Interventionen zur Vermeidung von nachgeburtlicher Verstopfung

Worum geht es?

Verstopfung während der Wochenbettperiode ist eine Darmstörung, die durch Symptome wie Schmerzen oder Unwohlsein, schmerzhaften Stuhlgang, harten klumpigen Stuhl und von einem Gefühl der unvollständigen Darmentleerung gekennzeichnet ist. Die Verabreichung von Einläufen vor der Geburt, die Möglichkeit, dass Frauen während der aktiven Geburt essen, sowie unregelmäßige und veränderte Essgewohnheiten in den ersten Tagen nach der Entbindung können jeweils einen Einfluss auf den Stuhlgang in den Tagen nach der Geburt haben. Dies ist eine Aktualisierung eines erstmals 2015 veröffentlichten Reviews.

Warum ist das wichtig?

Schmerzen und Unwohlsein während der Stuhlentleerung können für die junge Mutter, die sich vom Stress der Geburt erholt, ein Grund zur Sorge sein, insbesondere wenn bei ihr Dammrisse genäht wurden oder sie Hämorrhoiden entwickelt hat. Nachgeburtliche Verstopfung kann aufgrund eines übermäßigen Drucks auf die Mastdarmwand belastend sein und zu Unruhe und schmerzhaftem Stuhlgang führen, was die Lebensqualität der Mutter und des Neugeborenen beeinträchtigen kann.

Welche Evidenz fanden wir?

Wir suchten nach Studien bis zum 7. Oktober 2019. Wir fanden keine neuen Studien, die unsere Einschlusskriterien erfüllten, daher schlossen wir die ursprünglichen fünf Studien (an denen insgesamt 1208 Frauen teilgenommen hatten) in diese Aktualisierung ein. Insgesamt waren die Studien mangelhaft berichtet, und vier der fünf Studien waren vor mehr als 40 Jahren veröffentlicht worden. Vier Studien verglichen ein Abführmittel mit einem Placebo.

In zwei Studien wurden die Auswirkungen von Abführmitteln untersucht, bei denen inzwischen angenommen wird, dass sie für stillende Mütter schädlich sein könnten. Ein Medikament, Danthron, verursacht nachweislich Krebs bei Tieren, und das andere, Bisoxatinacetat, wird während der Stillzeit nicht mehr empfohlen. Deshalb haben wir die Ergebnisse dieser Studien nicht in unsere Hauptergebnisse aufgenommen.

In den Studien wurde nur die Zeit bis zum ersten Stuhlgang gemessen. Schmerzen, ein schmerzhafter Stuhlgang, die Inzidenz von Verstopfung oder Veränderungen der Lebensqualität wurden nicht untersucht. In einer Studie, die die Wirkungen von Sennes im Vergleich zu einem Placebo untersuchte, hatten mehr Frauen in der Abführmittelgruppe am Tag der Entbindung Stuhlgang, und weniger Frauen ihren ersten Stuhlgang an den Tagen 2 und 3, während die Ergebnisse zwischen den Gruppen an den Tagen 1 und 4 nach der Entbindung nicht schlüssig waren. Im Vergleich zu den Frauen in der Placebogruppe hatten mehr Frauen Bauchkrämpfe, und bei Neugeborenen, deren Mütter das Abführmittel erhielten, war die Wahrscheinlichkeit für weichen Stuhl oder Durchfall nicht größer. Die Evidenz für all diese Endpunkte ist weitgehend unsicher, da wir sehr ernsthafte Bedenken hinsichtlich des Risikos für Bias haben und die Ergebnisse alle auf einer kleinen Studie, basieren, die in einer einzigen Einrichtung in Südafrika durchgeführt wurde.

Eine Studie verglich die Gabe eines Abführmittels mit der Gabe desselben Abführmittels plus eines Mittels zum Erweichen des Stuhls (Flohsamenschalen) bei Frauen, bei denen ein während der vaginalen Geburt aufgetretener Dammriss dritten Grades (der die innere und äußere Analschließmuskelmuskulatur umfasst) genäht wurde. Die Studie berichtete von Schmerzen oder schmerzhaftem Stuhlgang. Es konnten aber keine klaren Unterschiede in den Schmerzskala-Werten zwischen den Gruppen gefunden werden. Die Studie berichtete, dass Frauen, denen ein Abführmittel und ein Mittel zum Erweichen des Stuhls verabreicht wurde, in der unmittelbaren nachgeburtlichen Phase häufiger an Stuhlinkontinenz litten. Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher. In der Studie wurden keine unerwünschten Wirkungen auf das Neugeborene berichtet.

Was bedeutet das?

Es gibt keine ausreichende Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Abführmitteln während der frühen nachgeburtlichen Phase. Daher sind keine allgemein gültigen Schlussfolgerungen über ihre Verwendung zur Vermeidung von Verstopfung möglich.

Wir konnten keine Studien ermitteln, die aufklärende Interventionen oder Verhaltensinterventionen wie eine ballaststoffreiche Ernährung oder Bewegung untersuchten. Zu diesem Thema sind groß angelegte, hochwertige Studien notwendig, insbesondere zu nicht-medizinischen Interventionen zur Vorbeugung von Verstopfung nach der Geburt, wie zum Beispiel Ernährungsberatung und körperliche Aktivität.

Übersetzung: 

S. Laquai, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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