Interventionen via Mobiltelefon, um den Einsatz von Familienplanung bzw. Verhütungsmitteln zu unterstützen

Empfängnisverhütung (Methoden oder Mittel zur Verhütung einer Schwangerschaft) hat erhebliche Vorteile für die Gesundheit von Frauen und Kindern. Trotz dieser Vorteile benutzten im Jahr 2014 geschätzte 225 Millionen Frauen in Entwicklungsländern, die eine Schwangerschaft vermeiden wollten, keine modernen Verhütungsmethoden. Die rasche Verbreitung von Mobiltelefonen in den letzten Jahren macht diese für die Gesundheitsversorgung interessant. Denn sie bieten die Möglichkeit, Versorgungsleistungen unabhängig von Ort und Zeit zu erbringen und Bevölkerungschichten zu erreichen, die sonst nur einen eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsdiensten haben. Mobiltelefon-basierte Interventionen haben ihre Wirksamkeit in anderen Bereichen des Gesundheitswesens bereits bewiesen, jedoch noch nicht auf dem Gebiet der Empfängnisverhütung.

2014 wurde in elektronische Datenbanken nach randomisierten Studien gesucht, die untersuchten, ob sich mobiltelefon-basierte Interventionen positiv auf die Anwendung von Verhütungsmitteln auswirken. Wir fanden fünf Studien. In drei Studien wurden Textnachrichten verwendet, die Frauen dabei unterstützen sollten, eine bestimmte Art der Verhütung weiter zu benutzen. Zwei Studien zielten darauf ab, die Bereitschaft zu vergrössern, Verhütungsmittel neu bzw. weiter zu nehmen. Dabei verwendete eine Studie Sprach- und die andere Textnachrichten. Der Review zeigt eine eingeschränkte Evidenz dafür, dass sich Interventionen via Mobiltelefon positiv auf die Verwendung von Verhütungsmitteln auswirken. In einer Studie aus den USA wurde berichtet, dass Frauen nach einer Intervention mit einer Reihe von Textnachrichten aufklärenden Inhalts die Pille mit grösserer Wahrscheinlichkeit weiter nahmen. Eine Studie in Kambodscha berichtete über eine vermehrte Anwendung von Verhütungsmitteln vier Monate nach einer Abtreibung durch eine Intervention mit Sprachnachrichten und Telefonberatung. Eine andere Studie in den USA berichtete über ein erhöhtes Wahrnehmen von Erstterminen für empfängnisverhütende Spritzen (jedoch nicht von Folgeterminen) durch eine Intervention mit Erinnerungs-Nachrichten und Textnachrichten für ein gesundes Selbstmanagement. Durch einfache Textnachrichten, die an die Einnahme der Pille erinnern, hat sich in einer kleinen Studie in den USA die Anzahl der vergessenen Pilleneinnahmen nicht verringert. Unter Benutzerinnen von Isotretinoin (Medikament zur Behandlung von Akne) wurde kein Unterschied nach einer Intervention festgestellt, bei der Gesundheitsinformationen per Textnachrichten und E-Mail versandt wurden .

Zusammengefasst besteht Evidenz dafür, dass eine Reihe von Sprachnachrichten und die Unterstützung durch einen Berater die Benutzung von Verhütungsmitteln bei Frauen verbessern kann, die nach einer Abtreibung nicht wieder schwanger werden wollen. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass tägliche Textnachrichten aufklärerischen Inhalts die fortgesetzte Einnahme der Pille unterstützen können. Die Kosten und die langfristige Alltagswirksamkeit dieser Interventionen sind jedoch unbekannt. Es sind weitere qualitativ hochwertige Studien erforderlich, um die Wirksamkeit von Interventionen via Mobiltelefon für eine vermehrte Anwendung von Verhütungsmethoden zu bestimmen.

Übersetzung: 

Freigegeben durch Cochrane Schweiz

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