Interventionen für Straftäterinnen, die Drogen konsumieren

Hintergrund

Drogen konsumierende Straftäter stellen typischerweise eine sozial ausgegrenzte Gruppe dar, in welcher Drogenkonsum häufiger ist als im Rest der Bevölkerung. Frauen werden zunehmend wegen Drogendelikten inhaftiert. Daher ist es wichtig herauszufinden, welche Maßnahmen bei straffälligen Frauen wirksam sind.

Studienmerkmale

Die Review-Autoren durchsuchten wissenschaftliche Datenbanken und Internetquellen nach randomisierten, kontrollierten Studien (in denen Teilnehmer im Zufallsverfahren zu einer, zwei oder mehreren Behandlungsgruppen zugeteilt werden). Die darin untersuchten Interventionen hatten zum Ziel, den Drogenkonsum oder die kriminelle Aktivität von Drogen konsumierenden Straftäterinnen zu vermindern, zu stoppen oder einem Rückfall vorzubeugen. Wir schlossen Frauen unabhängig von Alter und ethnischer Zugehörigkeit ein.

Hauptergebnisse

Wir fanden neun Studien zu Straftäterinnen, die Drogen konsumieren. Drei Studien verglichen therapeutische Gemeinschaften mit: i) alternativen Strafformen; ii) einem Erziehungsprogramm zur Förderung von kognitiven Kompetenzen bei Substanzmissbrauch; sowie iii) geschlechtergerechter Behandlung des Substanzmissbrauchs bei Frauen im Gefängnis. Zwei Studien haben gemeindebasiertes Management untersucht; eine hat es mit Bewährung und die andere mit Bewährungsaufsicht, jeweils nach gängigem Standard, verglichen. Zwei Studien haben ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Programm mit der üblichen Therapie verglichen, bzw. Patientinnen, die eine Kombination von kognitiv-verhaltenstherapeutischer Behandlung mit Akzeptanz- und Commitment-Therapie erhielten mit Patientinnen auf einer Warteliste. Eine Studie hat eine medikamentöse Intervention mit einem Placebo oder der üblichen Therapie verglichen. Eine Studie hat eine interpersonelle Psychotherapie mit einer psychoedukativen Kontrollintervention (mit gleichem Mass an Zuwendung) verglichen.

Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass die untersuchten psychosozialen Behandlungen im Vergleich zur üblichen Therapie zur Verringerung erneuter Freiheitsstrafe beigetragen haben, die Zahl erneuter Verhaftungen oder Drogenmissbräuche aber nicht veränderten. Wir stellten fest, dass die einzelnen Behandlungsinterventionen unterschiedliche Wirkungen hatten. Uns lagen zu wenige Studien vor, um zu beurteilen, ob das Umfeld der Behandlung (z.B. institutionalisiert oder gemeinschaftsbasiert) den Erfolg dieser Programme beeinflusst. Die Ergebnisse heben den Einsatz von psychosozialen Behandlungen zur Verringerung erneuter Freiheitsstrafe als vielversprechend hervor. Zu den Kosten und der Kostenwirksamkeit dieser Studien liegen keine Informationen vor. Demnach ist qualitativ hochwertige Forschung erforderlich, um die Wirksamkeit verschiedener Behandlungsmöglichkeiten für Straftäterinnen, die Drogen konsumieren, beurteilen zu können. Wir brauchen weitere Informationen zur Beteiligung von Frauen an Suchtmittel-Behandlungs-Programmen sowie Forschungsarbeiten zur Bewertung der Kostenwirksamkeit. Entsprechende Ergebnisse werden es politischen Entscheidungsträgern ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen und entsprechende Programme anzuordnen, die speziell auf Straftäterinnen mit Drogenmissbrauch-Problemen abzielen.

Qualität der Evidenz

Dieser Review wurde durch den Mangel an Informationen aus dieser Gruppe von Studien eingeschränkt und die Qualität der Evidenz war niedrig bis moderat. Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2014.

Übersetzung: 

Freigegeben durch Cochrane Schweiz

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