Nicht-medikamentöse Behandlung von Depressionen bei Kindern und Erwachsenen, die ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben

Fragestellung

In diesem Review wurde die Evidenz zur Wirkung nicht-medikamentöser Behandlungen gegen Depressionen nach einem erlittenen Schädel-Hirn-Trauma (SHT) untersucht. Dabei sollte festgestellt werden, ob diese Behandlungen besser geeignet sind als keine Behandlung oder medikamentöse Therapien, um die Symptome einer Depression zu lindern oder die Diagnose zu verbessern. Es wurde eine Suche nach Evidenz zur relativen Wirksamkeit verschiedener Behandlungsmethoden und eventuell schädlichen oder negativen Wirkungen durchgeführt.

Hintergrund

Menschen, die ein SHT erlitten haben, haben häufiger Depressionen. Eine Depression erhöht das Selbstmordrisiko und wirkt sich negativ auf die Genesung nach einem SHT aus. Es gibt viele nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden gegen Depressionen. Ziel dieses Reviews war die Beurteilung der Wirkung nicht-medikamentöser Behandlungen für Menschen mit einem SHT.

Suchdatum

Für diesen Review wurde eine Suche nach randomisierten Studien durchgeführt, die bis Februar 2015 publiziert wurden.

Studienmerkmale

Es wurden sechs Studien gefunden mit insgesamt 334 erwachsenen Teilnehmern. Die Suche ergab keine Studien mit Teilnehmern unter 18 Jahren. Vier Studien betrachteten psychologische Behandlungen. In einer Studie wurde eine Form der Bewegungstherapie untersucht, in einer weiteren repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS).

Hauptergebnisse

In drei Studien wurden psychologische Behandlungen (kognitive Verhaltenstherapie oder achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie) mit keiner Behandlung als Kontrollintervention verglichen. Aus der Meta-Analyse der Studiendaten ging keine zuverlässige Wirkung psychologischer Behandlungen hervor. In einer Studie wurde die kognitive Verhaltenstherapie mit einer weiteren psychologischen Behandlung (unterstützende Psychotherapie) verglichen. Dabei wurden keine Wirkungen zu Gunsten der einen oder anderen Therapieform festgestellt. Eine Studie zog einen Vergleich zwischen einem betreuten Bewegungsprogramm und Bewegung nach der eigenen Routine. Es wurde jedoch kein Effekt festgestellt, der für die eine oder andere Maßnahme sprach. In einer weiteren Studie wurde rTMS in Kombination mit einem Antidepressivum mit der alleinigen Verabreichung des Antidepressivums verglichen. Da die Evidenz von sehr niedriger Qualität war, konnten keine Schlüsse gezogen werden, dass der zusätzliche Einsatz von rTMS die Ergebnisse verbesserte. In nur einer Studie zu rTMS fanden sich Angaben zu schädlichen Wirkungen, diese waren verhältnismäßig gering und klangen schnell wieder ab.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz wurde als sehr niedrig eingestuft. Bei allen Studien lag auf die eine oder andere Weise ein hohes Risiko für Bias vor. Deswegen konnten keine Schlussfolgerungen zu Gunsten einer bestimmten Behandlungsmethode gezogen werden. Die Hauptergebnisse waren durch eine hohe Variabilität gekennzeichnet, so dass die Resultate wenig verlässlich waren. Einige Studien wiesen beträchtliche methodische Mängel auf.

Schlussfolgerung

Auf Grundlage der derzeitigen Evidenz ist es nicht möglich, eine Empfehlung für eine bestimmte Behandlungsform auszusprechen. Die Autoren dieses Reviews haben einige Empfehlungen zur Verbesserung der Qualität der Evidenz in künftigen Studien formuliert.

Übersetzung: 

I. Noack, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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