Welche ist die geeigneteste Quelle für blutbildende Spender(stamm)zellen zur Transplantation bei Erwachsenen mit Blutkrebs?

Stammzellentransplantation

Stammzelltransplantation ist eine wichtige Behandlungsoption für Patienten mit Blutkrebs (hämatologischen malignen Erkrankungen). Während des Verfahrens werden blutbildende (Stamm-)Zellen aus dem Knochenmark, dem peripheren Blut oder dem Nabelschnurblut eines gesunden Spenders entnommen und einer Person mit Blutkrebs transplantiert. Das Ziel ist, den Körper des Empfängers nach vorbereitenden Behandlungen wie Chemotherapie oder Strahlung (oder beidem) mit gesunden Zellen zu versorgen. Periphere Blutstammzellen und Knochenmark-Stammzellen sind die häufigsten Quellen für Stammzellen bei Erwachsenen. Die Transplantationen sind am erfolgreichsten, wenn die Stammzellen von einem gesunden Spender transplantiert werden, dessen Gewebe genetisch kompatibel mit dem des Empfängers ist (passender verwandter Spender). Wenn kein passender Spender identifiziert werden kann, ist es möglich, Zellen, die von einem angepaßten unverwandten Spender oder von Spendern, die bestimmte Ungleichheiten haben, zu verpflanzen. Grundsätzlich gilt, je höher der Grad der genetischen Ungleichheit, desto höher ist das Risiko schwerer transplantationsbedingter Komplikationen, insbesondere Graft-versus-Host-Reaktion (GvHR), bei der weiße Blutkörperchen des Spenders (T-Zellen) gesundes Gewebe des Empfängers angreifen.

Periphere Blutstammzellen versus Knochenmark-Stammzellen

Stammzellen aus peripherem Blut werden dem Spender entnommen, nachdem er ein Medikament erhalten hat, das bewirkt, dass die Stammzellen vom Knochenmark zum peripheren Blut mobilisiert werden. Eine Spende von Knochenmark-Stammzellen umfasst die Entnahme von Stammzellen vom Beckenknochen unter Vollnarkose. Die Annehmlichkeit für Spender und logistische Gründe sprechen für eine Spende peripherer Blutstammzellen.

Dieser Review befasst sich mit der Frage, welche Quelle von Stammzellen - Knochenmark oder peripheres Blut - am besten geeignet ist für Patienten mit Stammzelltransplantation.

Klinische Ergebnisse mehrerer Studien sind veröffentlicht worden, die den Gebrauch von Knochenmark-Stammzellen und peripheren Blutstammzellen bei Patienten mit hämatologischen Malignitäten verglichen. In den meisten dieser Studien sind die Wachstums- und Vermehrungsraten (Anwachsen der Stammzellen) nach der Transplantation von peripheren Blutstammzellen (PBSCT) höher als nach der Transplantation von Knochenmark-Stammzellen (BMT). Einige Studien berichteten, dass die PBSCT mit einem höheren Risiko für GvHR assoziiert ist als die BMT. GvHR ist mit einem niedrigeren Rückfallrisiko assoziiert. Das zeigt die Fähigkeit des Immunsystems gleichzeitig maligne Zellen anzugreifen (Graft-versus-Malignancy-Effekt). Andererseits kann die GvHR ein wichtiger Treiber Transplantations-bedingter Sterblichkeit und Morbidität sein. Es wurde berichtet, dass das krankheitsfreie und Gesamt-Überleben sich zwischen PBSCT und BMT gewöhnlich nicht unterscheiden. Ein systematischer Review von 2005, basierend auf Daten von einzelnen Patienten, konnte keine bevorzugte Quelle für Stammzellen identifizieren und basierte weitgehend auf Daten aus den späten 1990er Jahren. Seitdem haben sich Transplantationsindikationen und Strategien, sowie unterstützende Pflegemaßnahmen wesentlich geändert.

Ergebnisse dieser Meta-Analyse

Der Review schloss neun randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 1521 Teilnehmern ein. Wesentliche Einschlusskriterien waren Erwachsene, die eine Stammzelltransplantation gegen Blutkrebs durchlebten, die entweder Knochenmark-Stammzellen oder periphere Blutstammzellen erhielten. Die Teilnehmer wurden zwischen 1994 und 2009 behandelt. Die Evidenz ist auf dem Stand von Februar 2014.

Insgesamt fanden wir, dass das krankheitsfreie und Gesamt-Überleben für beide Interventionen vergleichbar war. Empfänger von Knochenmark-Stammzellen von verwandten Spendern hatten eher einen Rückfall als Empfänger von peripheren Blutstammzellen. Dieser Unterschied war jedoch nicht bei Empfängern von Knochenmark-Stammzellen von unverwandten Spendern sichtbar. Die Inzidenz akuter GvHR nach PBSCT bzw. BMT war vergleichbar; jedoch bestand eine Tendenz zu schwererer GvHR bei PBSCT. PBSCT war mit höheren Raten chronischer GvHR assoziiert. Die Zeit bis zum Anwachsen der Stammzellen war unter PBSCT signifikant kürzer als unter BMT. Die Qualität der Evidenz war moderat bis hoch.

Schlussfolgerung

Vor dem Hintergrund der Veränderung klinischer Strategien bestätigen diese Ergebnisse, dass die derzeitige Praxis der Verwendung von peripherem Blut anstatt von Knochenmark als Quelle von Stammzellen für Stammzelltransplantation bei Erwachsenen mit hämatologischen malignen Erkrankungen nicht nachteilig in Bezug auf das Gesamtüberleben ist.

Übersetzung: 

K. Kunzweiler und I. Töws, Koordination durch Cochrane Schweiz.

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