Dosiseskalation bei Bestrahlung maligner Gliome

Hintergrund:
Hochgradige Gliome (HGG) sind rasch wachsende Gehirntumore in den Stützzellen des Nervensystems, die in mehrere Subtypen wie Glioblastome (Grad IV Astrozytom), anaplastische Astrozytome (Grad III) und anaplastische Oligodendrogliome (Grad III) unterteilt werden können. In Europa und Nordamerika sind jährlich rund 5 von 100.000 Personen betroffen. Eine Reihe von Studien hat untersucht, was die beste Strategie zur Bestrahlung von Patienten mit HGG ist, weshalb es erforderlich ist, sich mit diesen Studien näher auseinanderzusetzen. Aus Gründen der schädigenden Wirkung (Toxizität) wird die vollständige Bestrahlung nicht innerhalb eines Tages durchgeführt. Um Toxizität und Tumorkontrolle auszugleichen, wird die Bestrahlung in kleineren Dosen über mehrere Tage hinweg vorgenommen.

Konventionelle Strahlentherapie umfasst die Gabe einer täglichen Bestrahlungsdosis von 180 bis 200 cGy. Hypofraktionierte Bestrahlung bedient sich einer höheren Tagesdosis (> 200 cGy pro Tag), was typischerweise die Gesamtzahl an Bestrahlungsfraktionen und daher die gesamte Behandlungsdauer vermindert.

Hyperfraktionierte Bestrahlung bedient sich einer geringeren Tagesdosis (< 180 cGy pro Tag), einer höheren Anzahl an Bestrahlungsfraktionen und der Gabe mehrerer Fraktionen pro Tag, um eine Gesamtdosis erzielen zu können, die mindestens äquivalent zu der der täglichen konventionell fraktionierten äußerlichen Bestrahlung über die gleiche Zeit ist. Dieser Ansatz soll versuchen, das Potential späterer Toxizität zu vermindern.

Beschleunigte Strahlentherapie bedient sich der Gabe mehrerer Fraktionen pro Tag, welche in der Tagesdosis jener der täglichen konventionell fraktionierten äußerlichen Radiotherapie entsprechen. Das soll dazu dienen, die gesamte Behandlungsdauer zu verkürzen; typischerweise werden zwei oder drei Fraktionen pro Tag im Abstand von sechs bis acht Stunden verabreicht.

Das Ziel dieses Reviews:
Die Wirksamkeit und Sicherheit der Dosiseskalation in der äußerlichen Bestrahlung von Patienten mit HGG zu untersuchen.

Was sind die wesentlichen Ergebnisse?
Wir haben 11 Studien, die unsere Kriterien erfüllten, mit insgesamt 1537 Teilnehmern in den für diesen Review relevanten Studienarmen gefunden. Patienten mit einer allgemeinen schlechten Prognose wurden aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht in die randomisierten Studien aufgenommen. Es gab einen Vorteil im Gesamtüberleben der Patienten mit HGG, welche postoperative konventionelle Radiotherapie erhalten hatten, im Vergleich zu jenen Teilnehmern, die nach der Operation supportive Behandlung erhielten. Hypofraktionierte Strahlentherapie hat im Vergleich zur konventionellen Strahlentherapie eine ähnliche Wirkung auf das Überleben, vor allem für Glioblastom-Patienten, die 60 Jahre oder älter sind. Es gab keine eindeutigen Unterschiede bei den Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen) zwischen diesen verschiedenen Behandlungsgruppen. Die Datenlage betreffend der anderen Endpunkte ist in Fragen des progressionsfreien Überlebens sowie der Lebensqualität zwischen diesen verschiedenen Behandlungsgruppen unzureichend.

Ebenfalls unzureichend ist die Datenlage bezüglich der Endpunkte Überleben, unerwünschte Wirkungen, progressionsfreies Überleben und der Lebensqualität von hyperfraktioniert bestrahlten Patienten im Vergleich zu jenen mit konventioneller Fraktionierung, sowie Patienten mit beschleunigter Bestrahlung, im Vergleich zur konventionellen Fraktionierung.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz reichte von sehr niedrig bis hoch. Einige der Studien unterlagen einem höheren Risiko für Bias, aufgrund von fehlenden Angaben darüber, wie die Zuteilung der Teilnehmer in die Behandlungsgruppen vorgenommen wurde und wie viele Patienten in der Nachbeobachtung ausschieden. Möglicherweise wurden auch Endpunkte wie unerwünschte Wirkungen selektiv berichtet.

Nur 5 der 11 eingeschlossen Studien wurden nach dem Jahr 2000 veröffentlicht. Die Mehrheit der in die Meta-Analyse eingeschlossen Studien wurde noch vor dem Jahr 2000 veröffentlicht und ist daher veraltet. Diese älteren Studien haben nicht zwischen den verschiedenen Subtypen des HGG unterschieden und verwendeten eher veraltete Bestrahlungstechniken wie Ganzhirnbestrahlung anstatt lokaler Radiotherapie, die nur auf den Tumor abzielt und nicht das gesamte Gehirn bestrahlt.

Was sind die Schlussfolgerungen?
Postoperative konventionelle tägliche Strahlentherapie verbessert das Überleben von Erwachsenen mit gutem Allgemeinzustand und HGG im Vergleich zu keiner postoperativen Bestrahlung.

Hypofraktionierte Strahlentherapie hat im Vergleich zur konventionellen Strahlentherapie eine ähnliche Wirkung auf das Überleben, vor allem für Glioblastom-Patienten, die 60 Jahre oder älter sind.

Übersetzung: 

M. Seel, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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