Entzündungshemmende Arzneimittel zur Linderung von Dammschmerzen nach der Geburt

Worum geht es?

Nach der Geburt haben viele Frauen Schmerzen im Dammbereich, der Region zwischen Anus und Vagina. In diesem Cochrane-Review wollten wir untersuchen, ob diese Schmerzen durch eine Dosis eines nicht-steroiden entzündungshemmenden Arzneimittels (non-steroidal anti-inflammatory drug, NSAID) wie Aspirin oder Ibuprofen verringert werden können.

Warum ist das wichtig?

Der Schmerz, den manche Frauen nach der Geburt im Damm verspüren, kann besonders intensiv sein, wenn das Dammgewebe unter der Geburt reißt oder eingeschnitten werden muss (dieses Verfahren wird Dammschnitt genannt). Selbst Frauen ohne Riss oder Schnitt haben häufig in gewissem Umfang Dammbeschwerden, die ihre Beweglichkeit sowie ihre Fähigkeit, für das Neugeborene zu sorgen, beeinträchtigen kann. Dieser Review gehört zu einer Reihe von Reviews zur Wirksamkeit verschiedener Arzneimittel zur Schmerzlinderung bei Dammschmerzen direkt nach der Geburt. Er beschäftigt sich speziell mit nicht-steroiden entzündungshemmenden Arzneimitteln wie Aspirin und Ibuprofen.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Wir fanden 28 Studien mit 4181 Frauen, die 13 unterschiedliche nicht-steroide entzündungshemmende Arzneimittel (Aspirin, Ibuprofen etc.) untersuchten. Wir schlossen Studien bis zum 31. März 2016 ein. Die Studien, die wir fanden, schlossen nur Frauen ein, die eine Verletzung des Damms erlitten hatten und nicht stillten. Die Studien wurden zwischen 1967 und 2013 durchgeführt, waren klein und nicht von hoher Qualität.

Die Studien zeigten, dass eine Einzeldosis eines nicht-steroiden entzündungshemmenden Arzneimittels entweder vier Stunden (Evidenz niedriger Qualität) oder sechs Stunden (Evidenz sehr niedriger Qualität) nach der Verabreichung im Vergleich mit einem Placebo (Scheinmedikament) oder keiner Behandlung bei nicht stillenden Frauen, die während der Geburt eine Dammverletzung erlitten hatten, eine stärkere Schmerzlinderung bewirkte. Frauen, die eine Einzeldosis eines nicht-steroiden entzündungshemmenden Arzneimittels erhielten, brauchten außerdem vier Stunden (Evidenz niedriger Qualität) oder sechs Stunden (Evidenz niedriger Qualität) nach der ersten Verabreichung mit geringerer Wahrscheinlichkeit zusätzliche Schmerzlinderung als Frauen, die ein Placebo oder keine Behandlung erhalten hatten. Nicht alle Studien bewerteten unerwünschte Wirkungen der Maßnahme, aber einige Studien berichteten von unerwünschten Wirkungen bei der Mutter wie Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwäche, Übelkeit und Magenbeschwerden; es gab jedoch keinen deutlichen Unterschied im Auftreten von unerwünschten Wirkungen bei der Mutter zwischen den Gruppen sechs Stunden nach Verabreichung (Evidenz sehr niedriger Qualität). Eine kleine Studie berichtete, dass es bei den Müttern vier Stunden nach der Verabreichung keine unerwünschten Wirkungen gab (Evidenz niedriger Qualität). Keine der Studien bestimmte mögliche unerwünschte Wirkungen auf das Kind.

Ein nicht-steroides entzündungshemmendes Arzneimittel schien vier (aber nicht sechs) Stunden nach der Verabreichung den Schmerz auch besser zu lindern als Paracetamol, jedoch zogen nur drei kleine Studien diesen Vergleich. Frauen, die eine Einzeldosis eines nicht-steroiden entzündungshemmenden Arzneimittels erhielten, brauchten außerdem sechs (aber nicht vier) Stunden nach der Verabreichung mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine zusätzliche Schmerzlinderung als Frauen, die Paracetamol erhielten. Vier Stunden nach Verabreichung wurden keine unerwünschten Wirkungen auf mütterlicher Seite beobachtet (eine kleine Studie). Drei kleine Studien berichteten von unerwünschten Wirkungen bei den Müttern sechs Stunden nach Verabreichung, jedoch gab es zwischen den Behandlungsgruppen keine eindeutigen Unterschiede. Von unerwünschten Wirkungen auf das Neugeborene wurden in keiner der eingeschlossenen Studien berichtet und alle Studien schlossen Frauen aus, die stillten.

Vergleiche verschiedener nicht-steroider entzündungshemmender Arzneimittel und verschiedener Dosen desselben nicht-steroiden entzündungshemmenden Arzneimittels zeigten keine eindeutigen Unterschiede in ihrer Wirksamkeit bei den wichtigsten Endpunkten, die in diesem Review untersucht wurden. Für einige nicht-steroide entzündungshemmende Arzneimittel standen jedoch wenige Daten zur Verfügung.

Keine der eingeschlossenen Studien berichtete über einen der sekundären Endpunkte wie verlängerter Krankenhausaufenthalt oder Wiederaufnahme ins Krankenhaus aufgrund von Dammschmerzen, Stillen, Dammschmerzen sechs Wochen nach der Geburt, Einstellung der Frauen, postpartale Depression oder Ausmaß der Einschränkung durch Dammschmerzen.

Was bedeutet das?

Für Frauen, die nicht stillen, kann eine Einzeldosis eines nicht-steroiden entzündungshemmenden Arzneimittels bei Dammschmerzen nach vier und nach sechs Stunden helfen. Paracetamol könnte ähnlich hilfreich sein. Es wurde von keinen schweren Nebenwirkungen berichtet, jedoch untersuchten dies nicht alle Studien. Für stillende Frauen liegen keine Daten vor; diese Frauen sollten ärztlichen Rat einholen, da einige nicht-steroide entzündungshemmende Arzneimittel nicht für stillende Frauen empfohlen werden.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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