Intravesikale elektromotorische Medikamentenverabreichung bei nicht-muskelinvasivem Harnblasenkarzinom

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Während die Verwendung von EMDA zur Verabreichung intravesikaler MMC bei bestimmten Patientenpopulationen möglicherweise zu einer zeitlichen Verzögerung des Wiederauftretens eines Urothelkarzinoms führen kann, sind wir über die Auswirkungen auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse dieser Behandlungsform in allen Vergleichen unsicher. Häufige Gründe für die Herabstufung der QoE waren Studieneinschränkungen und unzureichende Präzision. Eine EMDA-basierte Verabreichung von MMC könnte künftig in einem Setting wichtig werden, in dem etabliertere Präparate (wie z.B. BCG) nicht verfügbar sind. Unser Vertrauen in den Effektschätzer ist aufgrund der niedrigen oder sehr niedrigen QoE für die meisten Vergleiche begrenzt. Daher können die tatsächlichen Effektgrößen von den hier angegebenen Werten erheblich abweichen.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Bei der elektromotorischen Verabreichung von Medikamenten (electromotive drug administration, EMDA) wird elektrischer Strom zur Verbesserung der Verabreichung von intravesikalen Wirkstoffen genutzt, um das Rezidivrisiko bei Menschen mit nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs (non-muscle invasive bladder cancer, NMIBC) zu verringern. Es ist unklar, wie wirksam dies im Vergleich zu anderen Formen der intravesikalen Instillationstherapie ist.

Zielsetzungen: 

Das Ziel ist die Beurteilung der Wirksamkeit der intravesikalen EMDA für die Behandlung von NMIBC.

Suchstrategie: 

Wir führten eine umfassende Suche in mehreren Datenbanken (CENTRAL, MEDLINE, EMBASE), zwei Registern klinischer Studien und einer Quelle für graue Literatur durch. Referenzlisten relevanter Publikationen und Konferenzabstracts wurden miteinbezogen. Wir haben keine sprachlichen Einschränkungen vorgenommen. Die letzte Suche wurde im Februar 2017 durchgeführt.

Auswahlkriterien: 

Wir suchten nach randomisierten Studien, die EMDA eines beliebigen intravesikalen Mittels zur Reduzierung eines Blasenkrebsrezidives in Verbindung mit der transurethralen Resektion eines Blasentumors (transurethral resection of bladder tumour, TURBT) verglichen.

Datensammlung und -analyse: 

Zwei Autoren durchsuchten unabhängig voneinander die Literatur, extrahierten Daten, bewerteten das Risiko für Bias und beurteilten die Evidenzqualität (QoE) nach GRADE für jeden Endpunkt.

Hauptergebnisse: 

Drei Studien mit insgesamt 672 Teilnehmern wurden aufgenommen, die fünf verschiedene Vergleiche beschrieben. Alle drei Studien wurden von demselben Studienleiter durchgeführt. Alle Studien verwendeten Mitomycin C (MMC) als Chemotherapeutikum für die EMDA.

1. Postoperative MMC-EMDA Induktion versus postoperative Bacillus Calmette-Guérin (BCG) Induktion: Basierend auf einer Studie mit 72 Teilnehmern mit Cacinoma-in-situ (CIS) und gleichzeitigem pT1 Urothelkarzinom ist die Wirksamkeit von MMC-EMDA bezüglich der Zeit bis zum Rezidiv (Relatives Risiko (RR) 1,06, 95% Konfidenzintervall (KI) 0,64 bis 1,76; entspricht 30 mehr pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 180 weniger bis 380 mehr) unsicher (sehr niedrige QoE). In beiden Studienarmen gab es nach drei Monaten Nachbeobachtung keine Progression der Erkrankung. Über schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (RR 0,75, 95% KI 0,18 bis 3,11) kann ebenfalls keine sichere Aussage getroffen werden (sehr niedrige QoE).

2. Postoperative MMC-EMDA Induktion versus MMC Induktion durch passive Diffusion (PD): Basierend auf einer Studie mit 72 Teilnehmern mit CIS und gleichzeitigem pT1 Urothelkarzinom kann postoperative MMC-EMDA möglicherweise (niedrige QoE) das Rezidivrisiko reduzieren (RR 0,65, 95% KI 0,44 bis 0,98; entspricht 147 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 235 weniger bis 8 weniger). In beiden Studienarmen gab es nach drei Monaten Nachbeobachtung keine Progression der Erkrankung. Wir sind unsicher (sehr niedrige QoE) über die Wirkung von MMC-EMDA auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (RR 1,50, 95% KI 0,27 bis 8,45).

3. Postoperative MMC-EMDA mit sequentieller BCG Induktion inkl. Erhaltungstherapie versus postoperative BCG Induktion inkl. Erhaltungstherapie: Basierend auf einer Studie mit 212 Teilnehmern mit pT1 Urothelkarzinom der Blase mit oder ohne CIS, könnte (niedrige QoE) postoperative MMC-EMDA mit sequentieller BCG die Zeit bis zum Rezidiv ( Hazard Ratio (HR) 0.51, 95% KI 0,34 bis 0,77; entspricht 181 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 256 weniger bis 79 weniger) und bis zur Progression (HR 0,36, 95% KI 0,17 bis 0,75; entspricht 63 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 82 weniger bis 24 weniger) verlängern. Wir sind unsicher (sehr niedrige QoE) über die Wirkung von MMC-EMDA auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (RR 1,02, 95% KI 0,21 bis 4,94).

4. Präoperative MMC-EMDA als Einmalbehandlung versus postoperative MMC-PD als Einmalbehandlung: Basierend auf einer Studie mit 236 Teilnehmern mit primärem pTa und pT1 Urothelkarzinom, resultiert die präoperative MMC-EMDA als Einmalbehandlung wahrscheinlich (moderate QoE) in einer Zeitverlängerung bis zum Rezidiv (HR 0,47, 95% KI 0,32 bis 0,69; entspricht 247 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 341 weniger bis 130 weniger) bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 86 Monaten. Wir sind unsicher (sehr niedrige QoE) über die Wirkung von präoperativer MMC-EMDA als Einmalbehandlung auf die Zeit bis zur Progression (HR 0,81, 95% KI 0,00 bis 259,93; entspricht 34 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 193 weniger bis 807 mehr) und auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (RR 0,79, 95% KI 0,30 bis 2,05).

5. Präoperative MMC-EMDA als einmalige Gabe versus TURBT allein: Basierend auf einer Studie mit 233 Teilnehmern mit primärem pTa- und pT1-Urothelkarzinom führt präoperative MMC-EMDA als einmalige Gabe wahrscheinlich (moderate QoE) zu einer längeren Zeit bis zum Rezidiv (HR 0,40, 95% KI 0,28 bis 0,57; entspricht 304 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 390 weniger bis 198 weniger) bei einer medianen Nachbeobachtung von 86 Monaten. Wir sind unsicher (sehr niedrige QoE) über die Wirkung von präoperativer MMC-EMDA als Einmalbehandlung auf die Zeit bis zur Progression (HR 0,74, 95% KI 0,00 bis 247,93; entspricht 49 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 207 weniger bis 793 mehr) oder auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (HR 1,74, 95% KI 0,52 bis 5,77).

Übersetzung: 

S. Schmidt, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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