Können Interventionen zur Tabakentwöhnung, die während einer Behandlung gegen oder Erholung von Substanzmissbrauch angeboten werden, Tabakkonsumenten beim Ausstieg unterstützen?

Hintergrund

Tabaknutzung ist weltweit die führende vermeidbare Todesursache. Hohe Raucherraten gibt es vor allem unter Personen, die abhängig von Alkohol oder anderen Drogen sind. Personen, die wegen Alkohol- oder einer andere Drogenabhängigkeit in Behandlung waren, wurde in diesem Zusammenhang normalerweise keine Behandlung zur Raucherentwöhnung angeboten. Es bestand Sorge, dass der Versuch, die Personen vom Rauchen zu entwöhnen, die Wahrscheinlichkeit schmälert, sich von anderen Abhängigkeiten zu erholen .

Studienmerkmale

Wir suchten nach Studien, die erwachsene Raucher einschlossen, die sich in Krankenhäusern, ambulant oder in gemeindenahen Settings entweder in Behandlung gegen Substanzmissbrauch befanden oder eine solche Behandlung abgeschlossen hatten. Diese Erwachsenen wurden zufällig entweder der Behandlungsgruppe zur Raucherentwöhnung oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Wir suchten im August 2016 nach Evidenz. Wir haben 34 publizierte Studien gefunden. Die eingeschlossenen Arten von Raucherentwöhnungsprogrammen umfassten: Beratung (was entweder eine kurze Sitzung mit Ratschlägen sein konnte oder mehrere Sitzungen mit verhaltensbasierter Unterstützung, sowohl allein als auch in Gruppen), Medikamente (eine sogenannte Arzneimitteltherapie, die jegliche Art von Nikotinersatztherapie umfasst, mit oder ohne anderen Medikamenten, die Rauchern bei der Entwöhnung helfen) oder eine Kombination aus Beratung und Arzneimitteltherapie. Wir fassten die Ergebnisse der Studien separat nach jeder Form der Behandlungen zusammen, auch wenn verschiedene Studien verschiedene Behandlungen verwendeten. Personen, die der Kontrollgruppe zugeordnet waren, erhielten die Regelversorgung, kurze Ratschläge zur Raucherentwöhnung oder sie wurden auf eine Warteliste gesetzt, um die Behandlung später zu erhalten. Die meisten Studien erhoben die Zahl der Personen, die mindestens sechs Monate nach Beginn der Behandlung mit dem Rauchen aufgehört haben. Es wurden jedoch auch Studien von kürzerer Dauer einbezogen.

Hauptergebnisse

Elf Studien mit 1808 Personen untersuchten die Wirkung von verschiedenen Arten von Arzneimitteltherapien. Es gab Evidenz dafür, dass Personen, denen Arzneimitteltherapien gegeben wurde, erfolgreicher darin waren mit dem Rauchen aufzuhören. Zwölf Studien, mit 2229 Teilnehmern untersuchten Behandlungen, die Arzneimitteltherapien mit Beratung kombinierten. Es gab Evidenz dafür, dass Personen, denen eine solche kombinierte Behandlung angeboten wurde, erfolgreicher darin waren mit dem Rauchen aufzuhören. Elf Studien mit 1759 Teilnehmern, untersuchten die Wirkung von Beratung verglichen mit der Regelversorgung. Eine Zusammenfassung dieser Ergebnisse zeigte keine Evidenz für den Nutzen von Beratung allein.

Elf Studien mit 2231 Personen berichteten, ob Personen abstinent von Alkohol und anderen Drogen blieben. Bereitstellung von Interventionen zur Raucherentwöhnung erhöhte nicht die Wahrscheinlichkeit, zu Alkohol und anderen Drogen zurückzukehren.

Wir haben keine Evidenz dafür gefunden, dass es einen Unterschied macht, ob Personen Behandlungen zur Raucherentwöhnung erhalten, wenn sie gerade erst mit der Behandlung gegen Drogenmissbrauch angefangen haben, oder wenn sie sich von dieser erholen. Die Ergebnisse waren ähnlich bei Personen, die in Behandlung gegen Alkoholmissbrauch waren und für Personen, die in Behandlung gegen andere Drogen, wie Heroin, waren.

Qualität der Evidenz

Wir bewerteten die Qualität der Evidenz als niedrig. Viele Studien berichteten nicht genügend Details über die Methode, die sie verwendet haben. Die Studien berücksichtigten verschiedene Arten von Behandlung, was einen Vergleich erschwerte.

Übersetzung: 

I.Nolle, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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