Dosiseskalation bei Bestrahlung maligner (bösartiger) Gliome

Hintergrund
Dies ist eine aktualisierte Fassung des ursprünglichen Cochrane Reviews, der in der Ausgabe 8, 2016 veröffentlicht wurde. Hochgradige Gliome sind rasch wachsende Gehirntumore (Krebs) in den Stützzellen des Nervensystems, die in mehrere Subtypen wie Glioblastome (Grad IV Astrozytom), anaplastische Astrozytome (Grad III) und anaplastische Oligodendrogliome (Grad III) unterteilt werden können. In Europa und Nordamerika sind jährlich rund 5 von 100.000 Personen betroffen. In einer Reihe von Studien wurde die beste Strategie zur Bestrahlung von Menschen mit hochgradigem Gliom untersucht. Dieser Review untersucht diese Studien, um zu sehen, was sie herausgefunden haben. Aus Gründen der schädigenden Wirkung (Toxizität) wird die vollständige Bestrahlung nicht innerhalb eines Tages durchgeführt. Um Toxizität und Tumorkontrolle auszugleichen, wird die Bestrahlung in kleineren Dosen über mehrere Tage hinweg vorgenommen.

Bei der konventionellen Strahlentherapie wird eine Strahlendosis (genannt Fraktion) von 180 cGy bis 200cGy pro Tag verabreicht. Hypofraktionierte Strahlentherapie bezieht sich auf die Verwendung einer höheren täglichen Strahlendosis (mehr als 200 cGy pro Tag), was typischerweise die Gesamtzahl der Fraktionen und daher die gesamte Behandlungsdauer reduziert.

Hyperfraktionierte Strahlentherapie bezieht sich auf die Verwendung einer geringeren täglichen Strahlendosis (weniger als 180 cGy pro Tag), einer höheren Anzahl von Fraktionen und der Gabe mehrerer Fraktionen pro Tag, um eine Gesamtdosis erzielen zu können, die mindestens äquivalent zu der täglichen konventionell fraktionierten äußerlichen Bestrahlung (Strahl von außerhalb des Körpers) im gleichen Zeitrahmen ist. Das Ziel dieses Ansatzes ist es, das Potenzial für späte Toxizität zu verringern. Dies ist eine Nebenwirkung, die mehr als 3 Monate nach Abschluss der Behandlung auftritt.

Beschleunigte Strahlentherapie (Dosiseskalation) bezieht sich auf die Verabreichung mehrerer Fraktionen pro Tag unter Verwendung täglicher Strahlendosen, die mit den täglichen konventionell fraktionierten Strahlendosen der externen Strahlentherapie übereinstimmen. Das soll dazu dienen, die gesamte Behandlungsdauer zu verkürzen; typischerweise werden zwei oder drei Fraktionen pro Tag im Abstand von sechs bis acht Stunden verabreicht.

Das Ziel des Reviews
Die Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit der Dosiseskalation in der äußerlichen Bestrahlung (höhere Strahlendosen) bei Personen, bei denen hochgradiges Gliom neu diagnostiziert wurde.

Was sind die wesentlichen Ergebnisse?
Wir fanden 11 Studien (1537 Teilnehmer in den für diesen Review relevanten Behandlungsgruppen). Patienten mit einer allgemein schlechten Prognose (Wahrscheinlichkeit der Genesung) wurden aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands nicht in die klinischen Studien aufgenommen. Es gab einen Vorteil im Gesamtüberleben der Personen mit hichgradigem Gliom, welche postoperative (nach der Operation zur teilweisen oder vollständigen Entfernung des Tumors) konventionelle Strahlentherapie erhielten, im Vergleich zu den Teilnehmern, die nach der Operation eine unterstützende Betreuung erhielten. Hypofraktionierte Strahlentherapie hat, verglichen mit der konventionellen Strahlentherapie eine ähnliche Wirksamkeit bezüglich Überleben, vor allem bei Patienten mit Glioblastom, die 60 Jahre oder älter sind. Es gab keine eindeutigen Unterschiede bei den Nebenwirkungen zwischen diesen verschiedenen Behandlungsgruppen. Die Datenlage ist bezüglich der anderen Endpunkte, nämlich dem progressionsfreien Überleben (Überleben ohne Verschlechterung der Krebserkrankung) sowie der Lebensqualität zwischen diesen verschiedenen Behandlungsgruppen, unzureichend.

Ebenfalls unzureichend ist die Datenlage bezüglich der Endpunkte Überleben, Nebenwirkungen, progressionsfreies Überleben und Lebensqualität bei hyperfraktionierter im Vergleich zu konventionell fraktionierter Strahlung, sowie bei beschleunigter Bestrahlung im Vergleich zur konventionellen Fraktionierung.

Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz reichte von sehr niedrig bis hoch. Einige der Studien unterlagen einem höheren Risiko für Bias, aufgrund fehlender Angaben darüber, wie die Zuteilung der Teilnehmer in die Behandlungsgruppen vorgenommen wurde und wie viele Patienten in der Nachbeobachtung (Nachsorge) ausschieden. Möglicherweise wurde auch über Endpunkte wie Nebenwirkungen selektiv berichtet.

Nur fünf der 11 eingeschlossenen Studien wurden nach dem Jahr 2000 veröffentlicht. Die meisten der in die Analyse eingeschlossenen Studien wurden vor dem Jahr 2000 veröffentlicht und gelten heute als veraltet. Diese älteren Studien haben nicht zwischen den verschiedenen Subtypen des hochgradigen Glioms unterschieden und verwendeten veraltete Bestrahlungstechniken wie Ganzhirnbestrahlung anstatt lokaler Strahlentherapie, die nur auf den Tumor abzielt und nicht das gesamte Gehirn bestrahlt.

Was sind die Schlussfolgerungen?
Postoperative konventionelle tägliche Strahlentherapie verbessert das Überleben von Erwachsenen mit gutem Allgemeinzustand und hochgradigem Gliom im Vergleich zu keiner postoperativen Strahlentherapie. Hypofraktionierte Strahlentherapie hat im Vergleich zur konventionellen Strahlentherapie eine ähnliche Wirksamkeit bezüglich Überleben, vor allem für Patienten mit Glioblastom, die 60 Jahre oder älter sind. Seit der letzten Fassung dieses Reviews im Jahr 2016, haben wir keine neuen relevanten Studien zur Aufnahme gefunden.

Übersetzung: 

M. Davia, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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