Welche Interventionen sind zur Behandlung komplexer regionaler Schmerzsyndrome bei Erwachsenen wirksam?

Charakteristisch für das komplexe regionale Schmerzsyndrom (complex regional pain syndrome, CRPS) sind andauernde Schmerzen, typischerweise in den Händen oder Füßen, welche in ihrem Ausmaß nicht im Verhältnis zur ursächlichen Verletzung stehen. Oftmals gehen damit eine Reihe weiterer Symptome, wie Schwellungen, Verfärbungen, Steifigkeit, Kraftlosigkeit und Hautveränderungen einher. Diese Übersicht fasst die Evidenz aus systematischen Reviews zu allen Behandlungsmöglichkeiten des komplexen regionalen Schmerzsyndroms zusammen, im Hinblick darauf, wie gut diese wirken und hinsichtlich möglicher Schäden, die sie verursachen könnten.

Wir identifizierten sechs Cochrane Reviews und 13 systematische Nicht-Cochrane-Reviews die Evidenz mit einer großen Bandbreite an Therapien einschloss von Medikamenten bis zu chirurgischen Eingriffen, Rehabilitation und alternativen Therapien. Für die meisten Behandlungen stand nur eine geringe Anzahl an veröffentlichten Studien mit unterschiedlicher Studienqualität zur Verfügung. Demnach ist der Großteil der Evidenz für die meisten Behandlungen von niedriger oder sehr niedriger Qualität und kann nicht als zuverlässig betrachtet werden.

Wir fanden Evidenz von niedriger Qualität dafür, dass eine tägliche Ketamininfusion Schmerzen wirksam reduzieren könnte, obgleich das Medikament auch mit einer Vielzahl von Nebenwirkungen in Zusammenhang steht. Wir fanden Evidenz von niedriger Qualität, dass Bisphosphonate, Calcitonin und Programme zur Wahrnehmungsschulung („Graded Motor Imagery“) wirksam sein könnten, und dass Spiegeltherapie für Menschen, die nach einem Schlaganfall eine CRPS entwickeln, möglicherweise wirksam sein kann. Evidenz von niedriger Qualität legt nahe, dass Physio- und Ergotherapie nach einem Jahr Nachbeobachtung nicht zu klinisch bedeutsamem Nutzen geführt hat und dass die Blockade sympathischer Nerven mit einer Lokalanästhesie nicht wirksam ist. Es gibt Evidenz von moderater Qualität dafür, dass eine intravenöse regionale Blockade mit Guanethidin nicht wirksam ist und in Zusammenhang mit Komplikationen stehen könnte.

Für eine Reihe weiterer Interventionen fanden wir nur Evidenz von sehr niedriger Qualität oder überhaupt keine Evidenz. Aufgrund des geringen Evidenzlevels sollten keine Rückschlüsse bzgl. der Wertigkeiten der Interventionen gezogen werden.

Aufgrund der bestehenden Evidenz ist es schwierig eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen, welche Therapien Patienten mit CRPS angeboten werden sollten. Studien von höherer Qualität sind dringend erforderlich, um Unsicherheiten in diesem Bereich zu reduzieren und notwendig bevor sichere Empfehlungen ausgesprochen werden können.

Übersetzung: 

R. Oltman, C. Meiling, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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