Interventionen zur Vermeidung von Verstopfung nach der Geburt

Verstopfung ist eine Störung der Darmtätigkeit, die mit Schmerzen oder Unwohlsein, Verspannungen, festen Stuhlgang sowie dem Gefühl von unvollständiger Darmentleerung einhergehen kann. Schmerzen und Unwohlsein während des Stuhlgangs können der Wöchnerin, die sich von Strapazen der Geburt erholt, Sorge bereiten, insbesondere wenn sie eine Dammnaht oder Hämorrhoiden hat. Verstopfung nach der Geburt kann für Frauen aufgrund des übermäßigen Drucks auf die Darmwand belastend sein. Dieser Druck führt zu Unruhe sowie schmerzhaften Stuhlgang und kann die Lebensqualität der Mutter beeinflussen. Einläufe vor der Geburt, die Möglichkeit für Frauen während der aktiven Geburtsphase zu essen sowie unregelmäßige und veränderte Essgewohnheiten in den ersten Tagen nach der Geburt können jeweils den Stuhlgang in den Tagen nach der Geburt beeinflussen. Wir zielten darauf ab, alle Studien zu finden, die Interventionen untersuchen, welche Verstopfung nach der Geburt verhindern können. Wir prüften die verfügbare Evidenz bis zum 30. April 2015. Wir schlossen fünf randomisierte kontrollierte Studien (mit insgesamt 1208 Frauen ab dem ersten Tag nach der Geburt) in diesen Review ein. Insgesamt sind die Studien schlecht durchgeführt und dokumentiert

Vier Studien verglichen ein Abführmittel mit einem Placebo. In den Studien wurde nur die Zeit bis zum ersten Stuhlgang gemessen. Es wurden jedoch weder Schmerzen noch Verspannungen beim Stuhlgang, die Inzidenz von Verstopfung oder Veränderungen in der Lebensqualität berücksichtigt. In einer Studie hatten mehr Frauen, die ein Abführmittel erhalten hatten, Stuhlgang am Tag der Entbindung. Die Ergebnisse der Studien für den ersten, zweiten und dritten Tag nach der Geburt waren uneinheitlich. Die Ergebnisse aus zwei Studien zusammengenommen zeigten, dass mehr Frauen aus der Placebo Gruppe den ersten Stuhlgang vier Tage nach der Entbindung hatten als aus der Gruppe mit Abführmittel. Unerwünschte Ereignisse der Intervention wurden in den Studien unzureichend aufgezeigt. Zwei Studien berichteten über Bauchkrämpfe, aber wir konnten die Ergebnisse der beiden Studien nicht zusammenführen, weil sie sehr unterschiedlich waren. Eine Studie stellte fest, dass mehr Frauen Bauchkrämpfe als mit Placebo hatten, während die andere Studie keinen Unterschied zwischen den Gruppen fand. Für die Kinder stellte eine Studie in Bezug auf unerwünschte Ereignisse der Intervention fest, dass sie nicht häufiger dünnen Stuhl oder Durchfall hatten, wenn ihre Mütter Abführmittel erhielten.

Eine Studie verglich die Gabe eines Abführmittels mit Abführmittel plus einem Mittel zum Erweichen des Stuhls (Flohsamenschalen) bei Frauen, deren Dammriss dritten Grades (interne und externe Analschließmuskelmuskulatur) genäht wurde. Ein solcher Dammriss war während der vaginalen Geburt aufgetreten. Die Studie berichtete von Schmerzen oder Verspannungen beim Stuhlgang. Es konnten aber keine Unterschiede auf der Schmerzskala zwischen den Gruppen gefunden werden. In Bezug auf unerwünschte Wirkungen der Intervention: Frauen, die Abführmittel und zusätzlich stuhlerweichende Mittel erhalten hatten, erlebten häufiger Probleme mit Stuhlinkontinenz in der Zeit direkt nach der Geburt. Allerdings konnte kein deutlicher Unterschied in der Stuhlinkontinenz in den ersten 10 Tagen nach der Geburt bei der Gabe von Abführmitteln verglichen mit Abführmittel plus einem Mittel zum Erweichen des Stuhls gezeigt werden (14/77 (18,2 %) verglichen mit 23/70 (32,9 %) bei insgesamt 147 Frauen). Diese Studie berichte keine Daten zu möglichen unerwünschten Wirkungen für das Neugeborene.

Es gibt nicht genügend Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Abführmitteln kurz nach der Geburt. Daher können keine allgemeinen Schlussfolgerungen über deren Verwendung zur Vermeidung von Verstopfungen gezogen werden. Wir konnten keine Studien ermitteln, die Aufklärungs- oder Verhaltensinterventionen wie ballaststoffreiche Ernährung oder Bewegung untersuchten.

Wir fanden eine gewisse Evidenz dafür, dass ein zusätzlich zum Abführmittel verabreichtes Mittel zum Erweichen des Stuhls bei Frauen mit einem Dammriss dritten Grades nicht von Vorteil ist. Zu diesem Thema sind groß angelegte, qualitativ hochwertige Studien notwendig. Darüber hinaus sind Studien über nicht-medizinische Interventionen wie Ernährungsberatung und Bewegung notwendig.

Übersetzung: 

C. Berger, C. Loytved, freigegeben durch Cochrane Schweiz

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