Anti-VEGF-(Vascular Endothelial Growth Factor-)Medikamente zur Behandlung von Frühgeborenen-Retinopathie

Hintergrund

Die Frühgeborenen‐Retinopathie (auch Retinopathia praematurorum, RPM) ist eine Gefäßerkrankung der unreifen Netzhaut, die bei frühgeborenen Säuglingen zu Beeinträchtigungen des Sehvermögens und sogar zu Blindheit führen kann. Sie wird hauptsächlich durch die Entfernung des Teils der Netzhaut ohne Blutgefäße („avaskuläre Retina“) durch Kryotherapie oder Lasertherapie behandelt. Zwar führen diese Behandlungen zu einer deutlichen Verbesserung der Langzeitergebnisse, jedoch sind die Ergebnisse bei Weitem noch nicht ideal. Zusätzlich verursachen sie einen dauerhaften Verlust des peripheren Gesichtsfelds. In jüngerer Zeit wurden Studien durchgeführt, in denen der Einsatz von Anti-VEGF-Wirkstoffen zur Behandlung der RPM beurteilt wurde. Diese Wirkstoffe hemmen die Wirkung des Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), einem zentralen regulierenden Faktor in der Entstehung neuer Blutgefäße beim Fetus. Tierstudien haben eine deutliche Reduktion der neovaskulären Antwort (also der Neubildung von Blutgefäßen) nach der Injektion von Anti-VEGF-Antikörpern in die Glaskörperhöhle der Augen gezeigt („intravitreale“ Therapie).

Studienmerkmale

Wir durchsuchten im Dezember 2016 wissenschaftliche Datenbanken nach Studien, in denen die Wirkung und Sicherheit der intravitrealen Therapie mit Anti‐VEGF‐Wirkstoffen bei frühgeborenen Säuglingen mit RPM bewertet wurde. Wir fanden sechs randomisierte kontrollierte Studien mit 383 Säuglingen. Fünf Studien verglichen intravitreal verabreichtes Bevacizumab oder Ranibizumab mit konventioneller Lasertherapie. Eine Studie verglich intravitreal verabreichtes Pegaptanib plus Lasertherapie mit Laser‐/Kryotherapie allein.

Hauptergebnisse

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass intravitreal verabreichte Anti-VEGF-Wirkstoffe das Risiko von Refraktionsfehlern (starker Kurzsichtigkeit) in der Kindheit verringern, aber nicht das Risiko für Netzhautablösung oder Wiederauftreten der RPM bei alleiniger Anwendung. Intravitreal verabreichtes Pegaptanib in Verbindung mit Lasertherapie senkt das Risiko der Netzhautablösung. Die Auswirkungen auf andere wichtige Endpunkte, z.B. spätere Nebenwirkungen wie Schlaganfall, sind nicht bekannt. Es sind weitere Studien erforderlich, um diese Endpunkte zu beurteilen.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz wurde für die meisten der wichtigsten Endpunkte als sehr niedrig oder niedrig eingestuft.

Setting

Neugeborenenstationen in China, Tschechien, Italien, Iran, Irland und USA.

Übersetzung: 

Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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