Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen bei Krebserkrankten

Hintergrund
Depressive Phasen treten bei Menschen, die an Krebs leiden, häufig auf. Oftmals sind depressive Symptome eine normale Reaktion oder eine direkte Wirkung dieser schweren und lebensbedrohlichen Krankheit. Dadurch ist es nicht einfach zu bestimmen, wann depressive Symptome den Charakter einer handfesten Erkrankung annehmen und mit Medikamenten behandelt werden müssen. Aus der aktuellen wissenschaftlichen Literatur geht hervor, dass selbst leichte depressive Symptome einen bedeutenden Einfluss auf den Verlauf der Krebserkrankung, die Lebensqualität der Betroffenen und die Einhaltung der Krebsbehandlung durch die Patienten haben können. Depressive Symptome könnten sogar das Sterberisiko erhöhen.

Ziel des Reviews
Ein möglicher nutzbringender Einfluss von Antidepressiva bei erwachsenen Krebspatienten (18 Jahre und älter) sollte unbedingt untersucht werden. Das Ziel dieses Reviews ist die Beurteilung der Wirksamkeit und Akzeptanz von Antidepressiva zur Behandlung von depressiven Symptomen bei Patienten mit Krebs aller Arten und in jedem Stadium.

Was sind die wesentlichen Ergebnisse?
Wir überprüften systematisch zehn Studien, welche die Wirkung von Antidepressiva bei insgesamt 885 Teilnehmern untersuchten. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 3. Juli 2017. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl in den Studien und Problemen in der Berichterstattung zur Studiendurchführung lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob Antidepressiva depressive Symptome nach einer sechs- bis zwölfwöchigen Behandlung besser als Placebo verringern. Die Evidenz zur Frage, wie gut Antidepressiva im Vergleich zu Placebo vertragen wurden, war nicht ausreichend. Unsere Ergebnisse konnten auch nicht zeigen, ob ein bestimmtes Antidepressivum im Hinblick auf dessen Nutzen oder Schaden eine größere Wirkung aufwies als die anderen. Als bessere Grundlage für die klinische Praxis brauchen wir große Studien, in denen die Teilnehmer zufällig unterschiedlichen Behandlungen zugeordnet werden. Zurzeit können wir keine zuverlässigen Schlussfolgerungen zur Wirkung von Antidepressiva auf Depressionen bei Krebspatienten ziehen.

Vertrauenswürdigkeit der Evidenz
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war aufgrund des Mangels an Informationen zum Studiendesign, der niedrigen Anzahl von Teilnehmern in der Analyse der Ergebnisse und der Unterschiede in den Studienmerkmalen und -ergebnissen sehr niedrig.

Was sind die Schlussfolgerungen?
Trotz der Auswirkungen von Depressionen auf Krebserkrankte gab es nur sehr wenige Studien, die zudem von niedriger Qualität waren. Im Rahmen dieses Reviews konnte zu den Wirkungen dieser Medikamente im Vergleich zu Placebo nur eine Evidenz von sehr niedriger Vertrauenswürdigkeit festgestellt werden.

Übersetzung: 

K. Jones, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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