Maßnahmen zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit von Arm und Hand nach einem Schlaganfall

Forschungsfrage

Welche Behandlungsmaßnahmen fördern die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit von Arm und Hand nach einem Schlaganfall?

Hintergrund

Einschränkungen der Funktionsfähigkeit des Arms (Beeinträchtigungen der oberen Extremität) sind nach einem Schlaganfall häufig. Diese Beeinträchtigungen der oberen Extremität umfassen häufig Schwierigkeiten bei der Bewegung und Koordination der Arme, Hände und Finger, was oft zu Schwierigkeiten bei der Durchführung von Aktivitäten des täglichen Lebens wie Essen, Ankleiden und Waschen führt. Mehr als die Hälfte der Menschen mit einer Beeinträchtigung der oberen Extremität nach einem Schlaganfall haben diese Probleme noch viele Monate bis Jahre danach. Die Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Arms ist ein Hauptbestandteil der Rehabilitation. Viele mögliche Behandlungsansätze sind entwickelt worden; diese können verschiedene Übungen oder Training, den Einsatz spezieller Ausrüstung oder Techniken oder die Verabreichung bestimmter Medikamente (Tabletten oder Injektionen) zur Unterstützung von Armbewegungen beinhalten.

Die Rehabilitation der oberen Extremität nach einem Schlaganfall umfasst häufig mehrere verschiedene Maßnahmen und bedarf generell der Zusammenarbeit von Patienten, Pflegenden und dem Rehabilitationsteam.

Um Menschen den Zugang zu Informationen über effektive Maßnahmen zu erleichtern und ihnen zu helfen, die Effekte verschiedener Behandlungen zu vergleichen, haben wir eine Cochrane-Übersicht erstellt. Unser Ziel war es, alle systematischen Übersichtsarbeiten zu Behandlungsmaßnahmen zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit der oberen Extremität (des Arms) nach einem Schlaganfall zusammenzufassen.

Merkmale des Reviews

Wir haben nach Cochrane- und Nicht-Cochrane-Reviews (systematische Reviews, die außerhalb der Cochrane Collaboration entstanden sind) zur Effektivität von Maßnahmen zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Arms nach einem Schlaganfall gesucht. Wir haben 40 systematische Reviews (19 Cochrane-Reviews und 21 Nicht-Cochrane-Reviews) eingeschlossen. Die Evidenz (der wissenschaftliche Beleg) ist auf dem Stand von Juni 2013.

Die Reviews deckten 18 verschiedene Behandlungsansätze ab; ebenso unterschieden sie sich hinsichtlich der Dosierung der Maßnahmen und des Ortes, an dem die Maßnahmen durchgeführt wurden. Die Reviews unterschieden sich bezüglich der eingeschlossenen Patientengruppen (hinsichtlich der anfänglichen Beeinträchtigung der oberen Extremität und Schwere des Schlaganfalls) sowie hinsichtlich der eingeschlossenen Vergleichsgruppen (die Kontrollbehandlungen (andere Behandlungen), keine Behandlung oder konventionelle Therapien umfassten).

Wir entnahmen Einzelheiten aus 127 Vergleichen, die innerhalb der Übersichtsarbeiten untersucht worden waren. Diese zeigten das Ausmaß der Effekte der verschiedenen Maßnahmen auf die Funktionsfähigkeit und Beeinträchtigung der oberen Extremität sowie auf die Fähigkeit zur Ausführung der Aktivitäten des täglichen Lebens.

Hauptergebnisse

Aktuell ist keine Evidenz hoher Qualität für die derzeit im Rahmen der routinemäßig in der Praxis angewandten Behandlungsmaßnahmen verfügbar. Die Evidenz ist nicht ausreichend, um aufzuzeigen, welche die effektivsten Maßnahmen zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit der oberen Extremität sind.

Evidenz von moderater Qualität deutet darauf hin, dass die folgenden Ansätze effektiv sein könnten: Erzwungener Gebrauch (engl. Constrained Induced Movement Therapy, CIMT), Mentales Training, Spiegeltherapie, Maßnahmen zur Behandlung von Sensibilitätsstörungen, Virtuelle Realität und ein relativ hoch dosiertes repetitives (sich wiederholendes) aufgabenspezifisches Training. Evidenz von moderater Qualität deutet zudem darauf hin, dass ein einseitiges Armtraining (Übungen für den betroffenen Arm) möglicherweise effektiver ist als ein beidseitiges Armtraining (gleichzeitige Durchführung der gleichen Übung mit beiden Armen).

Es gibt einige Evidenz dafür, dass eine höhere Behandlungsdosierung besser ist als eine niedrigere. Weitere Forschung zur Ermittlung der optimalen Dosierung der Armrehabilitation ist unerlässlich.

Das Zusammentragen der verfügbaren Evidenz aus systematischen Reviews hat uns dabei geholfen, spezifische Empfehlungen für die zukünftige Forschung auszugeben. Diese Empfehlungen beinhalten (ohne darauf beschränkt zu sein) die Durchführung großer randomisierter kontrollierter Studien (Vergleichsstudien mit zufälliger Zuteilung der Teilnehmer zu den Studiengruppen) zur CIMT, zum Mentalen Training, zur Spiegeltherapie und zur Virtuellen Realität. Wir empfehlen aktuelle Reviews hoher Qualität sowie weitere Primärforschung (weitere Studien) für verschiedene spezifische Behandlungsmaßnahmen.

Qualität der Evidenz

In Bezug auf eine Maßnahme beurteilten wir die Qualität der Evidenz als hoch: eine Form der Gehirnstimulation, die sogenannte Transkranielle Gleichstromstimulation (engl. transcranial Direct Current Stimulation, tDCS), die derzeit nicht routinemäßig in der Praxis angewandt wird. Die hochwertige vorliegende Evidenz zeigt, dass tDCS die Fähigkeit zur Durchführung von Aktivitäten des täglichen Lebens nicht verbessert.

Wir beurteilten die Qualität der Evidenz als moderat für 48 Vergleiche (die sieben verschiedene Maßnahmen abdeckten) und als gering oder sehr gering für 76 Vergleiche. Gründe für die Herabstufung der Qualität der Evidenz auf moderat, gering oder sehr gering beinhalten geringe Studien- und Teilnehmerzahlen, eine Schwäche der methodischen Qualität oder der Berichte der in den Reviews eingeschlossenen Studien, eine erhebliche Heterogenität (Unterschiedlichkeit) der Studienergebnisse und eine mangelhafte Qualität des Reviews oder der Berichterstattung über die Methodik.

Wir ziehen den Schluss, dass ein dringender Bedarf an hochwertiger Evidenz zur Effektivität von Behandlungsmaßnahmen zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit der oberen Extremität besteht, insbesondere für die Maßnahmen, bei denen Evidenz von moderater Qualität derzeit Hinweise auf einen positiven Effekt gibt.

Übersetzung: 

M. Gooßes und T. Bossmann, Koordination durch Cochrane Schweiz

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