Faktoren, die die Versorgung intrapartaler und postnataler Betreuung durch qualifizierte Geburtshelfer/-innen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen beeinflussen: eine qualitative Evidenzsynthese

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Viele Faktoren beeinflussen die Versorgung, die SBAs für Mütter während der Geburt leisten. Dazu gehören der Zugang zu Fortbildungen und Supervision. Weiterhin die Anzahl der Mitarbeitenden und die Arbeitsbelastung, sowie Gehälter, Lebensbedingungen und der Zugang zu gut ausgestatteten, gut organisierten Gesundheitseinrichtungen mit Wasser, Strom und Transportmitteln. Andere Faktoren, die eine Rolle spielen können, sind das Vorhandensein von Teamarbeit und von Vertrauen, sowie die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Gesundheitsfachkräften und den Müttern. Qualifizierte Geburtshelfer/-innen berichteten von vielen Problemen, die mit all diesen Faktoren verbunden waren.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

In vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen werden Frauen ermutigt, in Kliniken und Krankenhäusern zu gebären, damit sie von qualifizierten Geburtshelfern versorgt werden können. Ein/e ausgebildete/r qualifizierte/r Geburtshelferin (skilled birth attendant, SBA) gehört zur (Berufs-)Gruppe der Gesundheitsfachkräfte und ist beispielsweise eine Hebamme/ ein Entbindungspfleger, eine Ärztin/ein Arzt oder ein/e Gesundheits- und Krankenpfleger/-in, die in der Betreuung normaler Schwangerschaft und Geburt geschult sind. Er oder sie ist auch dafür ausgebildet, jegliche gesundheitliche Probleme, die für Mutter und Säugling entstehen, zu erkennen, sich darum zu kümmern und eine Weiterleitung zu veranlassen. Die Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen von SBAs und das Ausmaß, in dem sie in einem motivierenden Arbeitsumfeld arbeiten, wirken sich auf die Qualität der Versorgung aus. Wenn einer dieser Faktoren fehlt, werden Mütter und Babys wahrscheinlich suboptimal betreut.

Zielsetzungen: 

Die Ansichten, Erfahrungen und Verhaltensweisen qualifizierter Geburtshelfer/-innen und ihren Unterstützern zu erforschen, Faktoren zu identifizieren, die die Versorgung intrapartaler und postnataler Betreuung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen beeinflussen und zu untersuchen, inwieweit diese Faktoren in Interventionsstudien berücksichtigt wurden.

Suchstrategie: 

Unsere Suchstrategien legten Schlagworte- und Freitextbegriffe fest, die sich auf die perinatale Periode und den Gesundheitsdienstleister bezogen und verwendeten methodische Filter für qualitative Evidenzsynthesen sowie für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Wir suchten in MEDLINE, OvidSP (aufgerufen am 21. November 2016), Embase, OvidSP (aufgerufen am 28. November 2016), PsycINFO, OvidSP (aufgerufen am 30. November 2016), POPLINE, K4Health (aufgerufen am 30. November 2016), CINAHL, EBSCOhost (aufgerufen am 30. November 2016 ), ProQuest Dissertations and Theses (aufgerufen am 15. August 2013), Web of Science (aufgerufen am 1. Dezember 2016), World Health Organization Reproductive Health Library (aufgerufen am 16. August 2013) und World Health Organization Global Health Library for WHO databases (aufgerufen am 1. Dezember 2016).

Auswahlkriterien: 

Wir haben qualitative Studien eingeschlossen, die sich mit den Ansichten, Erfahrungen und Verhaltensweisen von SBAs und denjenigen befassten, die mit ihnen als Teil des Teams zusammenarbeiten. Wir haben Studien aus allen Ebenen der Gesundheitsversorgung in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen eingeschlossen.

Datensammlung und -analyse: 

Ein Review-Autor extrahierte Daten und bewertete die Qualität der Studien und ein weiterer Review-Autor überprüfte die Daten. Wir haben zur Aufbereitung der Daten den Best-Fit-Framework-Syntheseansatz angewendet und die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz mit dem GRADE-CERQual (Confidence in the Evidence from Reviews of Qualitative research) Ansatz bewertet. Wir verwendeten einen Matrix-Ansatz, um zu untersuchen, ob die Faktoren, die von Gesundheitsfachkräften in unserer Synthese als wichtig für die Versorgung in der Geburtshilfe erachtet wurden, sich in den Interventionen wiederfinden, die in den Studien in einem entsprechenden Interventionsreview bewertet wurden.

Hauptergebnisse: 

Wir schlossen 31 Studien ein, die die Ansichten und Erfahrungen verschiedener (Berufs-)Gruppen von SBAs untersuchten, darunter Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Entbindungspfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen, Hilfspfleger/-innen und deren Vorgesetzte. Die eingeschlossenen Studien wurden in Afrika, Asien und Lateinamerika durchgeführt.

Unsere Synthese wies auf eine Reihe von Faktoren hin, welche die Qualität der Betreuung durch SBAs beeinflussen. Die folgenden Faktoren wurden auf der Grundlage von Evidenz, die als moderat bis hoch vertrauenswürdig bewertet wurde, ermittelt. Qualifizierte Geburtshelfer/-innen berichteten, dass sie während ihrer Ausbildung oder nach Beginn ihrer klinischen Arbeit nicht immer ausreichend aus- oder weitergebildet wurden. Auch kann eine unzureichende personelle Besetzung der Einrichtungen die Arbeitsbelastung von qualifizierten Geburtshelfer/-innen erhöhen, die Supervision erschweren und dazu führen, dass Müttern eine schlechtere Betreuung angeboten wird. Darüber hinaus waren die SBAs nicht immer davon überzeugt, dass ihre Gehälter und Sozialleistungen ihren Aufgaben und Verantwortlichkeiten sowie den damit verbundenen persönlichen Risiken angemessen sind. Zusammen mit schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen, wurden diese Aspekte als den Stress erhöhend und das Familienleben negativ beeinflussend angesehen. Einige SBAs hatten auch das Gefühl, dass den Vorgesetzten Kapazitäten und Fähigkeiten fehlten. Außerdem fühlten sie sich nicht unterstützt, wenn ihre Bedenken am Arbeitsplatz nicht beachtet wurden.

Mögliche Ursachen für Personalmangel in Einrichtungen waren unter anderem Probleme bei der Einstellung und Zuordnung von Gesundheitsfachkräften zu den Einrichtungen, in denen sie gebraucht wurden, fehlende finanzielle Mittel, schlechtes Management und bürokratische Systeme sowie niedrige Gehälter. Qualifizierte Geburtshelfer/-innen und ihre Vorgesetzten schlugen Maßnahmen vor, die dazu beitragen könnten, Gesundheitsfachkräfte zu rekrutieren, zu halten und zu motivieren und die Qualität der Versorgung zu verbessern; dazu gehörten die Bereitstellung von qualitativ hochwertigem Wohnraum, Bezahlung von Überstunden, bezahlter Urlaub, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine angemessene Beurteilung und Vergütung ihrer Arbeit.

Die Fähigkeit qualifizierter Geburtshelfer/-innen, eine qualitativ hochwertige Betreuung zu gewährleisten, wurde auch durch den Mangel an Ausstattung, Material und Medikamenten eingeschränkt. Weiterhin minderten das Fehlen von Blutkonserven und die Infrastruktur für Bluttransfusionen, der Mangel an Strom- und Wasserversorgung und ausreichendem Platz und Ausstattung auf den Entbindungsstationen die Versorgungsqualität. Diese Faktoren reduzierten die Moral der SBAs, erhöhten die Arbeitsbelastung, das Infektionsrisiko und minderten die Effizienz ihrer Arbeit. Ein Mangel an Transportmitteln erschwerte es den SBAs manchmal, Frauen in Kliniken mit einem höheren Versorgungsniveau zu verlegen. Darüber hinaus könnte die negative Wahrnehmung des Gesundheitssystems durch die Frauen dazu führen, dass sie zögern, eine Verlegung zu akzeptieren.

Wir identifizierten einige weitere Faktoren, die sich auch auf die Qualität der Versorgung auswirkt haben könnten, welche auf Ergebnissen von niedriger oder sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit beruhen. Schlechte Teamarbeit und ein Mangel an Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachkräften, schienen die Versorgung negativ zu beeinflussen. Im Gegensatz dazu schien eine gute Zusammenarbeit und Teamarbeit die Motivation der qualifizierten Geburtshelfer/-innen, die Entscheidungsfähigkeit und die Qualität der Versorgung zu erhöhen. Die Arbeitsbelastung der qualifizierten Geburtshelfer/-innen und der Personalmangel beeinflussten ihren Austausch mit den Müttern. Außerdem schwächte eine schlechte Kommunikation das Vertrauen zwischen den qualifizierten Geburtshelfer/-innen und den Müttern.

Übersetzung: 

M. Michel-Schuldt, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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