Anti-VEGF-(Vascular Endothelial Growth Factor-)Medikamente zur Behandlung von Frühgeborenen-Retinopathie

Diese Übersetzung ist nicht mehr aktuell. Bitte klicken Sie hier, um die neueste englische Version dieses Reviews zu sehen.

Hintergrund

Die Frühgeborenen-Retinopathie (auch Retinopathia praematurorum, RPM) ist eine Gefäßerkrankung der unreifen Netzhaut, die bei frühgeborenen Säuglingen zu Beeinträchtigungen des Sehvermögens und sogar zu Blindheit führen kann. Sie wird hauptsächlich durch die Entfernung des Teils der Netzhaut ohne Blutgefäße („avaskuläre Retina“) durch Kryotherapie oder Lasertherapie behandelt. Zwar führen diese Behandlungen zu einer deutlichen Verbesserung der Langzeitergebnisse, jedoch sind die Ergebnisse bei Weitem noch nicht ideal. Zusätzlich verursachen sie einen dauerhaften Verlust des peripheren Gesichtsfelds. In jüngerer Zeit wurden Studien durchgeführt, in denen der Einsatz von Anti-VEGF-Wirkstoffen zur Behandlung der RPM bewertet wurde. Diese Wirkstoffe hemmen die Wirkung des Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), einem zentralen regulierenden Faktor in der Entstehung neuer Blutgefäße beim Fetus. Tierstudien haben eine deutliche Verringerung der neovaskulären Antwort (also der Neubildung von Blutgefäßen) nach der Injektion von Anti-VEGF-Antikörpern in die Glaskörperhöhle der Augen gezeigt („intravitreale“ Therapie).

Studienmerkmale

Wir durchsuchten im Januar 2016 wissenschaftliche Datenbanken nach Studien, in denen die Wirkung und Sicherheit der intravitrealen Therapie mit Anti-VEGF-Wirkstoffen bei frühgeborenen Säuglingen mit RPM bewertet wurde. Wir fanden drei randomisierte kontrollierte Studien mit 239 Säuglingen. Zwei Studien verglichen intravitreal verabreichtes Bevacizumab mit konventioneller Lasertherapie. Die dritte Studie verglich intravitreal verabreichtes Pegaptanib plus Lasertherapie mit Laser-/Kryotherapie allein.

Hauptergebnisse

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass intravitreal verabreichtes Bevacizumab das Risiko von Refraktionsfehlern (starker Kurzsichtigkeit) in der Kindheit verringert, während intravitreal verabreichtes Pegaptanib in Verbindung mit Lasertherapie das Risiko der Netzhautablösung senkte. Zu den Wirkungen auf andere kritische Endpunkte, einschließlich verspäteter Nebenwirkungen wie Schlaganfällen, ist nichts bekannt. Es sind weitere Studien erforderlich, um diese Endpunkte zu bewerten.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz wurde für die meisten der zentralen Endpunkte als sehr niedrig oder niedrig eingestuft.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

Share/Save

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.