Magnesium zur Behandlung von Sichelzellanämie

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Fragestellung

Wir untersuchten die Evidenz zur Wirkung von intravenös verabreichtem (in die Vene injiziert) und oral, also durch den Mund eingenommenem, Magnesium auf die Häufigkeit von Schmerzkrisen (Sichelzellenkrisen mit schweren Schmerzen aufgrund von unterbrochener Blutversorgung der Knochen, Gelenke, Lungen, Leber, Milz, Niere, Augen oder des zentralen Nervensystems), auf die Dauer des Krankenhausaufenthalts und auf die Lebensqualität bei Personen mit unterschiedlichen Formen der Sichelzellanämie.

Hintergrund

Sichelzellanämie ist eine relativ häufige, vererbbare Bluterkrankung. Die Symptome umfassen rapide einsetzende Schmerzkrisen, die zu erhöhten Raten in Krankenhauseinweisungen führen. Die vermutete Ursache ist, dass verformte, sichelförmige rote Blutkörperchen die Blutgefäße reizen und diese blockieren, was zu Vaso-okklusiven Krisen führt. Die Gefäßfunktionen bei Personen mit Sichelzellanämie sind beeinträchtigt. Es ist bekannt, dass Magnesium die Blutgefäße weiten kann und, wenn es regelmäßig eingenommen wird, es die Flüssigkeitsmenge in den roten Blutkörperchen verbessert und hilft, dass sie ihre Form nicht weiter verändern. Intravenöses Magnesium kann nach der Einnahme milde bis moderate Nebenwirkungen verursachen, wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, Hitzewallungen, niedrigen Blutdruck, etc.. Oral eingenommenes Magnesium kann milde Nebenwirkungen verursachen, wie z.B. Durchfall und Krämpfe im Unterbauch. Wir wollten herausfinden, ob kurzzeit intravenöses Magnesium und langzeit orales Magnesium besser als ein Placebo (Scheinmedikament ohne Magnesium) oder besser als keine Magnesiumbehandlung sind, um Schmerzkrisen zu reduzieren, die Krankenhausverweildauer zu verkürzen und die Lebensqualität zu verbessern. Interessiert waren wir auch an Nebenwirkungen der Behandlung mit Magnesium und einigen Blutuntersuchungen.

Datum der Suche

Die Evidenz ist ist auf dem Stand vom 1. Dezember 2016.

Studienmerkmale

Der Review schließt fünf Studien mit insgesamt 386 Personen, im Alter von vier bis 53 Jahren, mit Sichelzellerkrankung ein.Zwei Studien (306 Personen) verglichen bei Personen, die als Notfall aufgrund von Schmerzen ins Krankenhaus eingewiesen wurden, intravenös verabreichtes Magnesium mit einem Placebo (in dieser Studie eine Kochsalzlösung (salziges Wasser)). Die Behandlung dauerte den gesamten Aufenthalt an (weniger als vier Wochen). Zwei der drei langzeit-Studien verglichen oral eingenommenes Magnesiumpidolat mit einem Placebo. Die dritte Studie verglich Hydroxyurea und Magnesiumpidolate sowohl miteinander als auch mit Placebo (wobei nur die Ergebnisse des Vergleichs von Magnesiumpidolat mit Placebo berücksichtigt wurden).

Hauptergebnisse

Nicht alle Studien berichtet die für uns relevanten Endpunkte und aus den meisten Studien konnten wir keine Daten in die Analyse einbeziehen. Wir haben herausgefunden, dass bei den Personen, die als Notfall ins Krankenhaus eingewiesen wurden, intravenös verabreichtes Magnesium nicht das Schmerzlevel reduzierte oder die Verweildauer verkürzte und nicht die Lebensqualität verbessert hat, verglichen mit einem Placebo. Es haben mehr Personen Wärme an der Einstichstelle der Nadel empfunden, die Magnesium erhielten als diejenigen, die ein Placebo injiziert bekamen.

Über einen längeren Zeitraum oral eingenommene Magnesiumpidolate konnten nicht die Schwere der Schmerzphasen reduzieren und hatten keine messbare Wirkung auf den Anteil an sichelförmigen roten Blutkörperchen (z.B. Magnesiumlevel im Blut). Oral eingenommenes Magnesium scheint sicher und gut verträglich und zeigt nur milde Nebenwirkungen (Durchfall und Kopfschmerzen). Weitere Forschung ist nötig, um den kurzfristigen und langfristigen Nutzen der Magnesiumbehandlung und deren Nebenwirkungen zu vergleichen.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz bezüglich intravenösem Magnesium und oralem Magnesium bei der Behandlung von Sichelzellanämie war moderat bezogen auf Schmerzen, bei kurzzeitig intravenös gegebenem Magnesium sowie bezogen auf das Magnesiumlevel im Blut, bei oral eingenommenen Magnesium über einen längeren Zeitraum. Die Qualität der Evidenz war niedrig für alle anderen gemessenen Endpunkte. Alle eingeschlossenen Studien bezüglich oral oder intravenös verabreichtem Magnesium zur Behandlung von Sichelzellanämie zeigten einige Aspekte, die die Verlässlichkeit der Ergebnisse einschränkten. Entsprechend sind wir unsicher bezüglich dieser Ergebnisse und weitere Forschung könnte Evidenz beinhalten, die unsere Schlussfolgerungen verändern können.

Übersetzung: 

I. Nolle, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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