Eine optimierte, durch die elektrische Hirnaktivität geführte Anästhesietiefe zum Schutz vor postoperativem Delir und kognitiver Dysfunktion bei Erwachsenen

Fragestellung

Wir wollten untersuchen, inwiefern die Beobachtung der elektrischen Hirnaktivität zur gezielten Dosierung von Narkosemitteln das Risiko eines postoperativen Delirs und einer kognitiven Dysfunktion bei Erwachsenen mindern kann, bei denen für einen nicht-kardialen oder nicht-neurochirurgischen Eingriff eine Allgemeinnarkose (Vollnarkose) vorgenommen wird.

Hintergrund

Ein postoperatives Delir ist ein Zustand der Geistesverwirrtheit, der einige Tage nach einer Operation auftritt. Es umfasst einen schwankenden Verlauf der Geistesverwirrtheit und planlosen Verhaltens. Bei einer postoperativen kognitiven Dysfunktion handelt es sich um eine Abnahme der Fähigkeit der Person, nach einer Operation klar zu denken. Dieser Zustand kann Wochen bzw. Monate andauern. Eine postoperative kognitive Dysfunktion kann die Konzentrationsfähigkeit, die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und die Bewegungsgeschwindigkeit sowie die geistige Reaktionsfähigkeit einer Person beeinträchtigen. Postoperatives Delir oder postoperative kognitive Dysfunktion können die Qualität der Genesung einer Person von der Narkose erschweren und ihre Lebensqualität nach der Operation mindern.

Verarbeitete Elektroenzephalogramm- (EEG-) Monitore generieren nummerische Werte der elektrischen Hirnaktivität. Die Werte geben Auskunft über die Anästhesietiefe während des Eingriffs und dienen als Basis für eine gezielte Dosierung des verabreichten Narkosemittels. So wird verhindert, dass der Patient eine zu geringe oder zu hohe Dosis des Narkosemittels erhält.

Datum der Suche

Die Evidenz ist auf dem Stand vom März 2017. Wir fanden sechs abgeschlossene Studien, fünf laufende Studien, und eine, die noch klassifiziert werden muss.

Studienmerkmale

Bei allen sechs abgeschlossenen Studien handelte es sich um randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), die an 2.929 männlichen und weiblichen Teilnehmern durchgeführt wurden, bei denen ein chirurgischer Eingriff vorgenommen wurde, und die 60 Jahre und älter waren. Eine RCT ist eine Studie, deren Ziel es ist, das Risiko für Bias beim Testen einer neuen Behandlung zu vermindern. Die an der Studie teilnehmenden Personen werden nach dem Zufallsprinzip entweder der Gruppe zugewiesen, die die zu prüfende Behandlung erhält, oder der Gruppe, die die Standardbehandlung (oder eine Behandlung mit einem Placebo) als Kontrolle erhält. RCTs bieten die zuverlässigste Evidenz.

Hauptergebnisse

Die Ergebnisse dreier Studien (2.529 Teilnehmer) weisen darauf hin, dass der Einsatz eines verarbeiteten EEGs für eine optimale Anästhesietiefe die Inzidenz für ein postoperatives Delir von 21,3 % auf 15,2 % vermindern könnte. Die Ergebnisse dreier Studien (2.051 Teilnehmer) weisen darauf hin, dass dies auch die Inzidenz für postoperative kognitive Dysfunktion nach drei Monaten von 9,1 % auf 6,4 % vermindern könnte.

Qualität der Evidenz

Unser Review bietet Evidenz von moderater Qualität dafür, dass eine durch verarbeitete EEG-Werte geführte Anästhesie das Risiko für ein postoperatives Delir bei Patienten im Alter von 60 Jahren und älter vermindern kann, bei denen ein nicht-kardialer oder nicht-neurochirurgischer Eingriff vorgenommen wird. Wir fanden Evidenz von moderater Qualität dafür, dass eine postoperative kognitive Dysfunktion nach drei Monaten bei diesen Teilnehmern vermindert werden konnte. Es liegt keine ausreichende Evidenz für die Wirkung auf postoperative kognitive Dysfunktion nach einer Woche oder über ein Jahr nach der Operation bei jüngeren Patienten vor.

Übersetzung: 

B. Fiess, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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