Psychosoziale Interventionen bei Kokain- und Amphetaminmissbrauch

Reviewfrage

Wir überprüften die Evidenz zur Wirksamkeit von psychosozialen Behandlungen, die eine weite Spanne an Strategien mit dem Ziel der Verhaltensänderung und Unterstützung von Erwachsenen umfassen, die von einem schädlichen, missbrauchenden oder abhängigen Gebrauch von Kokain oder Amphetaminen, einschließlich MDMA (Extasy) betroffen sind.

Hintergrund

Kokain und Amphetamine sind weltweit die zwei bedeutendsten Freizeit-Psychostimulanzien. Letzten Schätzungen zufolge, haben im letzten Jahr weltweit mehr als 0,35% der Erwachsenen mindestens einmal Kokain und 0,7% mindestens einmal Amphetamine verwendet. In Bezug auf die Prävalenz waren Amphetamine auf Platz zwei, direkt hinter Cannabis als die am gängigsten verwendete illegale Droge weltweit.

Sowohl Kokain- als auch Amphetaminabhängigkeit wurden mit negativen sozialen, körperlichen und psychologischen Folgen assoziiert. Diese umfassen Wahnvorstellungen und Halluzinationen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, AIDS und virale Hepatitis, und sexuell übertragbare Krankheiten. Es gibt eine enge Verbindung zwischen der Einnahme von illegalen Drogen, einschließlich Kokain und Amphetaminen, und Kriminalität, sexuellem Missbrauch und zwischenmenschlicher Gewalt.

Medikamentöse Behandlungen scheinen zur Behandlung dieses Zustands nicht wirksam. Deswegen ist es wichtig herauszufinden, inwiefern psychosoziale Maßnahmen die Einhaltung der Entzugsbehandlung erhöhen und die Häufigkeit der Einnahme reduzieren.

Suchdatum

Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2015.

Studienmerkmale

In diesem Review betrachteten wir 52 randomisierte kontrollierte Studien (Studien, in denen Personen zufällig einer von zwei oder mehr Behandlungs- oder Kontrollgruppen zugeteilt werden).

Im Durchschnitt dauerten die Maßnahmen rund 16 Wochen. Die Nachbeobachtungszeit der Teilnehmer umfasste 6 bis 12 Monate.

Die Studien untersuchten verschiedene Arten der psychosozialen Interventionen: kognitive Verhaltenstherapie (19 Studien), Notfallmanagement (25 Studien), motivierende Gesprächsführung (5 Studien), interpersonelle Therapie (3 Studien), psychodynamische Therapie (1 Studie) und zwölf-Schritte-Programme (4 Studien).

41 Studien wurden in den USA, vier in Spanien, drei in Australien, zwei in der Schweiz und zwei in Großbritannien durchgeführt. Wir schlossen insgesamt 6923 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren ein. Der Anteil der Männer lag bei 63%. Die durchgeführten Vergleiche waren: jegliche psychosoziale Intervention gegenüber keiner Intervention (32 Studien), irgendeine psychosoziale Intervention gegenüber der Regelversorgung (6 Studien), und eine psychosoziale Intervention gegenüber einer alternativen psychosozialen Intervention (13 Studien). Fünf der eingeschlossenen Studien boten für den Einschluss in die statistischen Analysen keine brauchbaren Daten.

Hauptergebnisse

Wir fanden heraus, dass verglichen mit keiner Intervention, wahrscheinlich jegliche psychosoziale Intervention die Behandlungseinhaltung verbessert und die Abstinenz am Ende der Behandlung erhöhen könnte. Möglicherweise ist es für Betroffene schwierig, bis mehrere Monate nach der Behandlung clean zu bleiben. Letztendlich fanden wir heraus, dass Personen, die sich einer bestimmten psychosozialen Intervention unterzogen, länger clean blieben, ohne Stimulanzien zu verwenden. Die überwiegende Mehrzahl der von uns begutachteten Studien untersuchte eine bestimmte psychosoziale Intervention, ergänzend zu der Regelversorgung oder verglichen diese mit einer anderen spezifischen psychosozialen oder medikamentösen Behandlung. Damit waren die Kontrollgruppen nicht wirklich unbehandelt. Dies könnte zu einer Unterschätzung der wahren Wirkung der psychosozialen Intervention führen.

Wir fanden heraus, dass verglichen zur Standardversorgung, wahrscheinlich jegliche psychosoziale Behandlung die Therapieeinhaltung verbessert, aber möglicherweise nicht die Abstinenz nach Ende der Behandlung verbessert oder die Teilnehmer unterstützt, für eine längere Zeit clean zu bleiben.

Basierend auf den direkten Vergleichen, konnten wir keine Schlussfolgerung darüber ziehen, welche die wirksamste psychosoziale Behandlung ist. Die meisten Studien wurden in den Vereinigten Staaten durchgeführt. Dies könnte die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränken, da die Wirkungen von psychosozialen Behandlungen stark vom sozialen Umfeld und der Ethnik beeinflusst werden können.

Keine der Studien berichtete Schäden, die mit der psychosozialen Intervention zusammenhängen.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz war moderat für die Therapieeinhaltung, jedoch niedrig für die Abstinenz.

Übersetzung: 

I. Nolle, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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