Endometrium-Scratching bei Frauen, die sich einer In-vitro-Fertilisation (IVF) unterziehen

Fragestellung des Reviews

Ziel des Reviews war es zu ermitteln, ob das Endometrium-Scratching (ein Verfahren, bei dem die Gebärmutterschleimhaut bewusst verletzt wird) bei Frauen, die sich einer In-vitro-Fertilisation (IVF) mit intrazytoplasmatischer Spermieninjektion und Übertragung gefrorener Embryonen unterziehen, wirksam und sicher ist.

Hintergrund

Paare, die Schwierigkeiten haben, ein Kind zu zeugen, können Fruchtbarkeitsbehandlungen, wie z.B. IVF in Anspruch nehmen, um ihnen zu einer Schwangerschaft zu verhelfen. Bei einem IVF-Zyklus werden der Frau Eizellen entnommen und im Labor mit Spermien zusammengeführt, um Embryonen zu erzeugen. Die Embryonen werden in die Gebärmutter übertragen, in der Hoffnung, dass sie sich einnisten und dass sich eine Schwangerschaft entwickelt. Die Implantation ist der Vorgang, bei dem sich ein Embryo in das Endometrium (die Gebärmutterschleimhaut) einnistet; sie ist der erste Schritt zur Entwicklung einer erfolgreichen Schwangerschaft. Es wird angenommen, dass, dass die Chance einer Einnistung erhöht wird, wenn die Gebärmutterschleimhaut vor dem Einsetzen des Embryos bewusst in einem geringen Umfang verletzt wird (ein Endometrium-Scratching durchgeführt wird).

Studienmerkmale

Wir schlossen 38 klinische Studien (8915 Frauen) ein, in denen die Wirkungen eines Endometrium-Scratchings auf die Ergebnisse einer IVF untersucht worden waren. Die Studien wurden an unterschiedlichen Gruppen von Frauen durchgeführt, und auch die Art und Weise der Durchführung des Endometrium-Scratchings unterschied sich zwischen den Studien in Bezug auf das verwendete Instrument und den Zeitpunkt des Eingriffs innerhalb des IVF-Zyklus. Viele der Studien waren von mangelhafter Qualität und wiesen ein hohes Risiko für Bias auf; daher führten wir die Hauptanalysen nur mit Studien durch, die kein hohes Risiko für Bias aufwiesen. Von den 38 eingeschlossenen Studien wurden nur acht in die Hauptanalysen eingeschlossen.

Hauptergebnisse

Es ist unklar, ob ein Endometrium-Scratching die Chance, durch eine IVF ein Baby zu bekommen, beeinflusst. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass, wenn die Chance, durch eine IVF ein Baby zu bekommen, normalerweise bei etwa 27 % liegt, die Chance, ein Baby zu bekommen, bei Durchführung eines Endometrium-Scratching vor der IVF zwischen weniger als 27 % und 32 % liegt. Ähnlich verhält es sich mit einer Schwangerschaft: Wenn die Chance, durch eine IVF schwanger zu werden, etwa 32 % beträgt, liegt die Chance, schwanger zu werden, einer bei Durchführung eines Endometrium-Scratching vor der IVF zwischen 31 % und 37 %.

Ein Endometrium-Scratching scheint keinen Einfluss auf das Risiko einer Fehlgeburt durch die IVF zu haben. Das Verfahren des Endometrium-Scratchings verursacht leichte bis mäßige Schmerzen und eine geringe Menge an Blutungen aus der Scheide, die jedoch nur von kurzer Dauer sind. Die verfügbare Evidenz stützt die routinemäßige Anwendung eines Endometrium-Scratchings bei Frauen, die sich einer IVF unterziehen, nicht.

In einer kleinen Studie wurde die Durchführung eines Endometrium-Scratchings mit zwei unterschiedlichen Instrumenten innerhalb des Zyklus vor dem IVF-Zyklus untersucht. Aufgrund des Risikos für Bias wurde die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für alle Ergebnisse zu dieser Studie berichteten Ergebnisse als sehr niedrig bewertet; daher war es uns nicht möglich, die Ergebnisse zu interpretieren.

Vertrauenswürdigkeit der Evidenz

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für die Hauptanalysen ist moderat. Die Evidenz wurde herabgestuft, weil die Ergebnisse ungenau waren und die Möglichkeit umfasste, dass das Endometrium-Scratching keine Wirkung, eine vorteilhaften Wirkung und eine schädliche Wirkung des Endometrium-Scratchings auf die Chance, schwanger zu werden oder ein Baby zu bekommen, haben kann.

Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Tools
Information

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.