Bariatrische Chirurgie bei Kindern und Jugendlichen

Fragestellung

Wie wirksam sind bariatrische Eingriffe zur sicheren Gewichtsreduktion bei Kindern und Jugendlichen?

Hintergrund

Weltweit werden immer mehr Kinder und Jugendliche übergewichtig und adipös. Da übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche mit einer höheren Wahrscheinlichkeit unter Gesundheitsproblemen leiden, werden mehr Informationen benötigt, wie dieses Problem am besten angegangen werden kann.

Studienmerkmale

Wir fanden eine randomisierte kontrollierte Studie mit insgesamt 50 Teilnehmern (jeweils 25 in der Interventions- und in der Kontrollgruppe) und einer Nachbeobachtungsdauer von zwei Jahren. Der chirurgische Eingriff, der durchgeführt wurde, war ein „laparoskopisch angelegtes Magenband“ (hierbei wird in Schlüssellochchirurgie ein verstellbares Band um den Mageneingang gelegt). Die Kontrollgruppe nahm an einem Programm teil, bestehend aus einer reduzierten Energieaufnahme (individualisierte Ernährungspläne mit einer Kalorienaufnahme zwischen 800 und 2 000 Kalorien pro Tag, abhängig von Alter und Gewicht), gesteigerter Aktivität (Ziel: 10 000 Schritte pro Tag) kombiniert mit einem strukturierten Sportprogramm von mindestens 30 Minuten pro Tag und Verhaltenstherapie.

Hauptergebnisse

Es nahmen australische Jugendliche (mehr Mädchen als Jungen) mit einem Altersdurchschnitt von 16,5 Jahren in der Magenband-Gruppe und 16,6 Jahren in der “Lifestyle”-Gruppe teil. Die Autoren berichteten von einer durchschnittlichen Gewichtsreduktion von 34,6 kg nach zwei Jahren in der Magenband-Gruppe. Das entspricht einer Reduktion des BMI (kg/m²) um 12,7. Die Teilnehmer der „Lifestyle“-Gruppe verloren in der gleichen Zeit 3,0 kg. Das entspricht 1,3 BMI-Punkten. 12 von 25 Teilnehmern in der Magenband-Gruppe (48 %) und 11 von 25 Teilnehmern in der Kontroll-Gruppe (44 %) berichteten von Nebenwirkungen. Insgesamt benötigten 28 % der Jugendlichen mit Magenband einen Revisionseingriff (chirurgischer Eingriff aufgrund von Komplikationen durch die Magenband Operation). Über Todesfälle, Verhaltensänderungen, die Einschätzung der Intervention durch die Teilnehmer und sozioökonomische Auswirkungen wurden keine Daten berichtet. In zwei von acht gesundheitsbezogenen Lebensqualitätskategorien, gemessen mit dem Kindergesundheitsfragebogen, schnitten die Magenband-Teilnehmer nach zwei Jahren besser ab als die „Lifestyle“-Teilnehmer (Körperfunktionswert (94 versus 78, Gesellschaftsnorm 95) und Veränderung des Gesundheitswertes (4,4 versus 3,6, Gesellschaftsnorm 3,5).

Qualität der Evidenz

Unsere Ergebnisse sind auf zwei Jahre Verlaufskontrolle beschränkt und basieren nur auf einer kleinen australischen Studie mit einem gewissen Risiko für Bias, die in einem privaten Krankenhaus durchgeführt und von einem Magenbandhersteller finanziert wurde. Momentan existiert nur unzureichende Evidenz für ein begründetes Urteil über die Wirksamkeit von chirurgischen Maßnahmen zur Behandlung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen.

Aktualität der Evidenz

Die Evidenz ist auf dem Stand von März 2015.

Übersetzung: 

M. Seifert, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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