei allen Ergebnissen sehr unsicher.

Keine der Studien bewertete die Lebensqualität oder einen der sekundären Endpunkte (Durchführung von Aktivitäten des täglichen Lebens, Abbruch und Belastung der Pflegepersonen).

Übersetzung: 

A. Wenzel, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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