Lutealphasenunterstützung für die assistierte Reproduktion

Reviewfrage

Es wurden viele verschiedene Interventionen, Dosierungen und Verabreichungswege der Lutealphasenunterstützung untersucht. Wir führten sieben verschiedene Vergleiche durch, um einen Gesamtüberblick zu diesem Thema geben zu können.

Hintergrund

Nach dem Eisprung beginnt die Luteal- oder Gelbkörperphase des Zyklus, die bis zur nächsten Regelblutung anhält. Nach dem Eisprung verbleibt im Eierstock das „corpus luteum“, auch Gelbkörper genannt. Der Gelbkörper produziert verschiedene Hormone, darunter Progesteron. Progesteron stimuliert die Proliferation der Gebärmutterschleimhaut, welche das Einnisten der befruchteten Eizelle (Implantation) vorbereitet.

Um die Eierstöcke auf kontrollierte Weise stimulieren zu können, wird die Hirnanhangdrüse der Frau anhand von Medikamenten, z.B. Blocker, desensibilisiert. Dies führt dazu, dass eine größere Anzahl Eizellen heranreifen, die entnommen und außerhalb des Körpers der Frau befruchtet werden können. Die Hyperstimulation der Eierstöcke verursacht einen Lutealphasendefekt, da der Gelbkörper kein Progesteron in ausreichender Menge produzieren kann.

Aufgrund der Tatsache, dass ein niedriger Progesteronspiegel die Chance einer Einnistung der befruchteten Eizelle senkt, muss die Lutealphase unterstützt werden. Dafür kommt die orale, vaginale oder intramuskuläre Verabreichung von Progestoron, humanem Choriongonadotropin (hCG) (das die Progesteronbildung anregt) oder Agonisten des Gonadotropin-freisetzenden Hormons (GnRH) in Frage. GnRH-Agonisten stimulieren die Produktion von GnRH, einem Hormon, das für das follikelstimulierende (FSH) und luteinisierende Hormon (LH), welches den Eisprung auslöst und den Gelbkörper bildet, verantwortlich ist. Von den GnRH-Agonisten wird angenommen, dass sie den LH-Spiegel wieder herstellen und die Lutealphase auf natürliche Weise unterstützen.

Studienmerkmale

Wir fanden 94 randomisierte kontrollierte Studien, in denen verschiedene Verfahren der Lutealphasenunterstützung bei insgesamt 26.198 Frauen verglichen wurden. Unser primärer Endpunkt waren Lebendgeburten oder laufende Schwangerschaften. Weitere Endpunkte waren klinische Schwangerschaften, ovarielle Hyperstimulationssyndrome (OHSS), Fehlgeburten und Mehrlingsschwangerschaften. Die Evidenz ist auf dem Stand von August 2015.

Hauptergebnisse

Die Verabreichung von hCG oder Progesteron während der Lutealphase ist im Vergleich zu Placebo mit höheren Raten an Lebendgeburten oder laufenden Schwangerschaften assoziiert. Die Evidenz ist allerdings nicht eindeutig. Der Zusatz von GnRH-Agonisten zu Progesteron ist mit einer Verbesserung der Schwangerschafts-Endpunkte assoziiert. OHSS Raten sind bei Verbareichung von hCG verglichen zu Placebo erhöht. Außerdem wird hCG, mit oder ohne Progesteron mit höheren Raten von OHSS als Progesteron allein verbunden. Der Zusatz von Östrogen scheint die Endpunkte nicht zu verbessern.

Qualität der Evidenz

Die Evidenz für die meisten Vergleiche ist von niedriger oder sehr niedriger Qualität. Die wichtigsten Einschränkungen der Evidenz waren eine unzureichende Dokumentation der Studienmethoden und mangelnde Präzision in den Ergebnissen aufgrund der kleinen Studienpopulationen.

Übersetzung: 

Freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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