Paracetamol (Acetaminophen) bei persistierendem Ductus arteriosus (ein für das Überleben des Fötus notwendiges Blutgefäß) bei Frühgeborenen oder Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht

Fragestellung des Reviews: Wie wirksam und sicher ist Paracetamol, das schwache entzündungshemmende Eigenschaften hat, im Vergleich zu Placebo (einer Substanz ohne aktive therapeutische Wirkung) oder keiner Intervention oder nichtsteroidalen entzündungshemmenden Medikamenten (Indometacin und Ibuprofen), zum Verschluss eines persistierenden Ductus arteriosus (PDA) bei Frühgeborenen / Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht?

Hintergrund: Eine häufige Komplikation bei Frühgeborenen oder kleinen Säuglingen ist ein persistierender Ductus arteriosus (PDA). Eine Durchblutung der (noch) nicht funktionierenden Lunge ist vor der Geburt nicht notwendig (die fetale Blutversorgung erhält den Sauerstoff über die Plazenta). Die PDA ist ein temporäres fetales Blutgefäß, das die Pulmonalarterie (das Gefäß, das nach der Geburt sauerstoffarmes Blut vom Herzen zur Lunge bringt) mit der Aorta (das Gefäß, das frisch mit Sauerstoff angereichertes Blut, das von der Lunge über die Pulmonalvene zum Herzen zurückgeführt wird, vom Herzen weg und auf den Beginn seiner Reise durch den Körper bringt) verbindet. Mit anderen Worten: Die PDA bewirkt einen „Kurzschluss“ der fetalen Blutzirkulation durch die Lunge. Das ist notwendig, um das Leben im Mutterleib zu erhalten, aber die PDA sollte sich nach der Geburt schließen. Manchmal bleibt sie aufgrund des unreifen Entwicklungsstadiums des Kindes offen. Eine PDA kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Die übliche Behandlung für PDA ist Indometacin oder Ibuprofen, die die Produktion von Prostaglandinen hemmen und den Verschluss der PDA fördern. Kürzlich wurde Paracetamol (Acetaminophen), ein häufig verwendetes Medikament zur Behandlung von Fieber oder Schmerzen bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen, als Alternative zu Ibuprofen mit möglicherweise weniger Nebenwirkungen, vorgeschlagen. Eine Reihe von Fallberichten und Fallserien haben nahegelegt, dass Paracetamol eine Alternative für den Verschluss einer PDA sein könnte. Wie genau Paracetamol wirkt, um die PDA zu schließen ist nicht bekannt, beinhaltet aber wahrscheinlich eine Hemmung der Prostaglandinsynthese. Prostaglandine sind chemische Verbindungen, die im ganzen Körper (d.h. nicht in einem bestimmten Organ) gebildet werden, insbesondere dort, wo Weichteilgewebe geschädigt ist, und deren Produktion (Synthese) eine Schlüsselrolle bei Heilungsprozessen spielt. Es ist bekannt, dass sie eine wichtige Rolle dabei spielen, den Ductus arteriosus offen (persistierend) zu halten, so dass eine Senkung ihrer Produktion den Verschluss des Ductus arteriosus fördern würde.

Studienmerkmale: Wir identifizierten insgesamt acht Studien, die 916 Frühgeborene einschlossen und die Wirksamkeit und Sicherheit von Paracetamol gegenüber Ibuprofen, Indometacin oder Placebo bei der Behandlung einer PDA im frühen Lebensalter verglichen.

Hauptergebnisse: Die kombinierten Ergebnisse der eingeschlossenen Studien zeigten, dass die Erfolgsrate für Paracetamol zum Schließen einer PDA höher als die von Placebo und ähnlich wie die von Ibuprofen und Indometacin war. Paracetamol scheint weniger unerwünschte Wirkungen auf die Nieren- und Leberfunktionen zu haben. In einer kleinen Studie, die Kinder bis zum Alter von 18 bis 24 Monaten verfolgte, gab es keinen Unterschied in der Beeinträchtigung der neurologischen Entwicklung. Diese Evidenz ist auf dem Stand von November 2017.

Schlussfolgerungen: Für den Verschluss einer PDA scheint Paracetamol eine vielversprechende Alternative zu Indometacin und Ibuprofen mit möglicherweise weniger Nebenwirkungen zu sein.

Es werden zusätzliche Studien benötigt, die diese Maßnahme untersuchen und längerfristige Nachuntersuchungen beinhalten, bevor Paracetamol als Standardbehandlung für einen PDA bei Frühgeborenen empfohlen werden kann. Derzeit laufen mehrere Studien, die letztendlich zusätzliche Informationen liefern werden. Aufgrund von Berichten über einen möglichen Zusammenhang zwischen pränatalem Paracetamol und der Entwicklung von Autismus oder einer Autismus-Spektrum-Störung im Kindesalter sowie einer Sprachverzögerung bei Mädchen muss bei allen Studien zu Paracetamol bei Neugeborenen eine langfristige Nachbeobachtung bis zu einem Alter von mindestens 18 bis 24 Monaten nach der Geburt durchgeführt werden.

Qualität der Evidenz: Obwohl das Gesundheitsfachpersonal nicht immer "verblindet" war (d.h. nicht wussten, welches Medikament die Säuglinge erhielten), beurteilten wir die Qualität der Evidenz als moderat.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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