Atemunterstützung mit High-Flow-Nasenkanüle für Säuglinge mit Bronchiolitis

Was ist Bronchiolitis?

Bronchiolitis ist eine häufige Erkrankung der unteren (kleinsten) Atemwege (Bronchiolen) bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren. Sie wird in der Regel durch eine Virusinfektion verursacht und führt zu Atemproblemen wie Husten, beschleunigte und pfeifende Atemzüge, und kann zu Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme führen. Sie ist eine der Hauptursachen für Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Behandlung von Bronchiolitis zielt auf unterstützende Maßnahmen ab. In den Fällen, in denen ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist, wird die Atmung des Kindes so lange unterstützt, bis die Infektion abgeklungen ist. Eine immer häufiger genutzte Methode zur Atemunterstützung besteht darin, eine Mischung aus erwärmter, befeuchteter Luft und Sauerstoff zu verwenden. Diese wird durch Nasenkanülen – dünne Schläuche, die in die Nasenlöcher eingeführt werden – mit einer Flussrate von mehr als zwei Litern pro Minute zugeführt. Diese Methode übersteigt die üblichen Grenzen der traditionellen (Low-Flow) Sauerstoffversorgung, die trockenen Sauerstoff liefert. Diese Methode ist bekannt als High-Flow-Nasenkanülentherapie und erlaubt eine komfortable Versorgung mit hohen Flussraten eines Luft-Sauerstoff-Gemischs, was die Belüftung der Lungen verbessern kann. Auch der kontinuierliche positive Atemwegsdruck (continuous positive airway pressure, CPAP) wird zunehmend bei der Behandlung von Bronchiolitis eingesetzt. Hierbei wird ein Luft-Sauerstoff-Gemisch unter einem festgelegten Druck zugeführt, um die Atemwege offen zu halten und einem Zusammenfallen während der Ausatmungsphase vorzubeugen.

Was wollten wir herausfinden?

Eine High-Flow-Sauerstofftherapie führt möglicherweise zu einem geringeren Bedarf an invasiver Atemunterstützung (z. B. Intubation) und hat möglicherweise einen klinischen Vorteil gegenüber anderen Behandlungen, da sie das Austrocknen der oberen Atemwege verhindert. In diesem Review wurden die Wirkungen der High-Flow-Nasenkanülentherapie bei der Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern mit Bronchiolitis im Vergleich zu anderen Formen der Atemunterstützung bewertet.

Wie gingen wir vor?

Sechzehn Studien (2813 Teilnehmende) erfüllten unsere Einschlusskriterien. In diesen Studien wurde entweder die High-Flow-Therapie mit der herkömmlichen Sauerstofftherapie (Low-Flow) oder dem kontinuierlichen positiven Atemwegsdruck verglichen. Die Studien wurden auf pädiatrischen Stationen und Intensivstationen in aller Welt durchgeführt. Wir haben 11 Studien identifiziert, in denen High-Flow mit Low-Flow verglichen wurde und an denen insgesamt 2322 Säuglinge und Kleinkinder teilnahmen, sowie fünf Studien mit insgesamt 491 Säuglingen und Kleinkindern , in denen High-Flow mit CPAP verglichen wurde. In jeder Studie haben wir uns auf den Vergleich der Dauer des Krankenhausaufenthalts, der Veränderungen der Herz- und Atemfrequenz und der klinischen Bewertungskriterien sowie auf die Anzahl der unerwünschten Ereignisse und die Notwendigkeit einer Behandlungseskalation konzentriert. Wir haben diese Daten analysiert, um festzustellen, ob eine der beiden Maßnahmen überlegen war und ob die Unterschiede statistisch signifikant waren.

Was fanden wir?

Wir haben unseren Review in Studien unterteilt, die High-Flow mit Low-Flow und High-Flow mit CPAP verglichen haben.

Beim Vergleich zwischen High-Flow und Low-Flow wurde ein Unterschied zugunsten von High-Flow festgestellt, der zu einer Verkürzung der Krankenhausaufenthaltsdauer und der Dauer der Sauerstofftherapie führte.

Die Dauer des Krankenhausaufenthalts verkürzte sich um 0,65 Tage (15,6 Stunden) und die Dauer der Sauerstofftherapie um 0,59 Tage (14,2 Stunden). Diese Verminderung ist minimal und könnte in der klinischen Praxis möglicherweise keine bedeutenden Auswirkungen haben.

Wir stellten auch einen Vorteil bei der High-Flow-Therapie fest, der sich in einer deutlicheren Senkung der Atem- und Herzfrequenz sowie in einer geringeren Anzahl von Fällen zeigte, bei denen eine intensivere Behandlung notwendig wurde.

Bei der Häufigkeit unerwünschter Ereignisse (einschließlich Blutungen und Lungenkollaps sowie Handhabungsproblemen) zeigte sich kein Unterschied zwischen den High-Flow- und Low-Flow-Gruppen.

In allen Studien wurde High-Flow generell gut vertragen, und im Vergleich zu Low-Flow und CPAP traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf.

Es lagen nicht genügend Studien vor, in denen High-Flow mit CPAP verglichen wurde, um die Ergebnisse vergleichen oder in einer Metaanalyse auswerten zu können.

Was schränkt die Evidenz ein?

Sauerstofftherapie mit High-Flow-Nasenkanüle ist wirksamer als eine Low-Flow-Therapie, was die Senkung der Atem- und Herzfrequenz, die Dauer des Krankenhausaufenthalts, die Dauer der Sauerstofftherapie sowie die Notwendigkeit einer Behandlungseskalation betrifft. Aufgrund erheblicher Unterschiede zwischen den Studien (Heterogenität) sowie der Gefahr von Verzerrungen (Bias) sind wir nur moderat zuversichtlich, was die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für viele dieser Endpunkte angeht.

Die Evidenz ist unzureichend, um die Wirksamkeit der High-Flow-Nasenkanülentherapie im Vergleich zu CPAP bei der Behandlung von Bronchiolitis bei Säuglingen und Kleinkindern zu bestimmen. Hierfür sind weitere Studien erforderlich.

Wie aktuell ist die vorliegende Evidenz?

Diese Evidenz ist auf dem Stand vom 8. Dezember 2022.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

L. Gorenflo, B. Schindler, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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